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In die Enge getrieben

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Von: Günter Klein

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Regelrecht plattgemacht wurden die deutschen Eishockeyspieler von der Slowakei.
Regelrecht plattgemacht wurden die deutschen Eishockeyspieler von der Slowakei. © imago images/Xinhua

Das so ambitionierte deutsche Team scheitert kläglich noch vor dem Viertelfinale / Söderholm-Team kam nie mit den NHL-Maßen der Eisfläche zu Recht / Führungsfiguren fehlten

Gut eine Stunde war das Spiel vorbei, das 0:4 (0:1, 0:2, 0:1) gegen die Slowakei, welches das Olympia-Aus in der Viertelfinal-Qualifikation besiegelte, als der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) sich veranlasst sah, die enttäuschte Fangemeinde um verbale Mäßigung zu ersuchen. Der DEB twitterte: „Wir bitten euch, in den Kommentaren auf die allgemeinen Regeln in Sachen Respekt und Ton zu achten. Persönliche Beleidigungen und Diffamierungen haben auch in einer so schwierigen Stunde nichts zu suchen.“

Beim Verband und der Mannschaft hatte niemand damit gerechnet, dass das Turnier in Peking so früh enden und die Spieler im Sturm der Kritik stehen würden. Die kecken Prognosen flogen den Beteiligten aber nun um die Ohren. „War klar, dass das kommt“, sagte Kapitän Moritz Müller am ZDF-Mikrofon zur Frage nach der von der Mannschaft hochgeschraubten Erwartungshaltung. Und verteidigte die Prognosen, man könne um den Olympiasieg spielen: „Es ist nicht falsch, Träume zu haben.“ Korbinian Holzer kommentierte: „Wenn man auf die Schnauze fällt, heißt das nicht, dass man vorher eine große Klappe hatte.“

Doch woran lag es nun, dass die deutsche Mannschaft, Weltranglisten-Fünfter und für ihren Zusammenhalt bewunderter Weltmeisterschafts-Vierter von 2021, drei ihrer vier Spiele in Peking verlor und gegen die Slowaken „ohne Chance“ (Stürmer Tom Kühnhackl) war? Moritz Müller kam ein weiteres Mal auf die kleine Eisfläche zu sprechen, 26 statt der gewohnten 30 Meter breit: „Wir haben uns auf ihr nie wohlgefühlt. Wir standen immer auf den Fersen, haben nur reagiert statt agiert, konnten nie ein Momentum für uns aufbauen. Das war dann auch psychologisch schwierig.“ Deutschland kam gegen die Slowaken zu kärglichen 21 Schüssen.

Der Mannschaft fehlte ein Aufbau-Manager unter den Verteidigern, wie es Ex-NHL-Star Christian Ehrhoff beim Olympiasilber 2018 oder das Ausnahmetalent Moritz Seider bei der WM vergangenes Frühjahr war. Im Rückblick deutete sich bereits in den ersten zehn Minuten des Auftaktspiels gegen Kanada mit einem 0:3-Rückstand (Endstand 1:5) die Problematik des Turniers an. Verwunderlich ist die Überforderung durch die nordamerikanischen Eismaße dennoch: Tom Kühnhackl, Tobias Rieder und Dominik Kahun haben bis vor einem Jahr auf solchen Flächen gespielt, Holzer, den Münchnern Konrad Abeltshauser, Yasin Ehliz und Frederik Tiffels, dem Berliner Marcel Noebels und dem Mannheimer David Wolf, der sich am Schluss mit einer Tätlichkeit disqualifizierte, sollten sie aus teils längeren Aufenthalten in Nordamerika vertraut sein. Und warum hielt der DEB das als so wichtig erachtete Olympia-Trainingslager in Mannheim und nicht in Schwenningen ab, wo es eine Eisfläche im Peking-Format gegeben hätte?

Was macht Söderholm?

Söderholm muss sich vorhalten lassen, bei seiner Nominierung zu sehr auf Meriten und vorangegangene Erfolge geachtet zu haben – und nicht auf die Form in der laufenden DEL-Saison. Auch wurden Spieler mit gerade erst bewältigten Corona-Infektionen mitgenommen.

Dennoch ist der Bundestrainer unangefochten – und bei den Spielern beliebt. Gleichwohl stehen die Zeichen nach der WM 2022 zum Ende seiner dreieinhalbjährigen Amtszeit auf Trennung. Söderholm träumt von der NHL, vielleicht wird es auch (ein paar Nummern kleiner) Mannheim. Im DEB herrscht massiver Unfriede, seit Söderholms Mentor Stefan Schaidnagel (war Sportdirektor mit Generalverantwortung) vor gut einem Jahr entlassen wurde.

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