Spieler fristlos entlassen

Ein Fausthieb und die Folgen

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Kickers Offenbach trennt sich von Torjäger Daghfous und sucht vor dem Heimspiel gegen Hoffenheim II nach einer „Ratte“.

Das Heimspiel der Offenbacher Kickers am heutigen Samstag (14 Uhr) gegen die zweite Mannschaft der TSG Hoffenheim wird von heftigen internen Unruhen beim hessischen Fußball-Regionalligisten begleitet. Ein Trainingsvorfall mit weitreichenden Folgen treibt nicht nur Chefcoach Angelo Barletta um. „Das ist mehr als traurig“, gibt Barletta zu.

Die Partie ist in den Hintergrund gerückt, nachdem Nejmeddin Daghfous, mit sechs Treffern der beste Torschütze der Kickers, am Mittwochvormittag im Training Mitspieler Luigi Campagna nach einem Zweikampf die Nase gebrochen hatte, als beide bereits auf dem Weg in die Kabine waren. Daghfous soll Campagna in den Schwitzkasten genommen und ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Daghfous wurde daraufhin von Geschäftsführer Thomas Sobotzik „fristlos entlassen“. Laut Sobotzik könne die Sache für den ehemaligen Bundesliga-Profi noch ein „juristisches Nachspiel“ haben. Campagna muss laut Barletta eine Geldstrafe zahlen und erhielt zudem eine Abmahnung. Der Mittelfeldspieler war diese Saison schon mal für eine Partie suspendiert worden, weil er im Training über die Stränge geschlagen hatte. Das war aber vor Barlettas Amtsantritt.

Ob Campagna mit einer Maske spielen kann, ist fraglich. In der Personalie Daghfous gibt es „kein Zurück mehr“, stellt Barletta klar. Er sei „enttäuscht“ und „mehr als schockiert“ über den jüngsten Vorfall und darüber, „wie schnell die Sache nach außen gedrungen ist“. Da sich Fans aufgrund des schlechten Wetters nicht die Trainingseinheit angesehen hätten, geht der Coach davon aus, dass es ein Leck in den eigenen Reihen gibt. Und das müsse schnellstmöglich gestopft werden. „Was ist, wenn wir taktisch etwas ändern wollen, das aber vorab publik wird?“, fragt Barletta und wählt klar Worte: „Ich werde mit Argusaugen nach der Ratte Ausschau halten.“ Auch wenn es „eventuell unbewusst nach außen gelangt ist“. Zum Beispiel durch ein Gespräch mit dem Berater.

Ob es nun bewusst oder unbewusst publik gemacht wurde – Barletta („Ich hätte gerne selbst über den Vorfall informiert“) muss sich mal wieder mit zusätzlichen Problemen beschäftigen. Und das in einer Situation, in der die Nerven vielerorts trotz des jüngsten 3:0-Erfolges gegen Bahlingen angespannt sind. „Wir sitzen auf einem Pulverfass und jeder Funke kann dazu führen, dass es explodiert“, sagt der Ex-Profi und klagt: „Nach dem 0:3 in Aalen waren wir auf einem guten Weg. Aber wir bekommen Knüppel zwischen die Beine geworfen.“ Und zwar zum Teil von den eigenen Spielern. „Man schüttelt so etwas nicht so einfach aus den Knochen. Es liegt etwas im Argen“, sagt Barletta. Seine Aufgabe liege nun darin, für die „Geschlossenheit der Mannschaft“ zu sorgen.

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