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Greift an: Ramona Hofmeister.
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Greift an: Ramona Hofmeister.

Snowboarden

Im Angriffsmodus

  • vonUlli Kellner
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Snowboarderin Ramona Hofmeister ist gut drauf und bewegt sich am Limit – Corona nervt sich aber gewaltig.

Im ersten Moment klingt es wie ein kleiner Wintertraum. Ramona Hofmeister sitzt auf dem Fahrrad-Ergometer, während sie in frischer Bergluft telefoniert. Der Ausblick von ihrem Balkon, den sie schildert, sorgt für alpines Fernweh am anderen Ende der Leitung. „Hier liegen dreieinhalb Meter Schnee“, berichtet die Snowboarderin, schickt ein Beweisfoto hinterher, auf dem die weiße Masse einen tapfer schaufelnden Mann überragt. Beeindruckend! Doch dann kommt die Sprache auf den morgigen Weltcupstart – und schlagartig wirkt die sonst so coole Racerin nachdenklich: „Ich muss schon sagen, dass ich mit ziemlich gemischten Gefühlen angereist bin.“

Dem Lockdown in der bayerischen Heimat zu entfliehen, um sich in den Dolomiten mit den weltbesten Snowboardern zu messen – eigentlich eine schöne Sache. Deutlich weniger schön klingt es, wenn Ramona Hofmeister die Begleitumstände schildert. Das fängt schon damit an, dass alle Weltcupstarter ein lückenloses Protokoll der vergangenen 14 Tage bei der FIS einreichen müssen (Aufenthaltsort, Gesundheitszustand). An die Schnelltests vor der Abreise hat sie sich fast schon gewöhnt. Schwierig wird es aber, wenn sie sich vorstellt, wie es vor einem Jahr gewesen ist: Flutlicht, Fans an der Piste, ein warmes Albergo für die Wartezeit zwischen Quali und Finale. Und wenn sie sich dann ausmalt, wie es wohl morgen sein wird, beim ersten Weltcup des Corona-Winters 2020/21. Hofmeister sagt: „Ich kann mir den Ablauf noch gar nicht so richtig vorstellen. Es ist halt alles anders dieses Jahr. Vielleicht ist es das, was bei mir die gemischten Gefühle auslöst.“

Verständlich auch vor dem Hintergrund, dass sie selber im November einen unfreiwilligen Beitrag zur Infiziertenstatistik „geleistet“ hat. Angesteckt hatte sich Hofmeister bei Selina Jörg, 32, ihrer Zimmerkollegin. Wie die Weltmeisterin, so berichtet auch die Olympia-Dritte von einem anfänglichen Schock, als das positive Testergebnis vorlag. Die folgenden Tage schildert sie so: „Sehr starker Kopfschmerz am ersten Tag, am zweiten kam der Husten dazu, am dritten die Gliederschmerzen – und ab dem vierten Tag ging’s wieder.“

Ihr Fazit: „Es kam schnell, ging schnell. Ich würd’s eher wie eine Erkältung beschreiben.“ Bloß, dass Covid-19 eben eine 14-tägige Quarantäne nach sich zog. „Weil ich eh gerade umgezogen war (von Bischofswiesen nach Bad Reichenhall); Anm. d. Red.), hatte ich zum Glück genug zu tun in meiner neuen Wohnung.“

Gefragt, wie genervt sie vom Thema Corona ist, muss sie nicht lange nachdenken. „Auf einer Skala von 1 bis 10? Dann 130“, schießt es aus ihr heraus und bezieht das auch auf den Torso von Saison, der vor ihr und dem ganzen Snowboard-Zirkus liegt. WM in China: abgesagt. Ebenso die Weltcups in Bad Gastein, Piancavallo und Winterberg. Und keiner kann sagen, ob nicht bald noch mehr Absagen dazukommen. „Diese Ungewissheit, die nervt halt“, sagt Hofmeister.

Cortina morgen soll aber stattfinden. Und sportlich, so viel steht fest, besteht für die 24-Jährige kein Grund, sich unsicher zu fühlen. Zum einen geht Hofmeister als Titelverteidigerin an den Start (2019 siegte sie vor Selina Jörg). Es ist auch nicht lange her, da hat sie ihre riesige Trophäe für den Gewinn des Gesamtweltcups daheim in ihrer neuen Wohnung ausgestellt hat. Außerdem, so berichten es Augenzeugen bei Snowboard Germany, habe die rasante Ramona noch einmal einen gewaltigen Schub gemacht. Es reicht ihr jetzt nicht nur, in den Finalläufen allen davon zu karven (wie letzte Saison bei insgesamt sechs Siegen), sie hat jetzt auch im Training ihre Zurückhaltung abgelegt – die „unabsichtliche“ Zurückhaltung, wie sie betont. Gibt’s dafür eine Erklärung? „Ist natürlich ein Geheimnis“, sagt sie und lächelt: „Nein, im Ernst, ich denke, dass es an Kleinigkeiten liegt – oder an meiner guten letzten Saison.“

Dass die neue Saison ähnlich gut wird, ist natürlich ihr Ziel. Und Corona hin, Unsicherheit her: Hofmeister wäre nicht ganz oben in der Weltspitze gelandet, wenn sie sich länger mit Zweifeln aufhalten würde. Am Ende des Telefonats schaltet sie doch noch in den Angriffsmodus. Ob sie als Topfavoritin in die Saison gehe? „Das würde ich auf jeden Fall sagen – aber nicht alleine. Da sind schon noch mehr da, alleine in unserer Mannschaft.“

Auch die multibegabte Olympiasiegerin Ester Ledecká habe sich für morgen angesagt. Trotzdem: „Ich bin fit, gut drauf und motiviert. Dadurch, dass die WM jetzt erst mal raus ist, ist der Gesamtweltcup noch wichtiger geworden.“

Bevor Hofmeister auflegt, um sich wieder ganz ihrem Ergometer-Workout zu widmen, gibt sie noch schnell ein paar Fitnessdaten durch: „Ich bin jetzt 45 Minuten geradelt – bei gleichbleibendem Puls.“ Ihr Atem ist in keiner Sekunde des Telefonats ins Japsen übergegangen. Der Weltcup kann beginnen.

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