Ohne Fans, aber mit strengen Hygieneregeln sucht der Basketball in München nach der besten Mannschaft des Landes. 
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Ohne Fans, aber mit strengen Hygieneregeln sucht der Basketball in München nach der besten Mannschaft des Landes. 

Basketball

„Das ist ein großer Sieg“

  • vonPatrick Reichelt
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Vor dem Start des Finalturniers der Basketballer spricht Marko Pesic, Geschäftsführer von FC Bayern Basketball, über Protestaktionen, leere Hallen und die Geldsorgen der Klubs.

Zuletzt gab es einiges Aufsehen über mögliche Protestaktionen der Basketballspieler nach dem Tod von George Floyd in den USA. Haben Sie Ärger für das Finalturnier befürchtet?

Nein. Ganz ehrlich, ich bin ein großer Freund der freien Meinungsäußerung. Ich finde es sogar gut, wenn ein Spieler seine Meinung sagt.

Werden Sie das Thema mit der Mannschaft besprechen?

Das weiß ich nicht. Aber eigentlich muss man das gar nicht. Bei unseren Spielern habe ich da überhaupt keine Bedenken. Das ist aber auch wichtig in diesem Verein, der mit seiner Marke für so viel soziales Engagement steht. Ob es die Arbeit mit Behinderten ist oder vor kurzem die Aktion Rot gegen Rassismus. Auch vor diesem Hintergrund finde ich es gut, wenn ein Spieler etwas sagt. Noch wichtiger ist es allerdings, dass sich die Spieler im Klaren sind, dass sie eine Vorbildfunktion haben und das auch im täglichen Leben vorleben.

Nun aber gibt es eine spezielle Plattform. Der Basketball hat neben dem Fußball jetzt drei Wochen lang eine Alleinstellung.

Ja, klar, daran sieht man, dass wir etwas Besonderes geschafft haben. Das ist eine Riesensache, dass wir es wirklich schaffen, die Saison sportlich zu Ende zu bringen. Das ist ein ganz großer Sieg für den Basketball.

Der schwer erkämpft war. In den Wochen der Corona-Pause hatten Sie nicht zuletzt in Bayreuth und Bamberg starke Gegner.

Marko Pesic.

Ich habe vor Kurzem ein tolles Interview mit dem argentinischen Fußballer Jorge Valdano gelesen. Er sagte, die Deutschen haben es geschafft, in der Krise nicht reflexartige Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Und so hat sich das auch in der BBL eingependelt. In einer guten Zusammenarbeit. Ich habe diese reflexartigen Stimmen nicht als Zeichen des Gegenwinds gesehen. Die meisten haben mit Bedacht und Ruhe agiert. Und am Ende war wichtig, dass niemand zu etwas gezwungen wird.

So wie in der dritten Liga der Fußballer, wo sich die Gegner der Fortsetzung den Befürwortern beugen mussten.

Zur Person

In den vergangenen Tagen ist auch Marko Pesic, 43, auf Abstand gegangen. Man will nichts riskieren, der Ex-Profi, seit 2011 Geschäftsführer des FC Bayern Basketball, gehört als Hausherr natürlich zum elitären Kreis derer, d

ie das morgen beginnende Finalturnier in München um die deutsche Meisterschaft in der Quarantäne-Station der alten Olympischen Basketballhalle aus nächster Nähe miterleben wollen. FR

Na ja, ich habe nicht den Einblick, wie sich die Etats der Drittligisten zusammensetzen. Aber klar ist: Natürlich geht es auch für uns um Geld. Klar ist: Mit der Ausrichtung des Turniers werden wir kein Geld verdienen. Aber es geht auch um Sponsorengelder, die wir nicht bekommen hätten oder hätten zurückzahlen müssen. Und da geht es nicht nur darum, dass die erste Mannschaft von Bayern München überlebt. Was ist zum Beispiel mit unseren Schul-AGs? Da geht es um ein ganzes System.

Und der Druck dürfte nicht kleiner werden. Wie lange kann das System ohne Zuschauer funktionieren? Gibt es Szenarien?

Szenarienplanung wird wahrscheinlich das Unwort des Jahres. Na ja, wir haben am 10. Juni eine Ligatagung, wo versucht werden soll, ein bisschen die Weichen für die neue Saison zu stellen. Klar ist: Wir müssen solange wie möglich mit Entscheidungen warten und uns dann vielleicht auch ein bisschen daran orientieren, was der Fußball macht. Im Moment haben wir eine Vollbremsung eingelegt. Vieles ist auf Halt, auch Personalplanungen zum Beispiel. Man kann sich das ja ausrechnen: Im Durchschnitt kommen 30 Prozent der Etats aus Ticketeinnahmen. Die ersten Wochen können wir so spielen, dann müssen die Fans aber zurückkommen. Sonst wird es schwer. Oder sagen wir es mal so: Mit jeder Woche, in der sie nicht zurückkommen, wird es schwerer. Und nicht nur für uns.

Wie sehr werden Sie in den nächsten Wochen zittern, bis tatsächlich ein Finale gespielt ist?

Ach, mit dieser Ungewissheit von Tag zu Tag leben wir jetzt doch schon seit acht Wochen. Das Gute ist: Wir haben ein gutes und schlüssiges Konzept, das mit Experten wie Florian Kainzinger erarbeitet wurde. Da ist die Wahrscheinlichkeit klein, dass etwas passiert. Was natürlich davon abhängt, wie diszipliniert sich jeder Einzelne an die Vorgaben hält. Das ist klar.

Wie realistisch ist es, dass sich 250 Menschen über drei Wochen diszipliniert verhalten?

Ich denke schon, dass man das in dieser Situation erwarten kann. Diese Vollbesetzung mit 250 Leuten haben wir ja auch nur für einen begrenzten Zeitraum – die zehn, elf Tage, in denen die Vorrunde läuft. Danach fallen zwei Mannschaften raus, im Viertelfinale vier. Dann beschränkt sich alles auf einen viel kleineren Kreis, der dann voll im Playoff-Fieber ist.

Ganz nebenbei geht es ja auch um einen Titel. Wird der angesichts der Umstände ein bisschen zur Nebensache?

Nein, das glaube ich nicht. Ich bin in meiner Karriere – glaube ich – neunmal Meister geworden. Erst als Spieler und dann hier mit Bayern München. Ich weiß, wie sich das anfühlt. Ich weiß, wie es sich anfühlt, in fünf Spielen Meister zu werden, und ich weiß auch, wie es sich anfühlt, in fünf Spielen die Meisterschaft zu verlieren. Und wenn man nun sieht, was nötig war, um überhaupt in diese Position zu kommen, dann hätte der Titel für mich einen ganz, ganz großen Wert. Vielleicht den größten überhaupt.

Interview: Patrick Reichelt

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