Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Stell’ dich nicht so an: Toni Kroos nimmt sich auch mal seinen ehemaligen Vereinskollegen Cristiano Ronaldo zur Brust. imago images
+
Stell’ dich nicht so an: Toni Kroos nimmt sich auch mal seinen ehemaligen Vereinskollegen Cristiano Ronaldo zur Brust. imago images

Nationalmannschaft

EM 2021: Toni Kroos entpuppt sich als Kampfschwein

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
    schließen

Auf seine alten Tage entdeckt sich der Ball-Virtuose bei der EM neu und zeigt seinen Kritikern, dass er auch bissig verteidigen kann.

Nach einem gewonnenen Spiel ist vieles einfacher. Nach einem gewonnenen Spiel darf der kleine Bruder den großen Bruder schon mal ordentlich durch den Kakao ziehen. „Ich fand dich im ersten Spiel schon schlecht und im zweiten auch“, hat Felix Kroos also dem ein Jahr und einen Monat älteren Toni Kroos am Abend nach dem 4:2 gegen Portugal mitgeteilt. Das war natürlich nicht ernst gemeint. Felix, gerade mit Eintracht Braunschweig aus der zweiten Liga abgestiegen und deshalb ohne Vertrag für die kommenden Saison, würde so etwas niemals ernst meinen.

Im Podcast „Einfach mal luppen“, den die beiden seit 13 Monaten auflegen, melden sich die Gebrüder Kroos gerade mehrmals pro Woche in einer Sonderausgabe „EM-Spezial“. Der ironische Unterton ist Programm. Sie haben hörbar Spaß an der Sache gefunden, und wenn der Eindruck nicht täuscht, ist Toni Kroos dabei noch ein bisschen entspannter geworden, als er es ohnehin schon war.

Aber der 31-Jährige kann auch furchtbar unentspannt werden, wenn ihm eine Einschätzung zu seiner Spielkunst nicht passt, Reporter fürchten seine listigen Gegenfragen.

EM 2021: Toni Kroos spielt nicht nur schön, sondern auch mal hässlich

Am Mittwochabend (21 Uhr, ZDF) nun ist die „beste Passmaschine der Welt“ (Sportbild) gegen ultradefensiv erwartete Ungarn besonders gefordert. Er muss die kleinen Lücken erkennen und bespielen, die sich zwischen den engen Linien auftun. Dass er dazu in der Lage ist, bezweifelt niemand, Zweifel waren vor dem Turnier aber deshalb vielfach formuliert worden, weil Kroos eine gewisse Unlust unterstellt wird, sich mit letztem Engagement der Defensivarbeit zu widmen. Die Unterstellung ist nicht von der Hand zu weisen, sie verfolgt den Weltstar von Real Madrid ja nicht erst seit dem Sommer 2021.

In seinen Länderspielen 103 und 104 gegen Frankreich und Portugal glauben langjährige Beobachter nun, ein paar neue Elemente entdeckt zu haben: Toni Kroos grätscht, Toni Kroos blockt ab, Toni Kroos wirft sich rein wie ein Kampfschwein, Toni Kroos spielt nicht nur schön, sondern auch mal hässlich. Es sah verdächtig danach aus, als wolle er es seinen Kritikern zeigen. Das hat er vorerst geschafft.

EM 2021: Kroos ist Löws erster Ansprechpartner

Dirigent Joachim Löw hat ohnehin immer zu seinem ersten Geiger gestanden, anders als zu Mats Hummels und Thomas Müller. „Über die Qualitäten von Toni zu sprechen, ist müßig“, sagt der Bundestrainer. Da können die Leute noch so oft über „Querpass-Toni“ lamentieren und dessen traditionell nahezu hundertprozentige Passquote kleinreden. Kroos sei ein „unverzichtbarer Spieler – gerade auch dann, wenn es schwierig ist und du auf dem Platz Kontrolle brauchst“. Wenn Kroos sagt, dass er „immer den Ball“ will, befindet er sich fußballphilosophisch auf der Doppelsechs mit Löw. Gemeinsam mit Kapitän Manuel Neuer sei Kroos sein „erster Ansprechpartner“, so der Bundestrainer.

Dass nach der vielkritisierten Frankreich-Partie nicht alles umgeworfen wurde, hat Löw auch in Rücksprache mit Kroos entschieden. Der sagte nach dem weithin gefeierten Sieg über Portugal: „Von den 80 Millionen Bundestrainern gab es ja mindestens 75 Millionen, die Personal oder Taktik ändern wollten. Aber wir haben uns das Spiel gegen Frankreich nicht schlechtreden lassen.“

Hinterher hat er eine Weile mit Cristiano Ronaldo geplauscht. Die Podcast-Fans wollten wissen, worum es ging. Toni Kroos verrät Profanes. „Ich habe ihm viel Glück gewünscht, dass sie sich hoffentlich neben uns für die nächste Runde qualifizieren, und ich habe ihn gefragt, wie es ihm in Turin geht. Hinterher haben wir noch Trikots getauscht.“ Die beiden sind sich nicht nur als ehemaligen Teamkollegen bekannt, die dreimal mit Real Madrid die Champions League gewannen, sondern auch als gute Nachbarn. Bis 2018 wohnten die Kroos-Familie und die Ronaldos nebenan, ehe Cristiano nach Italien wechselte.

EM 2021: Toni Kroos gibt gute Antworten auf dem Platz

2018 war auch das Jahr, als Weltmeister Kroos mit Deutschland einen Tiefpunkt erlebte. Im ersten WM-Spiel gegen Mexiko, beteiligte er sich lange nicht an den Wegen zurück, im zweiten Spiel gegen Schweden unterlief ihm zunächst ein böser Abspielfehler, der zum Rückstand führte. In letzter Minute aber traf er mit einem Freistoß zum 2:1-Sieg. Nach dem Kunstschuss aus spitzem Winkel wollte der Trotzkopf in Kroos seinem Frust über die kritische Begleitung seiner Mannschaft nicht zügeln. „Viele Leute in Deutschland hätte es sicher gefreut, wenn wir heute rausgeflogen wären. Aber so leicht machen wir es denen nicht.“

Ein Spiel später gegen Südkorea war dann Schluss. Danach wirkte er abgeklärt wie nach einem Freundschaftskick: „Das war insgesamt zu wenig. Uns fehlte der Punch.“ Daheim fragten sich die Leute bang: Wie sehr nimmt ein solches Ausscheiden einen vierfachen Königklassen-Sieger noch mit? Was bedeutet ein solches Turnier noch für einen Virtuosen wie Kroos?

Drei Jahre später gibt er gute Antworten auf dem Platz. Den Spielball gegen Portugal drückt er hinterher seinem Sohn Leon in die Hand. „Er darf ihn mit nach Hause nehmen. Der wird im Garten bei den anderen 35 Bällen landen.“ Dem Vater reicht einer. Den, den er immer haben will. (Jan Christian Müller)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare