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Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler.
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Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler.

Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler

„Ich war drei Minuten tot“

  • vonArmin Gibis
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Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler über seinen Herzinfarkt und den Weg zurück ins Leben: „Ich bin demütig geworden“.

Wolfgang Pichler, wie geht es Ihnen?

Ich kann nur sagen: gut. Ich hatte Riesenglück. Ich bin zurück.

Man hat sich große Sorgen um Sie gemacht. Wie schlimm stand es um Sie?

Ich war tot. Und dann im Koma.

Tot?

Ich war drei Minuten tot. Das sagen die Ärzte. Dann haben sie mich mit Reanimation zurück ins Leben gebracht. Die ersten drei Tage war ich im Koma. Mitbekommen habe ich davon nichts. Aber für meine Frau, meine Kinder und meine Brüder war’s halt brutal. In der Früh fahre ich mit dem Rad los, später steht plötzlich die Polizei vor der Tür und sagt zu meiner Frau: Wahrscheinlich ist Ihr Mann tot.

Zum Glück ist es gut ausgegangen. Wann ist Ihnen denn erstmals so richtig bewusst geworden, wie knapp das war?

Das dauerte etwa eine Woche. Als ich nach drei Tagen aus dem Koma erwacht bin, war es zunächst auch für mich hart.

Zur Person

Wolfgang Pichler ist in der Biathlon-Szene als temperamentvoller, unerschütterlicher Urbayer bekannt. Umso schockierender war Ende September die Nachricht, dass der Erfolgstrainer aus Ruhpolding bei einer Radtour einen lebensgefährlichen Herzinfarkt erlitt. Inzwischen treibt der 65-Jährige wieder Sport, geht in die Berge, und mischt auch im Biathlon wieder mit. (FR)

Haben Sie durch diese Grenzerfahrung einen anderen Blick aufs Leben bekommen?

Ich bin schon demütig geworden. Und zwar richtig demütig.

Inwiefern?

Mir ist klar geworden, dass ich enorm viel Glück hatte. Wenn mir das passiert, wenn ich allein unterwegs bin, dann ist’s vorbei. Wenn du so etwas überlebst, dann glaubst du an etwas, du wirst gläubig.

Machen Sie inzwischen wieder Sport?

Ja, ich mache fast alles. Ich fahre mit dem Rad, rudere, bin schon viereinhalb Stunden am Stück in die Berge gegangen. Und dann habe ich Chi Gong für mich entdeckt. Das ist so eine leichte asiatische Gymnastik. In der Kur habe ich damit angefangen. Es macht mir richtig Spaß. Und es bringt mir psychisch auch was. Ich muss es aber alleine machen, weil meine Frau, wenn sie mich bei den Chi-Gong-Übungen sieht, immer lachen muss.

Wird sich etwas in Ihrem Leben ändern?

Ich brauche zwar keinen Luxus, aber ich werde nicht mehr so sparen und sagen: Das ist für später. Ich hab’s ja gesehen: Wenn ich Pech gehabt hätte, dann wäre jetzt eh alles vorbei. Grundsätzlich werde ich nicht mehr sagen: Das mache ich später einmal. Sondern: Wenn ich etwas machen möchte, dann mache ich es jetzt.

Was wäre das zum Beispiel?

Ich setze mich mit meiner Frau ins Wohnmobil, und wir beide fahren dann los.

Werden Sie als Trainer oder Berater in den Biathlon-Sport zurückkehren?

Ich bin bereits voll am Arbeiten. Beim Biathlon-Weltverband IBU gehöre ich einer Gruppe an, die eine Akademie für Trainerausbildung aufbauen soll. Und dann habe ich weiterhin einen Direktorenposten im schwedischen Olympischen Komitee. Da bin ich für verschiedene Sportarten zuständig. Und bei den schwedischen Biathleten habe ich auch noch einen Beratervertrag.

Wann wird man Sie wieder an der Strecke sehen?

Man weiß ja gar nicht, wo man während der Corona-Krise hingehen könnte. Es sollen ja so wenig Leute zur Mannschaft wie möglich. Wenn wir den Sport aufrecht erhalten wollen, dann müssen alle miteinander Disziplin einhalten. Ich bin nicht so wichtig, dass ich zum Beispiel im Dezember zum Weltcup nach Hochfilzen müsste. Ich hoffe natürlich, dass sich das im nächsten Jahr wieder normalisiert. Für den Sport ist diese Situation eine Katastrophe. Aber so ist es halt. Das muss man durchstehen. Und wenn man so etwas gehabt hat wie ich, sieht man das ohnehin anders: Ich bin froh, dass ich den Lockdown überhaupt erlebe.

Interview: Armin Gibis

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