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Ja Morant: Der Überflieger der NBA

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Abheben zur Flugshow: Ja Morant von den Memphis Grizzlies begeistert mit seinen spektakulären Körben die Basketball-Welt.
Abheben zur Flugshow: Ja Morant von den Memphis Grizzlies begeistert mit seinen spektakulären Körben die Basketball-Welt. © Getty Images via AFP

Der erst 22-jährige Ja Morant ist neuer Posterboy der NBA, weil er hoch springen kann und Erinnerungen an die ganz Großen des Sports weckt.

Der großartige Allen Iverson, die Stilikone der Generation Rap in der NBA, hat seinen Erben höchst selbst auserkoren. Auf Twitter zeigte er ein Foto seiner MVP-Trophäe, der er ein Trikot von Ja Morant übergezogen hatte. „Früher oder später“ schrieb er darunter, werde Morant selbst diese Titel führen: wertvollster Spieler der besten Basketballliga.

Die Vergleiche nehmen derzeit kein Ende in den Vereinigten Staaten. Die einen sehen in Ja Morant, 22, ganz schön viel Iverson, diese Unerschrockenheit, mit der er sich in das Land der Riesen stürzt und über die 2,10-Meter-Kerle Körbe wirft. Die anderen erkennen Kobe Bryant oder gar Michael Jordan, seine Heiligkeit, weil er fliegen kann wie sie. Höher und weiter als so ziemlich alle anderen in der NBA. Ja Morant ist nicht Kobe und auch nicht MJ, aber ein Reim der Geschichte auf die Flugkünstler. Und er ist dabei, das Gesicht einer Liga zu werden, die einen legitimen Nachfolger für ihre Hauptwerbeträger LeBron James und Stephen Curry sucht, beide über 30 Jahre alt.

Rockstar der Jugend

Vergangene Woche hat das Ligabüro eine Nachricht versandt. Es ging darin um ein Video auf Instagram, das Ja Morant bei einem spektakulären Korb nach einem 30-Meter-Pass zeigt. Wie er mal wieder für eine gefühlte Ewigkeit in der Luft hing. Über 40 Millionen Aufrufe verzeichnete das Soziale Netzwerk. „Meist-geklicktes Video aller Zeiten“, vermeldete die NBA. Auf der Rangliste der meist-gekauften Trikots schob sich der Aufbauspieler mit 1,91 Metern auf Rang sieben nach vorne. Die Plätze eins und zwei belegen James und Curry.

Seine Heldentaten gegen San Antonio haben ihn nun endgültig in die Stratosphäre der NBA-Superstars gehoben. Mit 52 Punkten stellte er einen neuen Klubrekord bei den Memphis Grizzlies auf. Hinterher, das kommt selten genug vor, lud man in sämtliche Talkshows die Memphis-Versteher des Landes ein, von denen es wirklich nicht viele gibt.

Die Grizzlies, 2001 von Vancouver umgesiedelt, beackern einen der kleinsten Märkte der NBA, warten praktisch seit ihrer Entstehung auf einen echten Superstar. Nun, hier ist er. Für das Heimspiel gegen Orlando, eines der erfolglosesten Teams der Liga, waren Tage davor nicht einmal drei Tickets nebeneinander zu bekommen. Stunden vor Heimspielen füllt sich der Parkplatz, weil die Fans Ja Morant dunken und werfen sehen wollen. „Das Aufwärmen ist wie das Konzert eines Rockstars“, sagt Chris Vernon, einer der führenden Memphis-Kenner vom Portal „The Ringer“. Zuletzt sah man vergleichbare Szenen vielleicht bei Curry, der für sein Spektakel beim Warmmachen bekannt war.

Sensationelle Sprungkraft

Für die Kinder der Stadt, erklärt Chris Vernon in seinem Podcast, „ist Ja der König der Welt“. Kein anderer Jungprofi resoniert derzeit so mit der Jugend des Landes. Sie sehen in Morant einen von ihnen. Aufgewachsen in South Carolina in einer Gegend mit vielen Bäumen und Feldern und wenig Häusern. Sein Vater Tee baute in dieses Nirgendwo einen Basketballplatz aus Asphalt, auf dem sich die Jugend traf und Körbe warf. Manchmal 50, 60 Kinder.

Neben dran ließ er seinen Sohn auf Bulldog-Reifen springen. Kein Wunder, wo die Sprungkraft herkommt. Und doch sichtete niemand diesen spindeldürren Buben mit dem großen Spielverständnis, der darauf verzichtete, sich im Internet zu vermarkten, wie das andere Talente machen.

Es brauchte schon einen witzigen Zufall, um Ja Morant zu entdecken. James Kane, Co-Trainer an der unbekannten Murray State University, kam bei einem Basketballcamp zufällig an einer kleinen Halle vorbei – wegen des Kiosks, der davor aufgebaut war. Wie er die Jugendlichen beobachtete, die als weniger sehenswert einsortiert worden waren, fiel ihm Ja Morant auf. Ein Anruf bei seinem Chefcoach später rekrutierte James Kane den 17-Jährigen.

Der Rest gehört längst zum Mythos Morant, Neuling des Jahres 2020 – übrigens vor einem gewissen Zion Williamson, dem gefeierten Supertalent dieses Jahrgangs. Was kaum einer weiß: Die beiden haben in der Jugend mal in einem Team gespielt. Aber da fiel das Scheinwerferlicht schon auf Williamson, der seit Jahren von Verletzungen heimgesucht wird. Zion Williamson sollte werden, was nun Ja Morant ist: der Posterboy der NBA, der die Memphis Grizzlies, ja die so oft erfolglosen Grizzlies, aktuell auf Platz drei der Western Conference führt.

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