+
Jake Burton Carpenter im Jahr 2017. Der Erfinder des Snowboardens ist verstorben.

Wintersport

Jake Burton Carpenter: Erfinder des Snowboards stirbt mit 65 Jahren

  • schließen

Jake Burton Carpenter hat nicht nur ein neues Produkt ersonnen, sondern eine Sportart, eine Kultur, ein Lebensgefühl.

Er sei der coole Vater des Sports, sagte die Snowboard-Legende Shaun White einst über den Mann, der für die Sportart mindestens genauso wichtig war wie er selbst: Jake Burton Carpenter, ohne den es das Snowboard nicht geben würde. Wahlweise wurde Carpenter auch als Godfather, Pionier oder Seele des Snowboardens bezeichnet. In der Nacht zu Donnerstag ist der Gründer von Burton Snowboards im Alter von 65 Jahren an Krebs gestorben, wie eine Firmensprecherin mitteilte.

Der Wintersportfan Carpenter war mal Skifahrer, bis er den 1965 lancierten Snurfer entdeckte, einen breiten Ski ohne Bindung. An einem Seil, das mit der Spitze des Snurfers verbunden war, hielten sich die Fahrer fest und glitten so durch den Schnee. Carpenter entwickelte den Snurfer in einer Garage weiter zum Snowboard und bediente sich dabei auch bei den Technologien der Skiindustrie.

Jake Burton Carpenter ist tot: Am Anfang waren Snowboards nicht gern gesehen

„Am Anfang waren wir die Diebe. Wir haben die Ski-Technologie gestohlen“, sagte Burton-Chefin und Ehefrau Donna Carpenter kürzlich der Frankfurter Rundschau. „Wir haben gesagt, dass wir ein Snowboard wie einen Ski bauen werden – mit Glasfasern und Stahlkanten.“

Gern gesehen waren die Snowboarder zunächst nicht. Im Gegenteil, sie wurden fast überall ausgeschlossen. „Die Ski-Ressorts wollten uns nicht auf dem Berg, die Messen wollten uns nicht an ihren Ständen, die Skiverkäufer wollten uns nicht unterstützen“, so Carpenter. „Wir waren die Rebellen.“ Erfolgreiche Rebellen allerdings, die aus einer Idee zunächst eine Sportart machten und dann ein globales Business. Andere Firmen stiegen in das Geschäft ein, doch noch heute dominiert Burton zwei Fünftel des Marktes.

Jake Burton Carpenter ist tot: Snowboarden feiert 1998 seinen Durchbruch

Dabei gelang Jake Burton Carpenter etwas, von dem heute die meisten Firmenlenker träumen: Er baute rund um die Firma ein Ökosystem auf. Zunächst setzte er in immer mehr Skigebieten durch, dass dort auch Snowboarder fahren durften. Dann sorgte er mit dem Aufbau von Snowboardschulen und Wettbewerben dafür, dass die Sportart gedieh. Es entwickelte sich eine eigene Kultur, ein Lebensgefühl.

Den endgültigen Durchbruch schaffte das Snowboarden als es 1998 bei den Olympischen Spielen von Nagano erstmals im Programm war, was durchaus nicht allen in der Snowboard-Gemeinschaft gefiel: Wichtige Protagonisten fremdelten mit dem Vermarktungs- und Leistungsgedanken des professionellen Spitzensports.

Snowboard-Pionier Jake Burton Carpenter im Alter von 65 Jahren gestorben

Jake Burton Carpenter: Am liebsten selbst im Schnee unterwegs

Jake Burton Carpenter blieb seiner Leidenschaft treu und war selber viel im Schnee unterwegs. Doch in den vergangenen Jahren wurde er immer wieder von Krankheiten heimgesucht. 2011 wurde bei ihm Hodenkrebs diagnostiziert. 2015 lag er mit der Nervenkrankheit Miller Fisher Syndrom wochenlang fast vollständig gelähmt, und nicht in der Lage zu sprechen, in einer Klinik.

„Leben bedeutet nicht, einen Puls zu haben“, sagte er danach einem Journalisten der „New York Times“. „Es geht um Freunde, Erlebnisse, darum, zu leben. Wenn all das verschwindet, ist es kein Leben mehr.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion