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Kinder spielen im Freien auf einer Wiese Fußball.
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Fußball soll allen Spaß machen, ob das Tor getroffen wird oder nicht.

Kein Trainergeschrei

Inklusion im Fußball: Kicken mit und ohne Handicap

Alexander Randomski vom SV 1894 Sachsenhausen über offene Strukturen im Fußball und Inklusion von Menschen mit Behinderung, psychischen Erkrankungen und Fluchterfahrung

Der SV Sachsenhausen gehört zu den ältesten Vereinen in Frankfurt, von der G-Jugend bis zur Soma wird gekickt, aktuell spielen 300 Kinder und Jugendliche ab drei in 15 Mannschaften, darunter auch in einem Ballkindergarten für die Allerkleinsten. Wir verstehen uns nicht in erster Linie als Fußballverein, sondern verfolgen ein durchgängiges sozialpädagogisches Konzept, das sich an den Schwächeren, Gehandicapten orientiert. Unser Motto: Mit Spaß lernt es sich leichter. Es geht um eine positive Fehlerkultur, um einen angemessenen Umgangston, kein Geschrei der Trainer draußen, wenn ein Pass missrät oder neben das Tor geschossen wird.

Zur Person

Alexander Radomski ist Diplompädagoge, Vorsitzender des SV 1894 Sachsenhausen und gemeinsam mit Martin Eisenkrätzer auch Jugendleiter des Vereins.

Fußball für Kinder mit Behinderung: Offene Strukturen sind wichtig

Das Thema Inklusion ist beim SVS seit 2016 stark verwurzelt. 2016 öffnete der Klub seine Tore für psychisch kranke Menschen sowie Kinder und Jugendliche mit einem Handicap, seitdem gibt es eine Kooperation mit dem SVS, der Organisation Im-Pulse, sowie dem Frankfurter Turnverein 1860. Im-Pulse betreut Menschen mit psychischen Erkrankung in ihrem Alltag, der SVS bietet ihnen eine sportliche Heimat. Für psychisch kranke Menschen ist Sport eine enorme Bereicherung ihres Alltags und erhöht das Selbstwertgefühl. Mittlerweile können auch ehemals Drogenabhängige integriert werden. Auch geflüchtete Menschen aus Kriegsgebieten sind mit am Ball. Inzwischen gibt es ein Team aus psychisch Kranken, Ex-Abhängigen sowie Fußballern mit und ohne Handicap. Wir legen besonders großen Wert auf Durchlässigkeit. Im Idealfall findet da jeder sein Plätzchen in einer der fünf Herrenteams. Es hat aber einiges an Überzeugungsarbeit im Verein gebraucht und braucht es immer noch. Mit dem Gedanken, dass nicht immer der Beste spielt, muss man sich erst anfreunden.

In diesem Zusammenhang organisieren wir inklusive Fußballcamps für 30 bis 50 Kinder ab sechs Jahren bei uns auf der Anlage an den Mainwasen. Sie stehen allen offen, man kickt mit und ohne Handicap zusammen. Fachkundige Trainer und Betreuer kommen bei uns aus dem pädagogischen Sektor. Aktuell schreitet der Aufbau einer inklusiven Kinder- und Jugendmannschaft für alle voran.

Alexander Randomski: Nur mit Ehrenamt ist Inklusion im Sport nicht zu schaffen

Die Suche nach fachkundigem Personal ist schwierig, dafür würden wir uns ein größeres Budget wünschen. Mittelfristig benötigen wir im Klub Teilzeitstellen, denn nur auf Basis des Ehrenamts ist die intensive Arbeit auf Sicht nicht zu leisten.

Die Serie

Zur Bundestagswahl am 26. September will die FR denjenigen Gehör verschaffen, die sich auch jenseits der Parteien engagieren: für neue Formen des Wirtschaftens, die den Planeten nicht zerstören. Für wohnliche Städte, gesunde Ernährung, umweltfreundliche Mobilität. Für mehr politische Teilhabe und Gleichberechtigung.

Diese Menschen haben den Mut , auch das zu wählen, was nicht zur Wahl steht. Oft sind es nachdenklich-leise Töne, die von den Mächtigen in Politik und Wirtschaft arrogant ignoriert und von rechtspopulistischen Lautsprechern übertönt werden. Die FR-Serie „Wir können auch anders“ soll ein Verstärker für diese inspirierenden Stimmen sein.

Auch Sie, die Leserinnen und Leser, können sich an unserer Serie beteiligen. Was wäre das erste, das die nächste Bundesregierung tun sollte? Schreiben Sie Ihre Antwort in einem bis drei Sätzen auf und schicken Sie sie an bundestagswahl21@fr.de

Im Begleitstück zu diesem Schwerpunkt spricht Ex-Fußballer Ewald Lienen über die Herausforderungen der Klimakrise und die Verantwortung von Profivereinen und Politik.

In der nächsten Folge geht es um Umverteilung. Sie erscheint am Freitag, 25. Juni.

Zuletzt erschienen: eine Folge der Serie zu LGBTIQ*-Rechten am Freitag 18. Juni.

Alle Teile zum Nachlesen unter fr.de/Bundestagswahl

Grundsätzlich benötigen wir eine Komplettsanierung auf unserem Sportgelände, einen weiteren Kunstrasenplatz und zwei zusätzlich Bolzkäfige, auch eine Halle wäre erforderlich, um parallele Sportangebote für Kinder anzubieten, zumal wir den Aufbau einer Sport-Kita anpeilen mit Krabbelstube, Vorschul- und Hausaufgabenbetreuung, ein Familienangebot ist zudem ins Auge gefasst.

Von einer neuen Bundesregierung wünschen wir uns, dass ein Bundes-Inklusionsgesetz verabschiedet wird, das alle Hilfe für die Kinder unter dem Dach der Jugendhilfe vereint. Das könnte in Form eines Bundesmodellvorhabens erprobt werden.

Aufgezeichnet von Thomas Kilchenstein

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