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In Japan ein gern gesehener TV-Gast: Läuferin Hitomi Niiya.
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In Japan ein gern gesehener TV-Gast: Läuferin Hitomi Niiya.

Olympische Spiele 2021: Was tun mit Impfskeptiker:innen?

Keine Corona-Impfung: Aus Angst vor Nebenwirkungen

  • vonFelix Lill
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Der steinige Weg nach Tokio, Teil 1 der FR-Serie: In Japan spricht sich Langstreckenläuferin Hitomi Niiya gegen das Impfen aus - und ist damit nicht alleine

Endlich wird auch in Japan geimpft. Zwei Monate später als in Deutschland, wo man ja schon seit Wochen über das langsame Tempo der Vakzinierungen klagt, hat Japans Regierung Ende Februar verkündet: es geht jetzt los. Nach einem zäheren Genehmigungsverfahren für Impfstoffe erhalten dieser Tage die ersten Ärztinnen und Krankenpfleger:innen ihre ersten Spritzen. Voraussichtlich ab April sind Senioren dran.

Achtung vor Betrügern

Und schon macht im ostasiatischen Land ein Problem um Impftrickser die Runde: „Betrüger nutzen die Angst vor Covid aus“, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo diese Tage. In mehreren Fällen, so die Polizei, sind vor allem älteren Menschen vermeintlich prioritäre Plätze in der Impfrangordnung verkauft worden. Dabei ist das Impfen in Japan hundertprozentig durch die Regierung finanziert. Und sich nach vorne zu kaufen ist unmöglich.

Nur 70 Prozent der Japaner wollen sich impfen lassen

Allerdings könnte man zynisch anmerken: Schon wär’s, wenn diese Betrüger:innen das größte Problem wären. In Japans schon verspäteter Impfkampagne wiegt wesentlich schwerer, dass viele Menschen gar keine Impfung wollen. Weniger als zehn Prozent der Menschen im Land halten Impfstoffe für grundsätzlich sicher, hat eine Umfrage Ende letzten Jahres ergeben. Und nur rund 70 Prozent würden sich gern impfen lassen – ein international eher niedriger Wert. Das besorgt nicht nur die Regierung, sondern auch die Veranstalter der Olympischen Spiele, die ja Ende Juli in Tokio starten sollen.

Die FR-Serie

Als 2012 die Olympischen Spiele endeten, zog unser Autor Felix Lill von London nach Tokio, um fortan über Japan zu berichten. Ein Jahr später erhielt die japanische Hauptstadt den Zuschlag für die 2020er Spiele, deren einerseits gradlinigen, andererseits aber auch holprigen Vorbereitungen er seitdem begleitet. An dieser Stelle berichtet er nun wöchentlich, bis zum geplanten Olympiastart am 23. Juli, über den steinigen Weg zu „Tokyo 2020+1.“ FR

Denn die Möglichkeit der Impfung aller Teilnehmer:innen ist nach Sicht der Organisatoren ein zentrales Puzzlestück bei der Aufgabe, die oft heraufbeschworenen „sicheren Spiele“ zu veranstalten. Impfzwang soll es zwar nicht geben. Das haben sowohl das Tokioter Organisationskomitee als auch das Internationale Olympische Komitee beteuert. Die Athleten werden aber ausdrücklich dazu ermutigt, sich einen Schuss zu geben. Und damit sollen sie auch eine Vorbildwirkung für die eher skeptische Gesamtbevölkerung entfalten.

Nur ist Skepsis auch unter den Sportler:innen verbreitet. Die bekannteste unter ihnen ist die Langstreckenläuferin Hitomi Niiya. Sie hat Angst vor möglichen Nebenwirkungen, will daher keine Impfung, wie sie öffentlichkeitswirksam verkündet hat.

Oft Gast in TV-Shows

Niiya ist höchst populär im Land, ihr breites Lächeln ist häufig in TV-Shows zu sehen. Zudem kürte Japans Leichtathletik-Verband die 33-Jährige vor kurzem zu seiner Sportlerin des Jahres. Denn 2020 hatte Niiya im Halbmarathon und auf 10 000 Meter jeweils mehr als zehn Jahre alte Landesrekorde gebrochen.

Niinja ist Sprachrohr der Athlet:innen

Und was für die Olympiaorganisator:innen nun besonders blöd ist: Ausgerechnet diese Niiya spricht im Plural, tritt quasi als inoffizielles Sprachrohr japanischer Sportler:innen auf. „Wir Athleten nehmen unsere körperliche Verfassung genauso ernst wie unsere Ergebnisse im Wettkampf“, sagte die Frau, die schon 2012 in London startete, Ende vergangenen Jahres. Damit ist klar: Nicht einmal auf den Rückhalt der Sportler:innen können sich die Olympiaorganisatoren noch verlassen. Wie sich das wohl auf den Rest der Bevölkerung auswirken wird?

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