Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Es glänzt golden: Florian Wellbrock mit Mesdaille.
+
Es glänzt golden: Florian Wellbrock mit Medaille.

Wie ein Fisch im 30 Grad warmen Wasser

Florian Wellbrock bei Olympia 2021: Im Freiwasser in einer eigenen Liga

  • VonMichael Wilkening
    schließen

Freiwasser-Olympiasieger Florian Wellbrock hängt bei Olympia 2021 über zehn Kilometer alle Konkurrenten weit ab - er gilt als größter Stilist der Langstreckenschwimmer.

Tokio – Als bei Olympia 2021 die deutsche Nationalhymne im Odaiba Marine Park erklang, verrichteten die sechs Männer, die die Flaggen der Medaillengewinner hissten, ihre Aufgabe mit einer bewundernswerten Präzision. Im Einklang und ohne sichtbare Hektik wurden das deutsche, das ungarische und das italienische Banner Stück für Stück hochgezogen. Es geschah nahe der Perfektion – und damit in gleicher Weise wie zuvor Florian Wellbrock durch das Wasser geglitten war. Die Flaggenhisser und der 23-jährige gebürtige Bremer hatten alles richtig gemacht. Es ist unklar, ob die sechs Männer später ein Lob oder eine andere Bestätigung einheimsten, der Deutsche hingegen wurde mit der Goldmedaille entlohnt.

„Das fühlt sich noch ein bisschen unwirklich an“, sagte der für den SC Magdeburg startende Wellbrock später. Jetzt ein „Olympic Champion“ zu sein, fühle sich aber in jedem Fall „unglaublich gut“ an. Der 23-Jährige ist spätestens seit zwei Jahren, als er 2019 Doppel-Weltmeister über 1500 Meter im Becken und zehn Kilometer im Freiwasser wurde, die Lichtgestalt und gleichzeitig der Hoffnungsträger des Deutschen Schwimmverbandes. Er hatte vor ein paar Tagen mit der Bronzemedaille über 1500 Meter dem zuletzt bei Olympischen Spielen chronisch erfolglosen Verband Edelmetall beschert, das Minimalziel war damit erreicht. Die Vorgabe an sich selbst erfüllte er aber erst im knapp 30 Grad warmen Wasser in der Bucht von Tokio. „Wenn man als Weltmeister anreist, will man auch gewinnen“, gab er zu, als die Medaille um seinen Hals baumelte.

Olympia 2021: Wellbrock beendet Durststrecke der deutschen Schwimmer

Seit 1988 hatte kein deutscher Mann im Schwimmen triumphiert, seit dem Sieg von Uwe Daßler für die DDR über 400 Meter Freistil dauerte die Durststrecke für den deutschen Schwimmsport an, Wellbrock beendete sich nach 33 Jahren. Der Deutsche gehörte zum Favoritenkreis von fünf oder sechs Athleten, alles andere als eine Medaille wäre eine große Enttäuschung gewesen, Gold war realistisch – unerwartet war die Dominanz, mit der er durchs Wasser glitt. Wellbrock gilt als größter Stilist der Langstreckenschwimmer, im olympischen Rennen war er von Beginn an auch der Schnellste.

„Hier bei dem warmen Wasser ist es richtig, wenn man seine Kräfte schont“, sagte der Goldmedaillengewinner und versicherte, er sei den Rundkurs in der Bucht von Tokio nicht außergewöhnlich schnell angegangen. Außergewöhnlich war hingegen, dass niemand seinem Tempo folgen konnte. Wellbrock wunderte sich: „Als ich um die erste Boje rum bin, dachte ich für mich: Hey Jungs, wollt ihr keinen Wettkampf schwimmen?“ Im Training an den Tagen vor dem Rennen hatte der Magdeburger für sich festgestellt, dass das Wasser warm, aber nicht so viel wärmer sei als im Becken. Daraus leitete er ab, dass er vorsichtig, aber nicht ängstlich ans Werk gehen würde.

Wellbrocks Leistung bereitet Konkurrenz bei Olympia 2021 schmerzen

Mit dieser Marschroute war er allen Konkurrenten voraus. Fünf Runden lang zog er einen kleinen Pulk von fünf Schwimmern hinter sich her, ehe er auf der vorletzten Schleife das Tempo erhöhte und davonzog. Der lange Schlussspurt auf den finalen 600 Metern raubte Wellbrock viel Kraft, sorgte aber gleichzeitig für einen Vorsprung von beeindruckenden 25 Sekunden auf den Ungarn Kristof Rasovsky und Gregorio Paltrinieri aus Italien. Das ist selbst auf dieser langen Distanz ungewöhnlich. Bei seinem WM-Erfolg 2019 hatte Wellbrock am Ende zwei Zehntel Vorsprung, bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro waren die ersten sieben nur vier Sekunden voneinander getrennt. In Tokio war alles anders: Der Deutsche schwamm im wichtigsten Rennen seiner bisherigen Karriere in einer eigenen Liga.

Wellbrock ist gerade 23 Jahre alt, aber schon in der Lage, die Hoffnungen eines ganzen Verbandes zu schultern. Er hätte bei seinen ersten Olympischen Spielen sinnbildlich untergehen können, doch es gelang ihm, den Ärger aus den Rennen im Becken in Energie für den finalen Wettkampf von Tokio umzuwandeln. „Ich hatte tatsächlich etwas Frust nach den Poolwettkämpfen“, räumte er ein. Eine Medaille sprang über 1500 Meter heraus, über 800 Meter schlug er als Vierter an. Wellbrock war jeweils auf der letzten 50 Meter kurzen Bahn von den Konkurrenten abgehängt worden. Die Gefahr bestand im Freiwasser nicht, weil er sie alle schon weit vor dem Zielspurt abgehängt hatte, er war ihnen im Wasser entflogen.

Paltrinieri lief etwas vor Wellbrock erschöpft in Richtung des Schattens, der zumindest etwas Kühlung versprach. Der Italiener, der Wellbrock über 800 Meter mit einem famosen Schlussspurt geschlagen, Silber gewonnen und den Deutschen auf den vierten Rang durchgereicht hatte, wurde gefragt, wie heiß es im Wasser gewesen sei. Paltrinieri, um dessen Hals die Bronzemedaille baumelte, antworte: „Es war heiß, aber das war nicht mein größtes Problem.“ Wellbrock, der in einer anderen Liga schwamm, hatte ihm größere Schmerzen bereitet. (Michael Wilkening)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare