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Ausflüge an die Pyramiden wird es diesmal nicht geben: die deutschen Handball-Nationalspieler Schwarzer, Kretzschmar und Baur (v. l. n. r.) während der WM 1999 in Ägypten.
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Ausflüge an die Pyramiden wird es diesmal nicht geben: die deutschen Handball-Nationalspieler Schwarzer, Kretzschmar und Baur (v. l. n. r.) während der WM 1999 in Ägypten.

Countdown

In der roten Zone

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Absagen von Spielern, Kritik aus der Bundesliga, Beschwichtigung aus dem deutschen Lager: Das Hygienekonzept der Handball-WM in Ägypten sorgt für eine hitzige und kontroverse Debatte.

Im Grunde fehlt nur noch eine hell leuchtende und laut schrillende Sirene, die immer dann anspringt, wenn es einer doch wirklich wagen würde heimlich auszubüxen. Nicht aus einem Gefängnis, nein, ganz ohne Gitterstäbe, versteht sich, aber zumindest so etwas in der Art. Ein Ort mit klaren Regeln, die nicht verletzt werden dürfen, eine rote Zone. So nennt die Internationale Handballföderation (IHF) jenen Teil des Hygienekonzepts für die am 13. Januar beginnende Weltmeisterschaft in Ägypten, die den Protagonisten vorschreibt, wohin sie gehen dürfen und wohin nicht. Kurz zusammengefasst: Sie dürfen quasi nirgendwo hingehen.

Ob Spieler, Trainer, Teambetreuer, Verbandsfunktionäre, sie alle müssen sich während des zweieinhalbwöchigen Turniers in sogenannten Blasen aufhalten. Heißt: Im Kreise der eigenen Mannschaft, in den jeweiligen Teamhotels, in den Hallen von Alexandria, Gizeh und Kairo – sonst an fast keinem anderen Ort. Wer die rote Zone einmal verlässt, und sei es nur für einen unerlaubten Spaziergang, kommt so einfach nicht wieder rein. Dazu kommt: Auch das Hallenpersonal, die Hotelbediensteten oder die vergleichsweise wenigen Reporter müssen in ebendiesen abgeschotteten Grüppchen leben und arbeiten. PCR-Tests mindestens alle 72 Stunden runden das Hygienekonzept ab. Von der IHF hieß es im November bei der Vorstellung ihrer Ideen, dass der „Transfer von Bubble zu Bubble“, also zwischen den Spielorten, möglich und sicher sei, solange die „sehr strengen“ Regeln eingehalten würden.

Sicher oder nicht? Darüber ist seit Wochen und Monaten in der Handballwelt eine hitzig geführte Debatte entbrannt, die sich, je näher das bisher größte WM-Turnier aller Zeiten mit 32 teilnehmenden Teams rückt, ihrem Höhepunkt nähert: Da sind einzelne Spieler, die freiwillig auf die Reise nach Nordostafrika verzichten – wie etwa jene drei deutschen Topleute Steffen Weinhold, Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek, obwohl sie vor wenigen Tagen erst mit ihrem Klub, dem THW Kiel, die Champions League gewannen. Die eigene Gesundheit und vor allem die der Familien stünden im Vordergrund, heißt es. Da sind Corona-Fälle wie jene das Trainerteam Tschechiens betreffend.

Fans dürfen in die Hallen

Und da ist natürlich der Weltverband, angeführt von seinem äußerst streitbaren Präsidenten Hassan Moustafa, 76, Ägypter, der sich mit dem Megaturnier im eigenen Land einen persönlichen Traum erfüllen will, für den eine Verschiebung oder gar Absage im 21. Jahr seines Chefdaseins im Welthandball nicht infrage kam. Da sind die Klubbosse der Bundesligisten, die teils harte Kritik üben, vor allem daran, die ägyptischen Hallen zu 20 Prozent mit Publikum zu füllen, während hierzulande zwar auch wochenlang sehnlichst um die Zulassung von Fans gebettelt wurde, sie aber in Lockdown-Wochen daheimbleiben müssen. Und zu guter Letzt sind da auch die Spitzenfunktionäre des deutschen Handballverbandes (DHB), die widersprechen und gar die eigenen Spieler in den Senkel stellen.

So sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann in der „Sportbild“, Deutschland sei „wahrscheinlich die sensibelste Handballnation der Welt. Wenn ich sehe, dass in Kiel die Deutschen nicht fliegen, die Dänen, Kroaten und Slowenen aber sehr wohl, ist es vielleicht auch in den Personen begründet.“ Eine Diskussion darüber sei zwar „am Ende müßig, denn die Entscheidungen sind getroffen“, so Michelmann. Und weiter: „Wir haben es den Spielern ja freigestellt, sich zu entscheiden. Das haben sie auch getan. Ich kann ihre Beweggründe verstehen. Ich werde sie deshalb auch nicht denunzieren.“ Ein bisschen freilich hat er es halt doch getan, zumal der 61-jährige Boss ergänzte: „Es gebührt den Spielern Respekt, die hinfliegen.“

DHB-Vize Bob Hanning, ein stets meinungsstarker Mann, reagierte derweil mit Unverständnis auf die Kritik aus der Bundesliga. „Ich weiß nicht, woher wir die Arroganz nehmen, dass wir das alles besser können als andere Länder. Damit tue ich mich sehr schwer“, sagte Hanning dem rbb. Zuvor hatte Carsten Bissel, Aufsichtsratschef beim HC Erlangen, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ scharfe Worte gewählt. „Die angebliche Blase in Kairo ist ein Witz“, findet Bissel: „Die angeblichen Hygienekonzepte spotten jeder Beschreibung.“

An Hanning prallt diese Kritik ab, behauptet er zumindest: „Ich finde das sehr hart, so etwas ständig zu behaupten. Wenn wir uns angucken, wer sich bei den Qualifikationsspielen, die stattgefunden haben, infiziert hat: Es waren wir Deutschen, die alles immer so gut können. Daher glaube ich, dass etwas mehr Fairness angebracht wäre“, sagte der DHB-Vizepräsident.

Bissel hatte zudem auf die zugelassenen Fans verwiesen und dies als „Wahnsinn“ bezeichnet. Für Hanning wirkt das Argument jedoch ein Stück weit heuchlerisch: „Nehmen wir uns als Vereine: Wir wollen unbedingt mit Zuschauern spielen“, sagte er: „Also das, was wir wünschen und morgen machen würden, wenn wir dürften, wollen wir den anderen verwehren, die es dürfen. Wir sollten immer wieder schauen, worüber wir reden, und nicht Dinge opportunistisch vertreten.“

Alarmstufe Rot im Welthandball – und das, obwohl die rote Zone erst in ein paar Tagen betreten wird. (mit sid)

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