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So 'ne Art Derby

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Die hessischen Fußball-Zweitligisten Wehen und Offenbach sind gute Bekannte und sehen sich doch nicht als Nachbarn

Von ANDREAS HUNZINGER UND SUSAN DOBIAS

Wann immer man in den vergangenen Tagen eine Vorschau auf das Spiel am Sonntag (14 Uhr) zwischen dem SV Wehen Wiesbaden und Kickers Offenbach zu sehen, zu hören oder zu lesen bekam, war die Rede vom Hessen-Derby der Zweiten Fußball-Bundesliga. Angesichts einer überregionalen Spielklasse mag die kurze Entfernung zwischen den beiden Städten von 46,6 Kilometern den Derbycharakter suggerieren. Aber ein echtes Duell im Sinne des Wortes - ein Kampf zweier unmittelbar benachbarter Klubs - ist das Aufeinandertreffen nicht.

Trotzdem hat das Spiel zwischen Wehen und Offenbach einen besonderen Charakter. Schließlich stehen sich in der Wiesbadener Arena am Sonntag zwei Vereine gegenüber, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten meist in der gleichen Liga spielten und deswegen dem Duell durchaus zu einem Stück Tradition verholfen haben. Seit die Taunussteiner 1989 in die Oberliga Hessen aufstiegen, waren der SV Wehen und die Kickers nur zwei Spielzeiten lang voneinander getrennt: Nach dem Aufstieg des OFC in die zweite Liga im Juni 2005 bis zum vergangenen Sommer, als Wehen nachzog.

Kein Vergleich mit der Eintracht

Deswegen sagt auch Thomas Kalt, Vizepräsident der Offenbacher: "Ich denke schon, dass Wehen gegen den OFC ein Stück Derbycharakter hat, weil sich unsere Wege oft gekreuzt haben." Aber ein Duell wie das am Sonntag sei mit einem echten Derby "überhaupt nicht vergleichbar", sagt Kalt. Für ihn gibt es - wie für alle OFC-Fans - nur ein ultimatives Derby, das wegen der seit 24 Jahren unterschiedlichen Ligenzugehörigkeit der beiden Klubs "leider viel zu selten stattfindet": Kickers Offenbach gegen Eintracht Frankfurt. Da schlagen die Emotionen hoch, weil zwischen den beiden Klubs eine historisch gewachsene Rivalität besteht, die es wiederum zwischen Wehen und Offenbach nicht gibt.

Die Partie Frankfurt gegen Offenbach, die der aktuelle OFC-Kapitän Thorsten Judt seit seinem Wechsel zu den Kickers im Sommer 2003 zweimal miterlebte, "die ist ein Derby". Vor dem DFB-Pokalspiel im September 2003 beispielsweise, als sich die Wege des OFC und der Eintracht erstmals nach 19 Jahren wieder in einem Pflichtspiel kreuzten, "hat kein Mensch von etwas anderem gesprochen", sagt Judt. Vergleichbar war die Rivalität für Judt vielleicht noch bei den Duellen seines Ex-Klubs Fortuna Düsseldorf gegen Borussia Mönchengladbach. "So 'ne Art Derby", so Judt, sei das Spiel am Sonntag aber schon.

Für OFC-Trainer Jörn Andersen besteht die besondere Relevanz der Partie neben dem Abstiegskampf darin, dass er im Hinspiel gegen Wehen Wiesbaden am 9. November 2007 (0:0) sein Debüt als Offenbacher Coach gab. Aber ein Derby, das sei die Partie in Wiesbaden nicht. "Dann wäre ja jedes Spiel im Ruhrgebiet ein Derby", sagt Andersen. Aber dort gelte das eigentlich nur für Schalke gegen Dortmund.

Auch für seinen Wehener Kollegen Christian Hock sind die Voraussetzungen eines Derbys trotz der lokalen Nähe nicht erfüllt. Hock, in der Saison 2003/04 Spieler beim OFC, misst dem Spiel nur insofern große Bedeutung bei, als Wehen Wiesbaden mit einem Sieg den Klassenerhalt quasi sichern kann. Die Aufregung in Wiesbaden halte sich aber in Grenzen im Vergleich zu den Partien gegen Mainz 05. "Das war etwas ganz anderes und unser richtiges Derby", so Hock, der auf Stürmer Bakary Diakité (fünfte Gelbe Karte) verzichten muss, aber dafür wieder mit den Verteidigern Dajan Simac und Marko Kopilas planen kann.

Andersen hat in Moses Sichone ebenfalls seinen Abwehrchef nach abgesessener Sperre wieder dabei. Eventuell gibt auch der zuletzt an der Wade verletzte Thomas Wörle sein Comeback im defensiven Mittelfeld.

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