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Muss viel Kritik einstecken dieser Tage: IOC-Präsident Thomas Bach.
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Muss viel Kritik einstecken dieser Tage: IOC-Präsident Thomas Bach.

Kommentar

Im Auge des Corona-Sturms

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Das IOC hält an der Austragung der Sommerspiele in Tokio fest. Die Uefa will die Fußball-EM weiterhin in zwölf Ländern austragen. Das ist seltsam. Und doch nachvollziehbar. Ein Kommentar.

Thomas Bach muss sich dieser Tage vorkommen wie einst als aktiver Florettfechter in Tauberbischofsheim. Von allen Seiten wird der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees mit angeblich bereits hieb- und stichfesten Argumenten attackiert, die auf diesen Sommer verschobenen Sommerspiele in Tokio abzusagen. Dafür sammelt sich ein Konglomerat an Gründen, die Bach in die Enge treiben: Wettkämpfe mit 11 000 Aktiven, angereist aus der ganzen Welt, verteilt auf unterschiedlichste Wettkampforte, aber untergebracht in einem einzigen Olympischen Dorf. Und das alles im Großraum Tokio, wo gerade der Corona-Notstand herrscht: Wie soll das gehen? Das fragt sich auch die japanische Bevölkerung, die laut Umfragen die Austragung mehrheitlich ablehnt. Vielleicht, weil sie von dieser Pandemie nur noch genervt ist.

Bach hat knapp ein halbes Jahr vor der Eröffnungsfeier beteuert, dass es nicht unverantwortlich sei, an der Austragung festzuhalten. Das ist deshalb noch nicht völlig verwerflich, weil viele Olympioniken nur diesen einen Höhepunkt haben, auf den sie bereits ein zusätzliches Jahr als einst angedacht hintrainieren. Viele von ihnen sind von idealistischen Werten angetrieben, vielen ermöglicht erst das sportliche Tun im Zeichen der Ringe, den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Ein Kanute oder Judoka, ein Ringer oder Ruderer schöpft keine Reichtümer ab. Das Gros der an Olympischen Spielen teilnehmenden Akteure führt ein bescheidenes Dasein. Deshalb ist es ein solidarisches Zeichen an solche Athleten im Amateurstatus, ein halbes Jahr vorher keine übereilte Absage zu treffen. Einerseits. Andererseits rückt der Zeitpunkt näher, an dem Entscheidungen getroffen werden müssen; Wenn Qualifikationswettkämpfe reihenweise der Pandemie zum Opfer fallen, muss sich auch der IOC-Chef den Realitäten stellen. Er sollte dann nicht so lange zögern und zaudern wie 2020.

Die Uefa hat es einfacher

Im Auge desselben Corona-Sturms steht auch der Uefa-Boss Aleksander Ceferin. Die Dachorganisation des europäischen Fußballs kämpft genau wie das IOC um ihr milliardenschweres Filetstück: die im selben Vier-Jahres-Rhythmus aufgeführte Europameisterschaft. Inzwischen auf 24 Teilnehmer aufgebläht und ausgerechnet jetzt mit einer paneuropäischen Idee überwölbt: Spiele in zwölf Ländern zwischen Baku, Bilbao und Bukarest, um das Turnier mal in Regionen zu tragen, in denen es sonst eher nicht veranstaltet worden wäre. Dass sich diese Variante nicht mit einem Virus verträgt, das tückische Mutanten entwickelt, versteht sich von selbst. Gleichwohl hat die Uefa nun festgehalten, sich dieser Idee weiter verpflichtet zu fühlen.

Wer reflexartig den Slowenen Ceferin für eine realitätsfremde Haltung rügt, sollte bedenken: Die Uefa lässt sich die Hintertür offen, das Format noch flexibel anzupassen. Notfalls wird halt doch nur in einem Land (Russland?) gespielt, wenn es nicht anders geht. Und man wird erst im April und nicht schon im März entscheiden, ob Zuschauer zugelassen werden können. Hier leidet die Uefa erkennbar unter dem Impfversagen in der EU, das auch die deutsche Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mitzuverantworten hat. Fatale Versäumnisse bei der Bestellung und Umsetzung färben auf das größte Sportereignis ab, weil europaweit auch im Juni und Juli noch lange kein ausreichender Schutz durchs Impfen besteht. Mögliche Ausnahme: Großbritannien, wo mit dem Spielort London ja Halbfinals und Finals vorgesehen sind.

Eines wird die Schlafmützigkeit der EU-Behörden allerdings nicht verhindern: Anders als bei den Olympischen Spielen ist davon auszugehen, dass für die Fußball-EM irgendwo eine Blase mit funktionierenden Schutzkonzepten errichtet wird. Nur wird der Europameister vermutlich vor leeren Rängen gekrönt und zuvor auch keine Tingeltour durch ganz Europa unternommen haben. So zeichnet es sich jedenfalls ab. Völlig unklar ist hingegen, ob kurz danach die Olympischen Spiele beginnen können.

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