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Macht beim FC Bayern den Unterschied aus: Joshua Kimmich.

Anführer

FC Bayern: Primus Joshua Kimmich

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Joshua Kimmich ist beim FC Bayern München das Mentalitätsmonster - er will immer gewinnen, selbst im Training. Ein Kommentar.

Niklas Süle erinnert sich noch gut an sein erstes Training beim großen FC Bayern. Es gab gleich mächtig Trara mit einem kleinen Kerl, der sich lauthals über Süles nachlässiges Positionsspiel mokierte. Joshua Kimmich bedeute dem neuen Spielkameraden in schneidigem Ton, sich, bitte schön, doch „etwas mehr zu bewegen“. Süle, nicht auf den Mund gefallen, parierte die Kritik in dem ihm als geboten erscheinenden Selbstbewusstsein auf seine Art: „Was die kleinen Fische sagen, interessiert mich nicht.“ Da hatte er allerdings den falschen Fisch erwischt.

Mittlerweile weiß das hünenhafte Verteidiger-Ungeheuer, dass es ihn sehr wohl zu interessieren hat, was dieser Stichling so denkt und tut - und oftmals auch lautstark formuliert. „Er ist ein Spieler, der auch beim Eckchen immer gewinnen will“, hat Niklas Süle längst festgestellt und entsprechende Turbulenzen in den Trainingsalltag eingepreist.

Weil Joshua Kimmich so unleidlich ehrgeizig ist, weil er außerdem weit überdurchschnittlich gut Fußball spielen kann und für einen eher defensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler über einen klasse Torriecher verfügt, hat Bayern München auch den Supercup gegen Borussia Dortmund 3:2 gewonnen. Die meisten Spieler beider Mannschaften hingen schon ein bisschen durch vor der Geisterkulisse, Kimmich dagegen hing kein bisschen durch. Kimmich marschierte, wie er es immer tut.

Im übertragenen Sinne ist dieser Supercup ja nicht viel mehr als ein 5-gegen-2-„Eckchen“, das Fußballspieler gemeinhin zum Trainingsbeginn gerne ausspielen und vornehmlich als Spaß-Wettbewerb interpretieren - und nicht, wie Kimmich, als heiligen Ernst. So einen mögen die Gegner gar nicht.

Es braucht keine großartigen seherischen Fähigkeiten, um den Supercup-Siegtorschützen als logischen Nachfolger von Manuel Neuer und somit als künftigen Kapitän der Bayern und der Nationalmannschaft auszugucken. Und als Gesicht der Münchner und des DFB-Teams. Denn Primus Kimmich vereint neben Autorität als Klassemann alles, was ein Führungsspieler benötigt. Es kommt nicht von ungefähr, dass sein Trainer Hansi Flick den 25-Jährigen als „absoluten Topprofi“ bezeichnet. Dazu gehört neben Ehrgeiz und Konfliktbereitschaft auch die Fähigkeit, öffentlich schlagfertig und klug zu kommunizieren sowie eine gute Portion Lockerheit. Kimmich und Süle sind deshalb längst gute Freunde geworden.

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