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Kevin Kranz meldet sich zurück

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Von: Timur Tinç

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Schnell zu Fuß: Kevin Kranz. Foto: Imago Images
Schnell zu Fuß: Kevin Kranz. Foto: Imago Images © IMAGO/Beautiful Sports

Der Frankfurter Sprinter knackt nach vielen Verletzungssorgen im EM- und WM-Jahr seine persönliche Bestzeit über die 100 Meter und sieht trotzdem noch Luft nach oben.

Kevin Kranz hat sich gut gefühlt. „Dass es gleich im Vorlauf so schnell wird, habe ich nicht erwartet, aber das zeigt mir eigentlich nur, dass ich gerade richtig gut drauf bin.“ Es war ein kleines Statement, das der 23-Jährige am Samstag beim Leichtathletik-Meeting in Weinheim gesetzt hat nach drei verpassten Freiluftsaisons wegen Krankheiten und Verletzungen.

Bei Regen und kühlen Temperaturen sprintete der Frankfurter in 10,18 Sekunden über die Ziellinie. Damit verbesserte er seine Bestzeit um sechs Hundertstel, die er vor vier Jahren aufgestellt hat. Ihm fehlen nur noch zwei Hundertstel zur direkten Norm für die EM (15. bis 21. August) in München, „dem Höhepunkt der Saison“ (Kranz). Den Finallauf gewann er in 10,24 Sekunden. Am Samstag geht es für den Mann vom Sprintteam Wetzlar in Regensburg direkt weiter.

2019 wurde das Pfeiffersche Drüsenfieber bei Kranz diagnostiziert

„Technisch war das noch nicht wirklich super, was ich gemacht habe. Ich habe die Hoffnung, dass es noch schneller geht“, sagt Kranz. Auch sein Trainer David Corell ist zufrieden mit seinem Schützling. „Er schläft ordentlich, isst ordentlich und hat kapiert, was notwendig ist, um Leistung zu generieren“, sagt der Bundesstützpunkttrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Frankfurt.

Kranz, der vor zwei Jahren seine Ausbildung bei der Sportfördergruppe der Polizei abgebrochen hat, konzentriert sich aktuell nur auf den Sport. Kommendes Jahr will er sich womöglich der Sportfördergruppe der Bundeswehr anschließen. Das wichtigste für den 1,80-Meter großen Athleten ist, dass er beschwerdefrei ist. Dieser Sommer 2022 soll sein Sommer werden. Nach einem kometenhaften Aufstieg vor vier Jahren, als er mit zarten 20 Jahren überraschend Deutscher Meister wurde und im Jahr darauf Vizemeister hinter seinem damaligen Teamkollegen Michael Pohl, wurde im September 2019 das Pfeiffer´sche Drüsenfieber bei ihm diagnostiziert.

Kevin Kranz gewann bei der Hallen-EM 2021 die Silbermedaille über 60 Meter

Erst zur Hallensaison 2021 trat er wieder richtig in Erscheinung. Erst egalisierte Kranz in 6,52 Sekunden den deutschen Hallenrekord von Julian Reus über die 60 Meter und schnappte sich den nationalen Titel. Später gewann er die Silbermedaille bei der Hallen-EM hinter dem Italiener Lamont Marcell Jacobs, der bei den Olympischen Spielen überraschenderweise Gold gewann.

Beim Höhepunkt des vergangenen Jahres in Tokio war Kranz erneut zum Zuschauen verdammt. Er ließ sich nach einem Sehnenabriss und einem Muskelbündelriss im Mai operieren und musste mehrere Monate pausieren. „Olympia wäre ein geiles Erlebnis gewesen“, sagt Kranz. Sogar ein Einzelstart über die 100 Meter war aufgrund der Weltranglistenpunkte möglich. „Aber das Thema ist erledigt.“ Der Frankfurter schaut nach vorne.

Der Fokus bei der Leichtathletik-WM in Eugene (15. bis 24. Juli) liegt auf der Staffel

Die Hallensaison 2022 endete für ihn als Zweiter bei den nationalen Titelkämpfen und einer Zeit von 6,60 Sekunden. „Meine Blockstarts waren noch nicht so gut, und wenn die nicht sitzen, stimmt es meistens beim Lauf nicht“, sagt Kranz, dessen große Stärke der Start ist. Diese, gibt Corell zu, habe er im Training für einige Zeit vernachlässigt und den Fokus zu sehr auf den fliegenden Bereich gelegt. „Das haben wir schnell korrigiert. Das wichtigste für Kevin ist, dass er geil beschleunigen kann“, betont der Coach.

Seit Dienstag ist Kranz bereits in Regensburg, um mit den Staffelkollegen zu trainieren. Denn nach der Deutschen Meisterschaft (25. bis 26. Juni) in Berlin folgt vom 15. bis 24. Juli die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in der US-amerikanischen Stadt Eugene. Selbst wenn es für einen Einzelstart reichen sollte, „kommt man da realistischerweise nicht wirklich weit“, sagt Kranz angesichts der internationalen Konkurrenz. „Der Fokus liegt auf der Staffel.“

Kevin Kranz: „Ich kann noch ein gutes Stück schneller rennen“

Da die nationale Konkurrenz sehr eng beieinander ist, könnte das Ergebnis bei den nationalen Titelkämpfen den Ausschlag geben. Owen Ansah und Lucas Ansah-Peprah (beide Hamburger SV), Marvin Schulte (SC DHfK Leipzig) und Joshua Hartmann (ASV Köln), (Sprintteam Wetzlar) und Deniz Almas (VfL Wolfsburg) sind wie Kranz allesamt jung und hungrig. „So geballt, so viele starke Leute hatten wir im deutschen Sprint lange nicht“, sagt Corell und traut der Staffel in diesem Jahr einen neuen deutschen Rekord zu.

Ob Kranz seine eigene Bestzeit in den kommenden Wochen steigern kann? „Ich kann noch ein gutes Stück schneller rennen. Ich lasse mich überraschen, was dabei rauskommt“, sagt er. Er fühlt sich jedenfalls gut.

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