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Deutscher Fußball-Bund

Nazi-Vergleich beim DFB: Ethikkommission trifft Urteil über Präsident Fritz Keller

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Die hauseigene Ethikkommission des DFB fällt das Urteil über Chef Fritz Keller.

Frankfurt - Es sind gerade wunderschöne Frühlingstage im Frankfurter Stadtwald. Überall sprießen die Knospen und Blüten. Besonders beliebt ist unter den Spitzenfunktionären vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein Spaziergang entlang der Schneise gleich links hinter den Fahrradständern. Immer schnurstracks geradeaus – und irgendwann dreht man einfach um.

Auch Präsident Fritz Keller ist diesen Weg schon häufiger gegangen, um in turbulenten Tagen den Kopf freizubekommen. Nun aber scheint sich das Verbandsoberhaupt in einer Sackgasse verlaufen zu haben, aus der es kaum noch ein Entrinnen gibt. Zu schwer lastet die Bürde eines beschämenden Nazi-Vergleichs, nachdem Keller am Freitag auf der Präsidiumssitzung in einem Wortgefecht seinen mächtigen Vizepräsidenten Rainer Koch als „Freisler“ beschimpfte.

DFB: Eklat um Nazi-Vergleich

Nur anderthalb Jahre nach einem Traumstart ohne Gegenstimme ist der Gastronom vom Kaiserstuhl an einem derartigen Tiefpunkt angelangt, dass sich unweigerlich die Frage stellt: Wie lange kann Keller dem öffentlichen Druck standhalten? Der 64-Jährige schließt derzeit noch einen Rücktritt aus und will sich zumindest bis zu einem vorgezogenen DFB-Bundestag im Amt halten. Der Fall liegt jedoch zunächst in den Händen der hauseigenen Ethikkommission, die sich aber vorerst nicht zum Prozedere äußern will. Am Mittwoch hieß es, dass die Kommission zu einem nicht näher definierten Zeitpunkt „mit abgestimmten Informationen an die Öffentlichkeit“ treten wolle.

DFB: Brisante Besetzung der Kommission

Eine gewisse Brisanz stellt die Besetzung der Kommission dar, der Birgit Galley, Bernd Knobloch, Nikolaus Schneider und Irina Kummert angehören. Nach dem Tod des Vorsitzenden Thomas Oppermann wird das Gremium kommissarisch von Knobloch geleitet. Er ist der Sohn von Charlotte Knobloch, der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Was Makkabi Deutschland von der Äußerung Kellers hält, machte der deutsch-jüdische Sportverband deutlich. Man sei „bestürzt“, ließ Makkabi wissen – und stärkte Koch wie zahlreiche DFB-Landesverbände zuvor den Rücken. Die enge Zusammenarbeit mit dem DFB beruhe „vor allem auf der langjährigen Verbundenheit“ zu Koch, der „ein starker und ehrlicher Partner“ sei. Hinter der Stärke Kellers steht dagegen ein großes Fragezeichen – viele sehen die Rolle des Multifunktionärs überaus kritisch.

Mitglieder der Ethikkommission des DFB im Sommer 2019: Bernd Knobloch (links), der Sohn der früheren Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, leitet derzeit die Kommission. Auch Birgit Galley (2. von links) und Nikolaus Schneider (rechts) gehören dem Gremium an, das das Verhalten von DFB-Präsident Fritz Keller beurteilen soll.

Unisono verurteilten mehrere Landesverbände sowie die Deutsche Fußball Liga, die im Machtkampf mit Generalsekretär Friedrich Curtius eher dem Lager des Präsidenten zugerechnet werden, Kellers Aussagen. Rücktrittsforderungen gab es hingegen kaum, was weniger an der Schwere der Aussagen, sondern eher an der Gesamtsituation des DFB liegen dürfte. Viele Vertreter wollen erst recht nicht, dass die andere Seite um Koch und Curtius als Sieger aus dem öffentlich ausgefochtenen Duells hervorgehen. Das Duo ist beim größten nationalen Sportfachverband der Welt schon lange in der Verantwortung und blieb es auch stets, wenn an der Spitze Präsident um Präsident ins Aus stolperte.

DFB: Fehler von Fritz Keller eine Steilvorlage für Curtius

Für Curtius, der in der Verbandszentrale in Frankfurt über eine gewisse Hausmacht verfügt, war Kellers bislang schwerster Fehler eine Art Steilvorlage. Der Generalsekretär zeigte die Verfehlung bei den Sittenwächtern an und legte am Dienstag in einem gemeinsamen Statement mit Schatzmeister Stephan Osnabrügge nach. „Dr. Rainer Koch als Richter am Oberlandesgericht in einem Bezug mit der Person zu setzen, die wie niemand anderes dafür stand, den Unrechtsstaat des Dritten Reiches durch Pervertierung des Rechts zu stützen, ist nicht hinnehmbar und wird daher von uns auf Schärfste verurteilt.“ Man habe „großes Vertrauen darauf“, dass das Gremium mit der „Entscheidung die Glaubwürdigkeit des DFB wiederherstellen wird“.

Damit haben die beiden Funktionäre den Druck auf die Sittenwächter erhöht; klar, welche Absicht sie damit verfolgen: Eine größere Chance, den aktuellen Präsidenten loszuwerden, dürfte sich so schnell nicht wieder ergeben. (dpa/sid/hel)

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

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