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Noch immer speziell: Jose Mourinho.

Premier League

Ganz viel Liebe für Kane und Co.

Jose Mourinho gibt sich plötzlich demütig. Vor seinem Debüt bei Tottenham Hotspur präsentiert sich der einstige Egomane als „The Humble One“.

Jose Mourinho war nicht wiederzuerkennen – und das lag nicht an seinem seltsamen lila-blauen Outfit. Vor seinem Debüt als Teammanager von Tottenham Hotspur gab sich der vielleicht größte Egomane im Weltfußball charmant, witzig und selbstkritisch. Das Fußball-Mutterland fragte sich verwundert: Ist er es wirklich? Auch die Spurs-Stars rieben sich verwundert die Augen.

„Ich werde euer Vater sein, euer Freund oder eure Freundin – was immer ihr wollt“, rief er Harry Kane und Co. laut der portugiesischen Zeitung Record bei seiner ersten Ansprache zu. Beim Training tätschelte er Kane väterlich den Kopf, für Heung-Min Son gab es eine herzliche Umarmung und für den Rest: Liebe. Er brauche keine neuen Spieler, sagte Mourinho. Die, die da seien, „sind die besten Geschenke. Ich liebe diese Mannschaft!“ Es war, als hätte sich Knecht Ruprecht als netter Nikolaus verkleidet.

„Ich bin demütig“, sagte der 56-Jährige, „es geht nicht um mich, es geht um den Klub und die Spieler.“ Weil er so oft von Demut sprach, wurde der einstige „Special One“ von der englischen Presse als „The Humble One“ veralbert. Für seine früheren Fehler sei er „allein verantwortlich“, betonte Mourinho, die alten Patzer würden ihm aber nicht noch einmal unterlaufen: „Ich werde neue Fehler machen.“

Mourinho im Frottee-Einteiler

Der Spielraum dafür ist allerdings gering. Vor seinem Einstand am Samstag (13.30 Uhr/Sky) im London-Derby bei West Ham United rangiert der Champions-League-Finalist auf Platz 14, stolze elf Punkte hinter Minimalziel Rang vier. Doch Mourinho, der trotz seiner „Liebe“ zu Kane und Co. angeblich Zlatan Ibrahimovic zurück auf die Insel holen will, versprach eine glorreiche Zukunft: In der nächsten Saison sei sogar der Titel drin.

Dass er in seiner Chelsea-Zeit mal versprochen hat, niemals zum Lokalrivalen zu wechseln, tat der Meister der Medienspielchen lässig ab. „Das war, bevor sie mich rausgeschmissen haben.“ Grundsätzlich verschreibe er sich seinem jeweiligen Klub mit Haut und Haaren, betonte Mourinho, „ich trage sogar den Klub-Schlafanzug“. Den Guardian veranlasste die Vorstellung von Mourinho im Frottee-Einteiler zu der launigen Zeile: „The Special Onesie“.

Trotz seiner neuen Freundlichkeit bewies Mourinho aber auch, dass sein übergroßes Ego in den elf Monaten seit seinem Rauswurf bei Manchester United keine Kratzer bekommen hat. „Die Leute sagen, dass ich schwierig bin. Aber ich bin nur für die Leute schwierig, die meine Prinzipien nicht teilen“, zitierte er den früheren Basketball-Superstar Kobe Bryant: „Du verlierst nie deine DNA, deine Identität, das, was du wirklich bist.“

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