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Ist jetzt vorbestraft: Thomas Kalt.

Kickers Offenbach

Kurzer Prozess

Nach den Geständnissen der früheren OFC-Geschäftsführer Thomas Kalt und Jörg Hambückers verhängt das Gericht die erwarteten Strafen.

Der Fall Kickers Offenbach ist vor dem Landgericht Darmstadt deutlich schneller zu Ende gegangen als zunächst angenommen. Die ehemaligen Geschäftsführer Thomas Kalt und Jörg Hambückers verließen gestern den Gerichtssaal als Vorbestrafte mit 18 beziehungsweise 15 Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung.

Thomas Kalt trat mit gesenktem Kopf aus Saal 4 des Darmstädter Landgerichts. Gerade war er wegen Verstoßes gegen das Kreditwirtschaftsgesetz, Betrug und Insolvenzverschleppung zu 18 Monaten Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der langjährige Funktionär der Offenbacher Kickers, von Januar 2010 bis Juli 2012 Geschäftsführer der Profi GmbH, hatte bis zuletzt gehofft, mit einer milderen Strafe davonzukommen. Schließlich hatte der 56-Jährige mit einer Selbstanzeige 2013, einem umfassenden Geständnis, das der Vorsitzende Richter Marc Euler als außergewöhnlich bezeichnet hatte, sowie erheblichen finanziellen Aufwendungen seine Schuld anerkannt und Reue gezeigt.

Kalt hatte 100 000 Euro Schadenersatz an Insolvenzverwalter Andreas Kleinschmidt gezahlt. Gegenüber dem OFC e.V. hatte Kalt auf Forderungen in Höhe von 180 000 Euro verzichtet. Dazu kommen nun erhebliche Prozesskosten und die 10 000 Euro Bewährungsauflage, die er an eine soziale Einrichtung entrichten muss. „Mit diesem Urteil ist meine Schuld gesühnt – sowohl wirtschaftlich als auch vom Strafmaß“, meinte Kalt. Das Urteil untersagt ihm zudem, in den kommenden fünf Jahren die Geschäfte seines Unternehmens in Cottbus zu führen. Weil er wirtschaftlich an Grenzen gestoßen ist, wird er seine Beteiligung an einem zweiten Unternehmen verkaufen.

Sparda Bank und Stadt Offenbach fordern Ausgliederung

Auch Hambückers wurde angerechnet, dass er sich geständig zeigte und bereits 15 000 Euro Schadenersatz gezahlt hatte. Der 50-Jährige von Juli 2012 bis 31. Oktober 2012 Geschäftsführer, wurde wegen Verstoßes gegen das Kreditwirtschaftsgesetz, Insolvenzverschleppung und Steuerhinterziehung zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt.

Der Richter folgte dabei nicht dem vorgeschlagenen Strafmaß der Staatsanwaltschaft. Für den langjährigen Finanzbuchhalter des OFC hatte sie 21 Monate auf Bewährung gefordert, für Kalt nur 18. Die Ankläger hatten erhebliche Zweifel an der Aufrichtigkeit des Schuldeingeständnisses von Hambückers geäußert. „Sie stehen vor den Scherben ihres Traums“, bemerkte Richter Euler in seiner Urteilsbegründung: „Zudem haben sie dafür tief in die eigene Tasche greifen müssen.“ Er bescheinigte Kalt und Hambückers, alles zur Erhaltung des Spielbetriebs für den OFC getan zu haben und nicht zur persönlichen Bereicherung. Er erkannte auch an, dass die Ausgliederung der GmbH nicht aus freien Stücken erfolgt sei.

Die Sparda Bank Hessen und die Stadt Offenbach hatten als Gegenleistung für den Kauf der Namensrechte eine Ausgliederung der Profiabteilung gefordert. Euler zeigte Verständnis für die Drucksituation, die sich ab 2009 für beide ergeben habe. Er übte aber auch deutliche Kritik. „Wie kann man ein Unternehmen aus 600 Kilometern Entfernung führen“, fragte er Kalt und schloss: „Sie haben sich vor den Karren spannen lassen. Aber man muss diesen Pflichten dann auch gerecht werden.“ Auch Hambückers warf er vor, unter anderem die Buchhaltung des OFC nicht sorgfältig geführt zu haben. Dazu habe die Distanz zu Partnern, vor allem einer Wirtschaftsprüfungsunternehmung gefehlt, die bei der Ausgliederung der Profi GmbH mitwirkte.

Für den Darmstädter Richter waren die sogenannten Investorenverträge das gravierendste Delikt. Diese Geschäfte verstießen jedoch gegen das Kreditwirtschaftsgesetz, denn für diese Zertifikate hätte die GmbH eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) benötigt. „Spätestens das Schreiben der Bafin hätte ein Warnsignal sein müssen“, meinte Euler.

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