Serie A

Kampf der Protokolle

Corona-Chaos im italienischen Fußball. Der SSC Neapel reißt auf Grund von zwei Coronafällen im Team nicht zur Partie bei Juventus Turin an.

Sie waren gekommen für ein Fußballspiel, von dem sie wussten, dass es nicht stattfinden würde. Auf den Rängen ein paar Zuschauer, mit Masken, in Regencapes, auf den Smartphones herumwischend. Auf dem Platz im Polohemd mit aufgestelltem Kragen Gianluigi Buffon, die 42-jährige Torwartlegende von Juventus Turin, entspannt plaudernd mit einem Kameramann. Und es geschah: nichts. Und weil nichts geschah, wird das Spiel, das es nicht gab, im Nachhinein noch für Aufruhr sorgen.

Denn nach den skurrilen Szenen bei der nicht ausgetragenen Partie zwischen Meister Juventus Turin und der noch ungeschlagenen SSC Neapel könnte es ein juristisches Nachspiel geben. Die wegen zwei Coronafällen im Team nicht angereisten Gäste aus Neapel kündigten bereits Klage für den Fall an, dass die Serie A die Begegnung mit 3:0 für Juve wertet. Genau damit hatte der Verband bereits im Vorfeld nämlich gedroht.

Die lokalen Gesundheitsbehörden hätten dem Klub die Abfahrt nach Turin verboten, argumentierte SSC Neapel-Chef Aurelio De Laurentiis nach Medienangaben. Die öffentliche Gesundheit habe Vorrang.

Die Liga hatte das Spiel gemäß den Statuten trotzdem nicht abgesagt. Laut den Protokollen dürfen Spiele erst verlegt werden können, wenn einem Klub nach Covid-19-Erkrankungen weniger als 13 Profis zur Verfügung stehen oder zehn Corona-Fälle in einer Woche auftreten.

Gesundheitsminister Roberto Speranza hatte sich am Sonntag für die Absage des Spiels ausgesprochen. Fußball sei in einer Phase der Pandemie weniger wichtig als die öffentliche Gesundheit, sagte der Minister. Die Juve-Profis waren trotz des Wissens um die Nichtanreise des Gegners im Stadion erschienen, auch die Aufstellung wurde verkündet. Nach 45 Minuten meldete der Schiedsrichter, dass die SSC Neapel-Spieler nicht eingetroffen seien.

Juves Klubchef Andrea Agnelli warf dem SSC Neapel „illoyales Verhalten“ vor. „De Laurentiis hat mich um die Verschiebung des Spiels gebeten, doch die Regeln sind klar: Wer beim Spiel nicht anwesend ist, muss mit Strafen rechnen“, äußerte Agnelli. Es sei wichtig, sich an die Protokolle zu halten und die Meisterschaft weiterzuführen.

Ein Beschluss des Sportgerichts zum Streit wird im Laufe des Montags erwartet. Wegen der Pandemie musste am Samstag bereits die Begegnung des dritten Spieltags zwischen dem FC Genua und dem FC Turin verlegt werden. Mindestens 17 Profis wurden bei dem Genueser Klub positiv getestet.

Italien zählt weiter zu den am stärksten von der Coronavirus-Pandemie am stärksten getroffenen Ländern der Welt. (FR/sid/dpa)

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