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Johannes Golla: „Wir wollen begeistern“

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Von: Felix Meininghaus

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Anführer: Johannes Golla feiert einen Treffer.
Anführer: Johannes Golla feiert einen Treffer. © dpa

Der deutsche Kapitän Johannes Golla über Herzblut für die Handball-Nationalmannschaft, die Chancen bei der WM, die neue Gefahr durch Corona und die Vergleiche zum Fußball

Ein frohes Neues, Herr Golla. Wo haben Sie den Jahreswechsel erlebt? Mit der Familie oder im Kreis der Nationalmannschaft?

Ich war in meiner Heimat, das ist in der Nähe von Wiesbaden, wo wir mit den Großeltern meiner Tochter gefeiert haben. Da fällt der Abschied schon schwer, aber auf der anderen Seite freut man sich auf die Kollegen in der Nationalmannschaft. Da ist eine echt gute Einheit gewachsen.

Es ist etwas Besonderes als immer noch junger Spieler bereits Kapitän der Nationalmannschaft zu sein. Wie empfinden Sie das?

In erster Linie als riesige Ehre. Und als riesige Verantwortung. Es sind vor allem in der Kommunikation mit dem Bundestrainer und Sportdirektor Axel Kromer eine große Herausforderungen, die ich meistern muss. Aber ich lebe so sehr im Hier und Jetzt, dass ich das alles ganz gut einordnen kann.

Hat Sie diese Rolle persönlich verändert?

Verändert nicht, aber weitergebracht. Da ergeben sich schon Situationen, in die nicht viele Menschen in meinem Alter kommen. Da wirst du vor herausfordernde Situationen gestellt. Aber wenn du die meisterst, wächst du extrem daran.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Bundestrainer Alfred Gislason beschreiben?

Das ist ein über Jahre gewachsenes Vertrauensverhältnis. Am Anfang war ich ein normaler Nationalspieler, dann hat er mich zum Kapitän befördert, seitdem ist unsere Kommunikation nochmal auf ein anderes Niveau gerückt. Er sagt mir genau, was ihm wichtig ist und was er von der Mannschaft erwartet. Auf der anderen Seite trage ich ihm meine Ideen vor, wie wir als Team am weitesten kommen können. Das ist eine super Zusammenarbeit, ich empfinde es immer noch als Ehre, mit einem solchen Trainer zusammenarbeiten zu können, der im Handball schon alles erlebt und gewonnen hat.

Sie werden vom Bundestrainer und von ihren Mitspielern als idealer Kapitän beschrieben. Ist Ihnen dieser Job auf den Leib geschnitten?

Erst einmal freut es mich, wenn ich in dieser Weise gelobt werde. Es ist schon so, dass ich mich gerne einbringe und Verantwortung übernehme. Es ist mir ein Anliegen, der Mannschaft zu helfen, so weit ich das kann.

Gislason hat im Vorfeld der WM bemängelt, dass die Skandinavier und andere Nationen mit mehr Herzblut für ihre Nationalmannschaften auflaufen als die Deutschen. Teilen Sie diese Kritik?

Die, die da sind, spielen auch mit ganz viel Herzblut für die Nationalmannschaft. Aber es sind nicht alle da. Das hat immer individuelle Gründe, die man individuell bewerten muss. Aber grundsätzlich wünscht man sich schon, dass die Besten spielen.

Können Sie als Kapitän aktiv daran mitarbeiten, so etwas wie eine Kultur der Nationalmannschaft zu etablieren?

Wir müssen sicherlich daran arbeiten, dass alle Spieler gerne zur Nationalmannschaft kommen und einen Rahmen bieten, dass sich jeder wohlfühlt. Das läuft auch über sportlichen Erfolg, denn dann ist die Anziehungskraft der Nationalmannschaft wieder entsprechend größer.

Wie ist denn die Stimmung im Team?

