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Distanz als oberstes Gebot, auch und erst Recht bei Olympia in Tokio.
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Distanz als oberstes Gebot, auch und erst Recht bei Olympia in Tokio.

Olympische Spiele

Jubeln, ohne zu jubeln

  • VonFelix Lill
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Der steinige Weg nach Toki0, Teil 17: Es dürfen nur Fans aus dem Inland in die Stadien - und die tragen hohe Verantwortung

Die Covid-19-Präventionsrichtlinien gelten für alle Ticketinhaber“, sagte Hidenori Suzuki vergangene Woche in mahnendem Ton. Auf einer Pressekonferenz in Tokio erklärte der Verantwortliche für das Olympia-Ticketing, dass der Stadionbesuch keine Spaßangelegenheit werde: „Wir haben diese Regeln, damit sich alle in den Spielstätten wohlfühlen können. Und wer sich daran nicht halten kann, wird die Anlagen verlassen müssen.“

Nur mit dieser Strenge sei es möglich, dass bei den Spielen nun überhaupt Gäste auf die Ränge dürfen: bis zu 10 000 Zuschauer oder eine Auslastung von maximal 50 Prozent pro Spielstätte. Mit diesem Entschluss haben sich die Tokioter Veranstalter gegen den dringenden Rat diverser Gesundheitsexperten entschieden – inklusive Shigeru Omi, Vorsitzender der Anti-Corona-Taskforce der japanischen Regierung, der, wenn es in einer Pandemie denn schon Olympische Spiele geben müsse, dringend zu leeren Stadien riet.

Und damit nun nichts schiefläuft, gibt es eben genaue Vorschriften. Hidenori Suzuki hat sie bei seinem Vortrag gleich mehrmals aufgezählt: „Wenn Sie das Stadion betreten, tragen Sie eine Maske, sprechen Sie nicht miteinander. Und kommen Sie bitte zeitig, damit Menschenansammlungen vermieden werden. Im Stadion behalten Sie die Maske bitte auf. Bedecken Sie Ihren Mund, waschen Sie sich die Hände. Sprechen Sie nicht laut, schreien Sie nicht, pfeifen Sie nicht.“

Nur Klatschen erlaubt

Außerdem: „Wenn Sie zu einem Kiosk oder einer Toilette auf der Anlage gehen, meiden Sie bitte Menschenschlangen. Nach der Veranstaltung verlassen Sie die Anlage bitte gestaffelt. Und bitte gehen Sie auf direktem Wege nach Hause oder zurück in Ihr Hotel.“ Als Ersatz für den verbotenen Jubel hat Ticketingchef Suzuki diese Idee: „Wenn Sie die Sportler anfeuern wollen, klatschen Sie bitte.“ Und da Zuschauer aus dem Ausland vom Event ausgeschlossen sind, gibt es noch die Aufforderung: „Klatschen Sie bitte für die Athleten aller Länder.“

In den vielen Anweisungen und Verboten ist einiges zu erkennen: Zunächst lässt sich nicht mehr bezweifeln, dass die Tokioter Spiele von einer seltsamen Stadionatmosphäre geprägt sein werden. Außerdem fällt auf, dass die Organisatoren ziemlich nervös sind. Ihnen dürfte bekannt sein, dass es dort, wo derzeit Sportturniere mit gefüllten Stadien laufen, auch zu Infektionen kommt: Finnische Fans der Fußball-Europameisterschaft haben sich auf ihrer Reise zum Auswärtsspiel ihres Landes in Russland angesteckt. Auch bei den Spielen Copa America, dem südamerikanischen Äquivalent zur EM, hat es Infektionen geben.

Warum sollte das bei den Spielen von Tokio, deren Veranstalter immerzu betonen, Sicherheit habe oberste Priorität, anders sein? Wegen der strengen Regeln, finden Offizielle wie der Ticketingchef Suzuki. Ganz sicher, dass es auch gelingt, scheint er aber nicht zu sein. Vielmehr bereitet das Organisationskomitee offenbar schon eine Rechtfertigungsstrategie für den Fall vor, dass auch „Tokyo 2020“ ein Spreadingevent wird: Erstens die eigenen Sicherheitsbemühungen betonen, zweitens die Verantwortung auf die Zuschauer in den Stadien abwälzen.

„Wir haben schon die Public-Viewing-Events abgesagt. Und wir haben Betriebe gebeten, dass sie ihre Angestellten weiter ins Homeoffice schicken, damit es nicht so viel Personenverkehr gibt. Wir haben auch den Verkauf alkoholischer Getränke in den Stadien verboten“, erklärt Suzuki. „Natürlich erhält „Tokyo 2020“ gerade viel Aufmerksamkeit. Und Sie, die Besitzer von Tickets, würde ich bitten zu verstehen: Sie sind Teil dieser Spiele. Bitte seien Sie sich darüber im Klaren. Bitte sorgen Sie auch dafür, dass die Anwohner keine Sorgen habe müssen.“

Wenn es dann doch Infektionen kommt, könnte man dann behaupten, es habe nicht an den eigenen Regeln gelegen, sondern an den unvorsichtigen Fans.

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