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Droht seine Karriere wegzuwerfen: Joshiko Saibou.

Basketball

Im Selbstzerstörungsmodus

Joshiko Saibou wird von Basketball-Bundesligist Bonn rausgeworfen, weil er gegen Corona-Maßnahmen demonstriert hat. Beide Seiten erheben nun schwere Vorwürfe.

Joshiko Saibou hält seine fristlose Kündigung für „totalitär“ und einen „Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit“ – doch Basketball-Bundesligist Baskets Bonn steht weiterhin fest zu seiner Entscheidung. Der Klub erhärtete am Mittwoch sogar die Vorwürfe, und so läuft alles auf eine gerichtliche Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht hinaus.

„Wir wissen, dass wir keine guten Karten haben, da mit einer Null rauszugehen. Es läuft wahrscheinlich auf einen Vergleich hinaus“, sagte Klubpräsident Wolfgang Wiedlich: „Aber das ist uns allemal lieber, als dass unser Mini-Raumschiff in die Luft fliegt.“

Die Bonner hatten sich am Dienstag nach Saibous Teilnahme an einer Großdemonstration gegen die Anti-Coronamaßnahmen vom 30-Jährigen getrennt. Der Point Guard stelle „ein permanentes Infektionsrisiko“ dar.

Saibou wehrte sich auf Instagram zumindest verbal gegen seine Entlassung, die zu weit führe: „Ich bin Basketballer, aber in erster Linie bin ich Mensch.“ Seine Freundin Alexandra Wester kritisierte, Vereine würden „ihre Sportler wie Puppen behandeln“, dabei gehe es hier „um Meinungsfreiheit“.

Doch auf diese Diskussion lässt sich der Klub nicht ein. „Ich habe nichts gegen kontroverse Diskussionen zu diesem Thema, aber Joshiko Saibou gefährdet fahrlässig unsere Existenzgrundlage“, sagte Sportmanager Michael Wichterich. Ein Überleben des Klubs könne es derzeit nur geben, „wenn wir ein wasserdichtes Hygienekonzept präsentieren und auch erfüllen – und das ist mit Joshiko Saibou nicht zu machen.“

Klubpräsident Wiedlich ergänzte, Saibou sei „kein Gelegenheitsleugner“. Man wolle mit den Hygienemaßnahmen „einen Schutzwall gegen Corona“ aufbauen, „da kann es keinen geben, der sagt: ‚Pass auf, das Virus gibt es gar nicht‘.“

Ihn als Gefahr für den Verein darzustellen, sei „haltlos“, verteidigte sich Saibou. Zumal „seit Monaten kein Teamtraining“ stattgefunden hätte und auch in der nächsten Zeit nicht anstehe. Allerdings zeigte ein am Montag auf Instagram gepostetes Video, wie Saibou gemeinsam mit Nationalmannschaftskollege Maodo Lo in einem Fitnessstudio trainiert – ohne Maskenschutz und mit wenig Abstand.

Der Deutsche Basketball-Bund (DBB) hatte in seiner ersten Reaktion auf eine Sanktion verzichtet. Man distanziere sich zwar von den polarisierenden Aussagen des Profis, „wir akzeptieren aber auch, dass unser Nationalspieler eine andere Meinung hat“, teilte DBB-Präsident Ingo Weiss mit.

Schon im Mai hatten Saibou und vor allem seine Freundin, die Weitspringerin Alexandra Wester, 26, mit Einlassungen zur Coronakrise in den Sozialen Netzwerken polarisiert. In einem mehr als 70 000 Mal aufgerufenen, Ende April auf Instagram veröffentlichten Video beklagt Wester, durch die Coronavirus-Maßnahmen ihrer Freiheit beraubt zu werden. Sie spricht von einem Impfzwang für die Bevölkerung oder von Ärzten und Anwälte, die die Menschenrechte verteidigen und dafür in Gefängnispsychiatrien eingesperrt würden.

In einem anderen Eintrag hatte Wester zudem behauptet, dass der Großteil der Welt von einer „Horrordroge“ (Adrenochrom) und von „Perversionen des Verstandes“ bestimmt werde. Darüber hinaus nahm sie Bezug zum Verschwörungsmythos Pizzagate. „Pizzagate“ ist eine kolportierte Geschichte, nach der in einer Pizzeria in Washington Kinder als Sklaven gehalten werden. Bankiers, Politiker und Hollywood-Stars hätten dabei ihre Finger im Spiel. „Adrenochrom“ wird als Verjüngungsserum angesehen, das den Behauptungen zufolge von in Höhlen gefangenen Kindern abgezapft werde. Der Deutsche Leichtathletikverband (DLV) hatte sich damals deutlich von diesen Verschwörungstheorien distanziert und ein Gespräch mit Wester angekündigt. (sid/FR)

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