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Fels in der Brandung: Lukas Hradecky (oben). dpa
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Fels in der Brandung: Lukas Hradecky (oben). dpa

Fußball-EM

EM 2021: Lukas Hradecky - Island als Inspiration

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Dank Lukas Hradecky kann Außenseiter Finnland am Mittwoch in St. Petersburg bereits das Achtelfinale erreichen.

Spötter haben behauptet, dass Finnlands Fußball-Verband seine Premiere bei dieser Europameisterschaft von hinten geplant hat. Weil die Quartierwahl darauf ausgelegt sein könnte, gleich nach der Gruppenphase auf kürzestem Wege wieder den Heimflug antreten zu können. Der Tross ist in Repino untergebracht, einem fast schon verträumten Vorort von St. Petersburg direkt am Finnischen Meerbusen. Zwischenzeitlich gehörte dieser windanfällige Teil Russlands sogar zur Republik Finnland. Das zweite Gruppenspiel gegen Mitausrichter Russland (Mittwoch 15 Uhr) und die dritte Partie gegen Belgien (Montag 21 Uhr) finden im knapp 50 Kilometer entfernten Krestowski-Stadion statt – doch danach muss der Novize vielleicht gar nicht heim nach Helsinki fliegen. Was beim Drama um Christian Eriksen beim Skandinavien-Duell gegen Dänemark natürlich in den Hintergrund rückte: Die „Uhus“ haben nach dem 1:0-Auftaktsieg beste Chancen aufs Achtelfinale, ein Punkt gegen die im Auftaktspiel gegen Belgien chancenlose Russen könnte bereits zum Weiterkommen genügen.

Dennoch wollte selbst Trainer Markku Kanerva auf der Pressekonferenz in St. Petersburg nicht schnell zur Tagesordnung übergehen. „Dieses Spiel, diese Minuten, werden uns für immer im Gedächtnis bleiben. Es war nicht leicht, sich weiter auf Fußball zu konzentrieren.“ Der ausgebildete Pädagoge sah sich als mentale Stütze gefordert, denn auch bei seinen Spielern wirken die schrecklichen Eindrücke aus Kopenhagen nach. „Alles war wir haben, ist einander. Nichts anderes ist so wichtig. Riesenrespekt an die echten Helden da draußen“, hat Lukas Hradecky auf seinem Instagram-Profil stehen.

Rückhalt und Pragmatiker

Der Torwart von Bayer Leverkusen zeigte sich zuletzt beim Aufwärmen als nachdenklicher Profi. Der 1,92-Meter-Schlaks hatte gegen die Dänen famos gehalten, dann in der Kabine sich schon die Schuhe ausgezogen – und auf einen Spielabbruch eingestellt, als es dann doch weiterging. Er habe die dramatischen Momente erst nicht direkt an sich rangelassen, verriet der 31-Jährige, der nach Spielende mit dem Megafon den Vorsänger für Fans gab. Rückblickend gab es nicht eine Sekunde den Gedanken, in der 74. Minuten den Elfmeter von Pierre-Emile Hjöberg absichtlich ins Tor zu lassen – was später vor allem in den Sozialen Medien diskutiert wurde. „Ich bin Torwart und hatte in dem Moment nur den Ball im Blick. Das ist Sport.“ Das eigentliche Lob, meint er, gebühre Torwartwartkollege Kasper Schmeichel und den anderen Dänen, dass sie weiterspielten.

So spricht ein geerdeter Rückhalt und gefühlvoller Pragmatiker, der sich selbst und seinen Job nicht zu wichtig nimmt. Hradecky, im slowakischen Bratislava geboren, aber als Kind mit seinen ausgewanderten Eltern im finnischen Turku aufgewachsen, hatte sich bereits auf seiner ersten Bundesliga-Station bei Eintracht Frankfurt als authentischer Charakter viele Sympathien erworben. Einer, der Aussagen auch mal mit einem Augenzwinkern versieht. In ernsten Phasen aber gefragt als meinungsstarke Führungsfigur. Seine Devise für den Rest der EM: „Wir wissen, dass wir jedem Gegner weh tun können. Und wir haben nichts zu verlieren.“

Mit Kapitän Tim Sparv (34, AE Larissa) und Torjäger Teemu Pukki (31, Norwich City) bildet der 66-fache finnische Nationaltorwart die routinierte Achse beim Underdog. Gemeinhin steht Fußball in der Heimat bei der Popularität hinter Eishockey, Skilangläuf oder Leichtathletik, doch das könnte sich ändern, wenn die Truppe vielleicht einfach die Erfolgsgeschichte Islands von der EM 2016 nachspielt. Hradecky nennt die isländische Heldenstory aus Frankreich für Finnland eine „Inspiration“. Die finnischen Fans haben ihren Teil beigetragen, im dem sie mit der dänischen Anhängerschaft einen Wechselgesang aufführten. Die „fantastischen Botschafter für Finnland“, wie der bekennende Bierliebhaber zwischen den Pfosten die eigenen Anhänger nennt, sollen sich bereits nach Quartieren in Amsterdam und Sevilla umsehen. In der einen Stadt spielt der Zweite der Gruppe B, in der anderen der Gruppensieger das Achtelfinale.

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