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Knipser im Zenit

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Suat Türker ist die treffsichere Lebensversicherung des OFC und fühlt sich mit 31 noch lange nicht zu alt

Von ANDREAS HUNZINGER

Suat Türker machte zwei, drei schnelle Schritte, nachdem er den Ball von Ricardo Sousa zugespielt bekommen hatte. Dann folgte ein kurzer Blick in Richtung Tor des FC Augsburg, ehe der Angreifer der Offenbacher Kickers den Ball aus 16 Metern mit einem technisch anspruchsvollen Heber über Schlussmann Sven Neuhaus hinweg zum 1:0 für den hessischen Fußball-Zweitligisten ins Augsburger Tor schoss. Türkers Schuss war nicht nur Beweis seiner technischen Qualitäten, sondern unterstrich auch, dass der Torjäger des OFC derzeit vor Selbstvertrauen strotzt. In sämtlichen vier Rückrundenspielen hat Türker getroffen.

Lob für Nebenmann Bancé

Für den 31 Jahre alten gebürtigen Türken gibt es handfeste Gründe, warum er derzeit so gut drauf ist. Erstens: "Ich fühle mich richtig fit und richtig kräftig", sagt er. In der Vorrunde war das nie der Fall, nachdem er wegen einer Rückenmuskelverletzung sowie eines Faserrisses im Oberschenkel nicht durchgängig hatte trainieren können. Neben der körperlichen Fitness kommt dem OFC-Torjäger aber auch zugute, dass er in Winter-Zugang Aristide Bancé wieder einen Nebenmann im Angriff hat, der mit physischer Präsenz Räume schafft. "Aristide ist richtig klasse", schwärmt Türker von dem Hünen aus Burkina Faso, "er ist schnell, arbeitet viel mit dem Körper und ist sehr kopfballstark." Und, ergänzt Türker schmunzelnd, "Aristide hört auf mich."

Der Kickers-Torjäger ist ein schussstarker Kombinierer mit einem guten Blick für die Lücken in der gegnerischen Abwehr. Er steuert seinen Nebenmann, um von dessen Wucht zu profitieren. So habe er Bancé eingeimpft, "dass er im Zentrum bleibt, wenn wir das Spiel aufbauen, und ich mich um ihn herumbewege." Dass Bancé nur Französisch spreche, sei kein Hindernis. "Wir reden Fußballersprache. Das geht schon ", sagt Türker.

Der Höhenflug des erfolgreichsten OFC-Stürmers der vergangenen eineinhalb Jahre fußt aber nicht nur darauf, dass er körperlich fit ist und sich mit seinem Sturmpartner gut ergänzt. Türkers Topform ist auch ein Ergebnis gestiegener persönlicher Reife. "Ich werde bald 32", sagt er, "und ich erlebe gerade meine tollste Zeit als Fußballer. Mein größtes Ziel ist es, diese Leistung immer wieder zu bestätigen. Für den Verein, aber auch aus persönlichen Gründen. Ich möchte immer zu den Besten gehören." Und er will vorbeugen. Den Zweiflern den Wind aus den Segeln nehmen, die in den schwierigen Zeiten der Vorrunde erste Anzeichen zu erkennen glaubten, Türker komme langsam in die Jahre.

Noch allerdings ist auch nicht ansatzweise zu erkennen, dass Türker seinen Zenit überschritten haben könnte. Er selbst sagt vielmehr, dass er sich auch mit 31 noch verbessert habe und hält es eher für einen Vorteil, dass er kein Jungspund mehr ist. Als Beispiel führt Türker seine vergebene Großchance von Augsburg an, als er unmittelbar nach der Halbzeitpause allein vor dem Torwart gescheitert war. "Vor ein paar Jahren hätte mich das nervös gemacht", gesteht er. Heute bleibe er ruhig, "denn ich weiß: die nächste Chance kommt." In Augsburg kam sie fünf Minuten nach der vergebenen Möglichkeit - und Türker traf zum Offenbacher 1:0.

Neun Tore hat der 1,80 Meter große Stürmer nun auf dem Konto und ist auf dem besten Weg, seine 14 Treffer aus der vergangenen Saison zu überbieten. Für seinen um den Klassenerhalt ringenden Klub ist Türker derzeit jedenfalls so etwas wie die Lebensversicherung auf zwei Beinen. Seine vier Tore in der Rückrunde haben dem OFC vier der fünf errungenen Punkte gesichert.

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