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Weit gesprungen: Karl Geiger. Foto: rtr
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Weit gesprungen: Karl Geiger. Foto: rtr

Vierschanzentournee

Karl Geiger springt allen davon

  • vonPatrick Reichelt
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Oberstdorfer Lokalmatador gewinnt erstes Springen bei der Vierschanzentournee.

Als der große Moment gekommen war, wurden die Nerven von Karl Geiger noch einmal auf eine schwere Probe gestellt. Weil der Wind zu heftig über die Schanze am Schattenberg irrlichterte, musste der 27-Jährige noch einmal vom Balken klettern. Aber natürlich löste Geiger auch diese Sache mit der Ruhe, mit der er die Konkurrenz zuletzt schon bei der Skiflug-WM in Planica schockiert hatte.

Bis auf 136,5 Meter segelte er hinunter, knapp über die grüne Linie, die beim Skispringen die Führungsweite anzeigt. Und als die „1“ endlich auf der Anzeigetafel aufleuchtete, da war es auch mit Geigers Ruhe vorbei. Der Mann, der erst am Samstag seine Corona-Quarantäne beendet hatte, brüllte seine Freude in den Himmel, unter dem er zum Auftakt der 69. Vierschanzentournee zumindest schon einmal ein kleines Stück Turniergeschichte geschrieben hatte. Seit Max Bolkart 1959 hatte in Oberstdorf kein Lokalmatador mehr triumphiert. Geiger setzte dieser Serie nun ein Ende.

„Wenn jetzt noch Zuschauer da wären, wäre es perfekt“, sagte der Skiflug-Weltmeister nach seinem Traumstart in die 69. Vierschanzentournee in Oberstdorf sichtlich berührt. Geiger war nach seinem unverhofften Triumph „überwältigt“, der Heimsieg sei „etwas Besonderes und bedeutet mir echt viel“, sagte er. „Es war brutal, zwei saugute Sprünge“, sagte Geiger, der sich nun große Hoffnungen auf den ersten deutschen Tourneesieg seit Sven Hannawald vor 19 Jahren machen darf. „Man muss von Tag zu Tag schauen, und ich nehme die Favoritenrolle an“, sagte der 27-Jährige.

Markus Eisenbichler, der im Auslauf mit dem Kumpel auf den erlösenden Moment hingefiebert hatte, war das herzlich egal. „Ich habe so für ihn gehofft. Der Karl hat das durchgezogen“, krähte er wenig später in die Mikrophone, „der ist so ein cooler Hund.“

Auch der Siegsdorfer selbst durfte die Schanze mit einem Lächeln verlassen. Fünfter ist er am Ende geworden. Womit auch er angesichts von umgerechnet etwa neun Metern Rückstand noch alle Chancen im Rennen um den goldenen Adler hat.

Dabei hatte Eisenbichler sogar Glück, dass dieser erste Tourneetag für ihn nicht in einer totalen Katastrophe endete. 118 Meter hatten ihn mit Mühe überhaupt in den zweiten Durchgang bugsiert. In dem allerdings glückte ihm mit „Ich-habe-nichts-zu-verlieren“-Lockerheit die größte denkbare Reperaturmaßnahme. Bei seinem Traumflug auf 142 Meter dürften auch die Pappkameraden auf der ansonsten verwaisten Tribüne nahe am Zunge schnalzen gewesen sein. Erst – wer auch sonst – Halvor Egner Granerud stoppte Eisenbichlers Aufholjagd.

Wobei es auch Norwegens Seriensieger (122/131 Meter) nicht ganz ins Rampenlicht brachte. Der Weltcup-Primus musste neben Geiger auch noch den Polen Kamil Stoch (125/132,5 m) und Landsmann Marius Lindvik (126,5/135,5) den Vortritt lassen. Vor allem für „den zweimaligen Gesamtsieger Kamil Stoch ein versöhnlicher Moment nach den Corona-Wirren vom Montag: „Ich bin einfach nur froh, dass ich wieder das machen kann, was ich liebe.“

Bundestrainer Stefan Horngacher schnaufte nach dem Traumstart für seine Vorflieger erst einmal tief. „Das war fast ein Krimi heute“, sagte der Österreicher, „unsere beiden Besten sind vorne, das ist natürlich überragend“. Die Freude war Horngacher jedenfalls deutlich ins Gesicht geschrieben, „Das Resümee ist absolut positiv, unsere zwei Topleute sind vorne dabei“, sagte der Österreicher. Jetzt sei das Motto, etwas runterzukommen, um dann in Garmisch „wieder hochzufahren“.

Wohl wissend, dass dieser Tourneeauftakt für sein Ensemble durchaus auch zum Fiasko hätte werden können. Denn die wechselnden Winde im ersten Durchgang wurden für viele deutsche Adler zum Verhängnis. Nur durften überhaupt noch ein zweites Mal ran – womit der DSV ebenso viele Vertreter im Finale hatte, wie die slowenische Familie Prevc mit den Brüdern Domen, Peter und Cene (12./17./19.).

Einzig Altmeister Severin Freund durfte sich als 25. (123,5/126 Meter) überhaupt noch über ein paar Weltcup-Punkte freuen und fand es „ganz ordentlich“. Die höher eingeschätzten Pius Paschke (33.) oder Constantin Schmid (36.) dagegen verließen Oberstdorf im Kreis der schwer Geschlagenen.

Doch was zählte das schon an diesem Tag, an dem ein Teamkollege ein Stück Tourneegeschichte geschrieben hat.

mit sid

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