Zur Person

Johannes Golla ist in Rüdesheim geboren, wuchs im Rheingau auf und begann mit dem Handball bei der TG Eltville. 2016 gab er sein Debüt in der Bundesliga bei der MT Melsungen. Der Kreisläufer spielt seit 2018 für die SG Flensburg-Handewitt. Inzwischen ist der 25-Jährige auch Kapitän bei den deutschen Handballern, die für die WM in Polen und Schweden (11. bis 29. Januar) nicht mehr zu den Topfavoriten zählen. Golla war bei der EM 2022 bester Werfer der DHB-Auswahl. FR

Sehr gut, wir arbeiten hart und intensiv an den Dingen, die wir uns draufschaffen wollen. Wir sind voll fokussiert auf die WM, weil wir da was erreichen wollen.

Was können Sie den deutschen Fans versprechen?

Alles, was wir haben, auf dem Spielfeld zu lassen und im Verlaufe des Turniers mehr und mehr von dem zu bringen, was wir uns in den Trainingseinheiten und den Vorbereitungsspielen erarbeitet haben. Wir wollen nicht nur durch Emotionalität, sondern auch durch guten Handball begeistern.

Gibt es konkrete Ziele, die Sie bei der WM erreichen wollen?

Die haben wir nicht, wir haben keine Platzierung abgesprochen. Mein persönliches Ziel ist es, mal wieder die K.o.-Runde zu erreichen.

Ihr Torhüter Andreas Wolff geht da einen Schritt weiter. Er sagt, nach sieben Jahren Pause werde es mal wieder Zeit für eine Medaille. Gehen Sie da mit?

In erster Linie freut es mich, dass Spieler da hinfahren, um das Maximum zu erreichen. Ich bin ganz klar Andis Meinung, dass wir mal wieder was Zählbares holen sollten. Aber wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht überschätzen, und mit dem nötigen Respekt an unsere Aufgaben gehen. Wir sind momentan nun mal nicht in der absoluten Weltspitze.

Deutschland hat weltweit den größten nationalen Handballverband, die beiden Vorbereitungs-Länderspiele in Bremen und Hannover waren ausverkauft. Warum agiert diese Handballnation nicht auf gleicher Augenhöhe mit führenden Teams wie Dänemark, Frankreich und Spanien?

Die Dänen haben gerade eine absolute Ausnahmegeneration, für die Franzosen gilt das noch länger. Da sind so viele Spieler, die bei ihren Vereinen ständig auf internationalem Topniveau agieren. Unser Ziel muss es sein, da wieder hinzukommen.

Corona war bei der EM im vergangenen Jahr ein riesiges Thema. Ganz so chaotisch wird es dieses Mal wohl nicht, aber der internationale Verband IHF hat sehr strikte Regeln vorgelegt, für die er kritisiert wird. Wie sehen Sie das?

Das ist ein schwieriges Thema. Wir hatten eigentlich gehofft, dass es ein Turnier wie vor der Coronazeit wird, dass wir uns darüber keine Gedanken mehr machen müssen. Aber jetzt sind die Regularien so festgelegt worden, wie sie sind, und damit müssen wir leben. Das bedeutet für uns, dass wir uns doch wieder zurückziehen und mehr auf die Hygiene achten müssen, als wir das wollen.

Die WM in Katar hat gezeigt, dass das öffentliche Interesse am Fußball nachgelassen hat. Haben Sie Sorge, dass den Handballern das gleiche Schicksal droht, wenn nicht bald mal wieder ein großer Erfolg gelingt?

Es ist unser Ziel, die Menschen zu begeistern – und da gehören Erfolge nun mal dazu. Wir wollen guten Handball zeigen, dass die Leute sagen, das ist die Mannschaft, die uns repräsentiert, den schauen wir gerne zu. Wenn uns das gelingt, lenken wir die Aufmerksamkeit automatisch auf den Handball.

Interview: Felix Meininghaus

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