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Grund zur Freude: Karl Geiger macht seinen Emotionen Luft.

Vierschanzentournee

Karl Geiger bleibt im Aufwind

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Der deutsche Skispringer verringert bei der zweiten Etappe der Vierschanzentournee den Rückstand auf den führenden Japaner Kobayashi. Auch die anderen DSV-Adler bestätigen den Aufwärtstrend.

Kurz nach dem Schanzentisch hat der Wind von Karl Geiger Besitz ergriffen. Wie ein sanftes Polster hat er sich unter die Skier des besten deutschen Skispringers gelegt. „Fühlt sich cool an“, hat sich der 26-Jährige da gedacht. Bis ihn die Lüfte nach 141,5 Metern sachte im Schnee von Partenkirchen absetzten. Da kochte auch das lange unterkühlte Olympiastadion. Und daran änderte auch nur wenig, dass der junge Norweger Marius Lindvik dem neuen deutschen Liebling dank seines fulminanten 143,5-Meter-Flugs aus dem ersten Durchgang den ersten Tagessieg vermasselte.

Die 21 000 in der ausverkauften Arena hatten ganz anderes Unheil geahnt, als unmittelbar vor Geiger dessen großer Gegenspieler Ryoyu Kobayashi einen sauberen 141-Meter-Satz hingelegt hatte. Doch Geiger konterte im Stile eines Champions. Womit der Oberstdorfer dem Japaner nicht nur den historischen sechsten Tagessieg in Folge vermasselte.

Geiger rückte auch in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee näher an den leicht angefressenen Tages-Vierten („Das Ergebnis war nicht, was ich mir vorgestellt habe“) heran. Dreieinhalb Meter trennen die beiden Topstars des Turniers vor der zweiten Tournee-Halbzeit in Österreich, die am Samstag mit der Rückkehr auf die WM-Schanze in Innsbruck beginnt.

„Das ist ein Skandal“

Norwegens Skisprung-Cheftrainer Alexander Stöckl hat scharfe Kritik an den Organisatoren des Neujahrsspringens bei der 68. Vierschanzentournee geübt. „Neujahrsspringen Garmisch 2019/2020: Von außen gut organisiert, aber das war es“, schrieb der gebürtige Österreicher auf Twitter. Erklärend und mit Gruß an die Veranstalter in Garmisch-Partenkirchen fügte er hinzu: „Vorspringer schlafen im Hotelflur, keine Container für kleine Nationen. Ich bin nicht amüsiert, Herr Präsident.“

Auf der Großen Olympiaschanze wird traditionell an Neujahr das zweite der vier Tournee-Springen ausgetragen. Die Qualifikation fand an Silvester statt. Der norwegischen Zeitung „VG“ berichtete Stöckl, dass andere Gäste nachts in seiner Unterkunft über einen im Flur schlafenden Vorspringer hätten steigen müssen, um zum Gemeinschaftsbad zu kommen. „Das ist ein Skandal und wenig professionell“, so Stöckl.  

Einzig der Pole Dawid Kubacki, am Neujahrstag wie schon in Oberstdorf Dritter (137/139,5 Meter) kann da mit knapp fünf Metern Rückstand noch Schritt halten. Wobei Geiger selbst von dem, auch in Partenkirchen aufreizend nahe platzierten Goldenen Tournee-Adler noch nichts wissen will. „Ich will bei mir bleiben“, sagte er, „und mich auf meinen nächsten Sprung konzentrieren.“

Die Statistik hat Geiger freilich noch gegen sich. In den vergangenen 25 Auflagen der Vierschanzentournee stand 18 Mal der Halbzeit-Führende auch nach vier Stationen des Turniers ganz oben auf dem Siegerpodest. Im letzten Jahrzehnt verspielte sogar nur ein Mann, der Norweger Anders Jacobsen (2013) in Österreich den begehrten Spitzenplatz.

Bundestrainer Stefan Horngacher interessierte das naturgemäß wenig. Er verneigte sich lieber schon einmal tief vor seinem neuen Vorflieger. „Wie der Karl das alles meistert, da kann man nur den Hut ziehen“, schwärmte der Österreicher. Wobei Horngacher die Reise nach Österreich überhaupt mit einem Lächeln antreten darf. Nicht nur bei Geiger, bei seinem ganzen Team zeigt die Formkurve merklich nach oben. Constantin Schmid (134,5/134,5 Meter) wurde am Neujahrstag bärenstarker Siebter. Markus Eisenbichler ließ seinem elften Platz von Oberstdorf diesmal mit 129 und 134,5 Metern Rang zehn folgen. „Drei Mann in so einer starken Konkurrenz in die Top-10 zu bringen, das ist schon richtig stark. Wir können sehr zufrieden sein“, sagte der Bundestrainer.

Und weil auch Stephan Leyhe als 16. und Pius Paschke mit dem 20. Platz den Trend dieser Tage bestätigten, musste sich Horngacher auch nicht weiter den Kopf zerbrechen, wer den Trip ins Tiroler Teamquartier in Lans mitmachen durfte. Geiger (2.), Eisenbichler (6.), Leyhe (12.), Schmid (13.) und Paschke (14.) nehmen auf dem Weg nach Bischofshofen sogar die Top-10 der Gesamtwertung ins Visier. Anstelle des abgereisten Richard Freitag darf sich Youngster Moritz Baer – in Partenkirchen nach verlorenem Duell mit Teamkollege Geiger 46. – weiter im Weltcup-Kader versuchen.

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