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Wollen nur spielen: Kickende Kinder.
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Wollen nur spielen: Kickende Kinder.

Fußball macht Druck

Im Wartezimmer der Politik

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Die DFB-Spitzen Fritz Keller und Rainer Koch drängen lautstark auf die Rückkehr des Amateurfußballs. An einer Verbandsumfrage haben mehr als 100 000 Menschen teilgenommen.

So viel Einigkeit hat es in Corona-Zeiten auf oberster Ebene beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zuletzt selten gegeben: Fritz Keller und Rainer Koch, Präsident und Vizepräsident, lagen in der Vergangenheit bei vielen Themen über Kreuz, doch die Forderung des Amateurlagers nach einer Rückkehr auf die Sportplätze hat die Herren wieder zusammengeführt. „Die Sehnsucht nach dem Fußball, nach den Vereinen, nach dem gesellschaftlichen Leben ist riesig. Der organisierte Fußball kann zur Normalisierung beitragen, denn das Infektionsrisiko während des Spiels ist sehr, sehr gering“, versicherte Keller.

Spätestens wenn die Außengastronomie wieder öffnet, so der preisgekrönte Winzer vom Kaiserstuhl, sollte auch wieder Publikum zu Amateurspielen zugelassen werden. Keller bezifferte „100, 200 Menschen“, die sich problemlos mit Abstand auf jedem Dorfsportplatz verteilen ließen. Der Verbandschef will die ersten zaghaften Lockerungen für den Trainingsbetrieb mit der Strategie der umfassenden Selbst- und Schnelltests verbinden – die aber „nicht der Fußball bezahlen“ könne.

DFB-Vize Rainer Koch ist der Anwalt der Amateure

Noch lautstärker trat in der 90-minütigen virtuellen Pressekonferenz der mächtige Präsidiumskollege Koch auf. „Die Basis des Fußballs ist gezeichnet von der Corona-Krise. Aus Kratzer werden Wunden. Wir sind nicht auf der Intensivstation, aber wir brauchen Fürsorge, Behandlung und Unterstützung. Wir sind im Wartezimmer der Politik – und der Zustand verschlechtert sich jede Woche“, mahnte der Amateurvertreter markig.

Die jedes Wochenende organisierten 40 Profispiele würden ja verdecken, dass parallel 70 000 Amateurspiele nicht stattfinden – 2020 fielen rund 950 000 Partien der Pandemie zum Opfer. Durch die bisherigen Öffnungsschritte ist erstmal nur Training möglich. Spiele wären ab dem 22. März bei einem Inzidenzwert von unter 50 drin – aber danach sieht es größtenteils nicht aus.

Ein rollender Ball, zeigte sich Koch überzeugt, könne wieder Ordnung in die ungeduldige Gesellschaft bringen. „Was ist uns lieber? Dass die Jungs und Mädchen in Obhut ausgebildeter Trainer Fußball spielen oder ohne Aufsicht Partys in Parks feiern?“ Der Münchener Jurist intonierte plakativ: „Die Menschen wollen nicht länger eingesperrt sein!“ Um nicht falsch verstanden zu werden, stellte er aber gleich klar: „Wir sind keine Corona-Leugner, und wir fordern nicht die Aufhebung aller Maßnahmen, aber wir können junge Menschen von Massenansammlungen abhalten.“

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Offenen Brief bekommen

Dass der Mangel an Bewegung und sozialen Kontakten im zweiten Lockdown nachweislich dazu beigetragen hat, dass über 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen mittlerweile psychische Auffälligkeiten haben, schrieben die DFB-Funktionäre kürzlich in einem Offenen Brief auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Grummeln bei den 24 500 Vereinen konnte auch eh niemand mehr überhören – erst recht nicht die lange in den eigenen Grabenkämpfen verstrickten Keller und Koch.

Fritz Keller sagt: Die Fußballer können sich an Regeln halten

Gespeist wurde der selbstbewusste Auftritt der Frontmänner durch eine Online-Befragung des DFB, an der sich im vergangenen Monat 101 700 Mitglieder beteiligten, darunter waren 17 309 weiblich. Die überwiegende Zahl waren Spieler (40 Prozent) und Trainer (20 Prozent), aber auch Eltern und im Vereinsmitarbeiter (je 14 Prozent), Zuschauer (sieben Prozent) und Schiedsrichter (fünf Prozent). Eine gewaltige Resonanz, die vor allem eines belegt: wie sehr das Sportverbot die Bevölkerung beschäftigt hat. Für Koch ist der Amateursport jetzt „kein pandemisches Problem, sondern Teil der Lösung“.

98 Prozent der Befragten vermissen demnach den Amateurfußball – und das beileibe nicht nur wegen des Fußballspielens. Noch häufiger wird das fehlende Gemeinschaftsgefühl genannt. Fußball ist eben auch mit Geselligkeit verknüpft. So lauert zugleich die größte Ansteckungsgefahr nicht auf dem Platz, sondern beim Treffpunkt, beim Umziehen oder im Beisammensein. Keller machte in diesem Zusammenhang deutlich: „Wenn die Zahlen steigen, haben wir die Füße still zu halten.“ Aus seiner Sicht hätten Fußballer aber generell gelernt, „sich an Regeln zu halten“ – daher ist die Bitte an die Politik auch so eindringlich formuliert.

Die Corona-Krise hat auch finanzielle Auswirkungen

Zwei Drittel der Mitglieder sagen, dass es zuerst einmal der Umsetzung eines Hygienekonzepts durch den Verein bedarf. 61 Prozent befürworten einen festen Stufenplan, wann Trainings- und Spielbetrieb erlaubt werden.

Auch finanziell hat die Corona-Krise durchgeschlagen: Rund die Hälfte der Vereinsmitarbeiter und Trainer schildern eine „spürbare finanzielle Belastung“, aber nur elf Prozent sehen eine „existenzbedrohende“ Lage. Und eines gibt Hoffnung: 94 Prozent der Befragten wollen nach dem Ende des Lockdowns zum Fußball zurückkehren – wann auch immer das im Land der schleppenden Impfungen sein wird.

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