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Für Dirk Lottner ist das Spiel gegen Köln etwas ganz Besonderes.

DFB-Pokal

Keine Rücksicht auf die alten Kumpels

Dirk Lottner erwartet mit Saarbrücken im Pokal seinen Herzensverein 1. FC Köln.

Kickers Offenbach war schon mal kein Gegner. Mit 5:0 fegte der 1. FC Saarbrücken am vergangenen Samstag über den Traditionsklub vom Main hinweg. Der souveräne Tabellenführer der Regionalliga Südwest ließ dem selbsternannten Titelaspiranten, der im Meisterrennen längst keine Rolle mehr spielt, überhaupt keine Chance. Schon nach 45 Minuten stand es 3:0 für die Saarländer, die Spieler schonten anschließend für das anstehende Höhepunktspiel an diesem Dienstag sichtbar ihre Kräfte. Denn vor dem Pokalkracher gegen den 1. FC Köln hat den 1. FC Saarbrücken das große Kribbeln erfasst, insbesondere natürlich Dirk Lottner, den Trainer des Viertligisten, der auf seinen Herzensverein vom Rhein trifft. „Es ist ja kein Geheimnis, dass ich in dieser Stadt groß geworden bin, dass meine Familie dort nach wie vor lebt und dass ich mit dem Herzen an dem Verein hänge“, sagte Lottner.

Das Zweitrundenduell im DFB-Pokal gegen den Bundesligaaufsteiger um 18.30 Uhr ist für den 47 Jahre alten Fußballlehrer daher etwas ganz Besonderes. „Ich habe lange davon geträumt, in einem Pflichtspiel mal gegen den 1. FC Köln spielen zu können“, sagte Lottner unlängst in einem DFB-Interview. „Ich freue mich riesig darauf.“ Von 1999 bis 2004 absolvierte er für den FC insgesamt 161 Pflichtspiele, in denen er 54 Tore erzielte. Durch sein Auftreten auf und neben dem Platz erlangte er damals Kultstatus bei den Anhängern. Den hat er bis heute nicht eingebüßt.

„Zum einen war ich kein schlechter Kicker und habe auch das eine oder andere Törchen erzielt. Zum anderen war ich immer sehr authentisch und ganz nah dran an den Fans. Immer wenn es nicht so lief, wurde ich vorgeschoben, den Kontakt mit den Fans zu suchen“, erzählte Lottner dem Saarländischen Rundfunk. „Alle diese Faktoren spielen eine Rolle, dass man auch nach seiner aktiven Karriere noch einen gewissen Status hat.“ Zumal er den Kontakt bis heute hält. Obwohl Lottner seit 2013 keine Funktion mehr bei den Rheinländern inne hat, schaut er gelegentlich am Geißbockheim vorbei. Denn die Domstadt, wo der frühere Mittelfeldspieler geboren wurde und nach seiner Profilaufbahn sieben Jahre als Trainer in verschiedenen Mannschaften arbeitete, blieb stets sein Hauptwohnsitz. „Leider komme ich immer seltener dazu, mir Spiele des FC anzusehen. Ich bin in Saarbrücken einfach total eingespannt“, berichtete Lottner. „Umso schöner ist es, dass wir uns nun zum DFB-Pokal mal alle wiedersehen.“

„Im Pokal ist alles möglich“

Rücksicht auf die alten Freunde will er dabei nicht nehmen. „Wir werden versuchen, dem 1. FC Köln weh zu tun und ihn aus dem DFB-Pokal zu befördern“, versprach Lottner. Ein Sieg sei zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber: „Im Pokal ist alles möglich.“ In der Liga führt der FCS mit acht Punkten Vorsprung die Tabelle an, der Aufstieg scheint schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison äußerst wahrscheinlich. Vor allem Torjäger Sebastian Jacob hat seine Qualität in dieser Saison schon häufig bewiesen, er traf 13 Mal in 13 Einsätzen. Die Kölner sind also gewarnt. „Wir wissen, was auf uns zukommt, und nehmen das Spiel zu 100 Prozent ernst. Aber wir sind voll im Saft und wollen in die nächste Runde einziehen“, sagte FC-Trainer Achim Beierlorzer.

Ein sportlicher Coup würde sich für die Saarländer auch finanziell auszahlen. Nachdem der Traditionsverein bisher schon mehr als eine halbe Million Euro im Pokal eingenommen hat, gäbe es bei einem Einzug in das Achtelfinale vom DFB 702 000 Euro oben drauf - eine fette Prämie für einen Viertligisten. Und vielleicht käme Lottner damit einem anderen großen beruflichen Wunsch etwas näher. „Irgendwann mal als Cheftrainer beim FC die Verantwortung zu tragen, das ist schon mein absoluter Traum“, verriet er dem „Express“. (dpa/FR)

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