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Vize-Kapitän Team Europa: Martin Kaymer. Foto: dpa
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Vize-Kapitän Team Europa: Martin Kaymer.

Das Hochamt im Golf

Keine Prämien, dafür Gebrüll

  • VonBernd Müllender
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Wenn Golf plötzlich zum Teamsport wird: Beim traditionsreichen Ryder Cup geht es ums Prestige und um noch so vieles mehr.

Vergesst die Majors, das Masters, all die billigen Alltagsturniere um Millionensummen. Ab Freitag ist Ryder Cup: Auflage 43, dieses Mal in Whistling Straits, Wisconcin. Das denkbar größte Golfspektakel steht an.

Um das noch einmal zu erklären: Ryder Cup ist Golf nicht um viel Geld, fette Verträge, hässliche Pokale und Weltranglistenpunkte, sondern Mannschaftskampf: Zwölf US-Amerikaner gegen zwölf Europäer. Es gibt 28 Matches: freitags und samstags je acht Doppel und am Schlusstag zwölf Einzelduelle. Die Doppel werden in zwei Formaten gespielt: mal spielen beide je Team abwechselnd mit einem Ball, mal spielt jeder seinen eigenen – und das jeweils bessere Ergebnis zählt. Wer als Team 14 Punkte erreicht, gewinnt. Gagen: keine. Motivation: Es den anderen zeigen!

Für fast jeden Profi ist der Ryder Cup das große Karriereziel: Auf diese Ehre sind sie alle heiß. Einmal in diesem Individualistensport Teamspirit erleben, gemeinsam fiebern, brüllen, jubeln.

Und mit den Fans. Fußball-Atmosphäre mit ein paar zehntausend Leuten drumherum. Ausrastende Spieler, Getobe und Geschrei, Choräle von den Tribünen, Adrenalin überall. Manchmal ist auch Gift dabei – so als verzückte US-Zuschauer einmal vorzeitig die Grüns stürmten oder Spieler und Betreuer des Gegners anpöbelten.

Kontinentalkampf heißt das. Was freilich nicht ganz stimmt. Es spielen Europas Beste gegen das Team USA, also gegen ein Land. Kanadier sind nicht spielberechtigt, auch keine Mexikaner oder Chilenen. Also Alleinvertretungsanspruch von God’s own continent. Das Ganze ist 1927 erfunden worden, zunächst spielten nur USA gegen Großbritannien. Bis 1977 gewannen meist die USA, obwohl bald auch Iren zugelassen waren.

Erst seit 1979 ist Europa der Gegner. Ganz Europa übrigens, nicht EU, sonst wären in diesem Jahr erstmals Engländer wie Paul Casey und Ian Poulter nicht spielberechtigt und beim Nordiren Rory McIlroy gäbe es Rechtsstreit. Somit ist der Ryder Cup auch politisch: Wo sonst wird „Europe, Europe“ angefeuert? Und bislang hat Chefpopulist Boris Johnson seinen Landsleuten eine Teilnahme unter EU-Flagge, mit EU-Hymne und EU-Sternen auf der Ausrüstung nicht untersagt.

Erstmals spielt beim Titelverteidiger ein Österreicher mit, Bernd Wiesberger. Martin Kaymer aus Mettmann, die abgesackte einstige Nr. 1 der Welt (derzeit Rangliste 96), ist einer der Vizekapitäne. Das sind die fünf Leute pro Team, die per Kart von Match zu Match sausen, taktische Tipps streuen, gute Zwischenergebnisse vermelden und für Stimmung sorgen wollen. Kaymer ist Fachmann für Whistling Straits – hier gewann er 2010 sein erstes Major-Turnier.

In den 80er Jahren drehten die Ergebnisse: Team Europa gewann von den letzten 17 Duellen zwölf. Immer galten die US-Schläger als große Favoriten, weil sie die deutlich besser platzierten Cracks der Weltrangliste ins Rennen schicken. In diesem Jahr sind zehn der zwölf US-Amerikaner in der Top 15.

Aber der Teamgedanke! Er war schon immer das Manko der US-Individualisten. Selten funkte es miteinander, vielmehr setzte es Eifersüchteleien, Reibereien. Dabei hatten sie mal Psycho-Gurus oder Veteranen des gerade aktuellen Krieges einfliegen lassen – hat auch nichts genutzt. Aktuell sind Bryson DeChambeau und Brooks Koepka in herzlicher Antipathie verbunden. Koepka merkte gerade an, der Ryder Cup sei ihm zu hektisch, gegen alle Routine. Gleich gab es Forderungen ihn aus dem Team zu werfen.

Tiger Woods war immer das beste Beispiel für das Teamversagen. Er war seit 1997 acht Mal dabei, spielte oft schlecht und gewann nur einmal den Cup (1999). Mit sieben Niederlagen im Ryder Cup hält er den Rekord und machte sein Team durch Morbus Tiger zum Dauerloser.

US-Fans fürchten jetzt schon seine besten Wünsche aus der Reha. Die können nämlich nur Unglück bringen.

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