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Julius Brink: „Haben ein Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen

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Von: Patrick Reichelt

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TV-Experte Julius Brink.
TV-Experte Julius Brink. © imago images / Agentur 54 Grad

Beachvolleyball-Experte Julius Brink über die deutschen Chancen bei der anstehenden WM und den Wechsel von der Halle in den Sand.

Herr Brink, vieles ist neu im deutschen Beachvolleyball im nacholympischen Jahr. Was ist bei der WM, die am Freitag beginnt, zu erwarten?

Es wird auf jeden Fall ein spannendes Turnier. Denn vieles ist neu, auch bei den Teams. Bei den Frauen haben wir mit Cinja Tillmann und Svenja Müller ein spannendes Team, welches quasi in die erste volle gemeinsame Saison geht und in Ostrava schon ein Turnier gewinnen konnte. Karla Borger und Julia Sude sind sicherlich die erfahrensten deutschen Frauen im Feld. Sie haben schon gezeigt, dass sie alle schlagen können. Es ist jetzt nicht so, dass ein deutsches Team ins Halbfinale kommen muss. Aber es würde mich nicht überraschen.

Bei den Männern ist Clemens Wickler mit seinem neuen Partner Nils Ehlers nur Einzelkämpfer. Kein gutes Zeichen.

Wir haben seit Jahren ein Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen, auch wenn die Talentlage natürlich nicht immer gleich ist. Es hätten vielleicht auch zwei Topteams sein können, wenn Clemens mit Julius Thole weitergespielt hätte und Nils mit anderem Partner. Aber Julius hat sich im Vorjahr ja entschieden, sich aus dem Leistungssport zu verabschieden.

War es so gesehen logisch, dass Wickler und Ehlers zusammenfinden?

Ja, ich denke schon. Clemens brauchte einen Partner mit gewissen Voraussetzungen, der Handlungshöhe mitbringt (2,10 Meter; Anmerk. d. Red.), den nötigen Aufschlagdruck – und der sich auch für drei Jahre verschreibt. Von dem her war das schon logisch.

In den ersten Turnieren funktionierte das Team schon gut. Überrascht?

So etwas kann schon ganz schnell gehen. Das ist auch gut so und schon einmal ein Signal an die Konkurrenz. Aber natürlich ist das ein Prozess. Im Details passiert da noch viel. Das wird auch bei den beiden so sein.

Wie war es bei Ihnen? Wie lange dauerte es, bis Brink/Reckermann sich zum Goldteam entwickelten?

Zur Person

Julius Brink , der mit seinem Partner Jonas Reckermann bei den Olympischen Spielen 2021 die Goldmedaille holte, ist so etwas wie Deutschlands Mr. Beachvolleyball. Heute schaut der 39-Jährige seinen Nachfolgern als Experte zu – auch bei der am Freitag beginnenden WM in Rom. (FR)

Auch wir hatten im ersten Jahr einige Highlights, 2009 war sicher unser bestes Jahr. Aber das ist eher ungewöhnlich.

Wie sieht es aus, wenn eine Topspielerin aus der Halle, wie aktuell Louisa Lippmann in den Sand wechselt?

Als Sportartfremder sagst du da vielleicht, da tauscht man halt die Hallenschuhe gegen barfuß ein. Aber das ist ein ganz anderes Spiel. Es gibt einen US-amerikanischen Spieler (Chase Budinger; Anmerk. d. Red.), der professioneller Basketballer war und dann in den Sand gewechselt ist. So muss man sich den Unterschied eher vorstellen. Hinzu kommt sicher eine komplett andere Form der Selbstorganisation. Es gibt zwar gewisse Strukturen an den Stützpunkten, auf die man zurückgreifen kann, der Verband macht hier mittlerweile oft mehr und es gibt hauptamtliche Trainer. Aber im Wesentlichen bist du für dich selbst verantwortlich.

Ist das vielleicht genau der schwierigste Punkt. Der Wechsel sozusagen vom Angestellten zum eigenen Kleinunternehmen?

Das kann schon sein, ja. Die Umstellung, dass du plötzlich bei 30 Grad im Sand stehst, das lernt man dann schon schnell. Aber Louisa hat ja genau das gereizt, selbstbestimmt zu sein.

Es fällt auf, dass dem Hallenvolleyball derzeit einige Spielerinnen verloren gehen – Louisa Lippmann ist da nur das prominenteste Beispiel. Haben Sie eine Erklärung?

Ich sehe eine generelle Entwicklung, dass sich Athleten frühzeitig für andere Wege als den Leistungssport entscheiden. Es sind zumindest keine Einzelfälle, dass Karrieren früh zu Ende gehen. Ich denke mal, es geht darum, welche Perspektiven eine Sportart bieten kann. Zum Beispiel auch was eine Olympiateilnahme angeht, aber es geht eben auch darüber hinaus. Julius Thole hat da früh seine Entscheidung getroffen. In der Halle mit den vielen starken europäischen Teams, ist es zur Zeit unglaublich schwer, sich als deutsche Hallenspielerin für die Spiele zu qualifizieren. Louisa hat sicher auch diesen Traum, daher kann ich den Schritt nachvollziehen.

Im Sand scheint der Traum greifbarer. Kann Beachvolleyball davon profitieren?

Das hat ja auch eine Maggie Kozuch gezeigt, die es zu Olympia geschafft hat und dort Fünfte geworden ist. Ich denke schon, dass Beachvolleyball da profitieren kann. Da stehen die beiden Sportarten in Konkurrenz miteinander.

Interview: Patrick Reichelt

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