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„Ich mache mir selten einen Kopf“

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Von: Ulli Kellner

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Flink unterwegs: Ramona Hofmeister.
Flink unterwegs: Ramona Hofmeister. © imago images/Just Pictures

Snowboarderin Ramona Hofmeister will es in der Favoritenrolle lässig angehen lassen- sie startet bei Olympia gemeinsam mit zwei Kindergartenfreundinnen.

Frau Hofmeister, bis kurz vor dem Abflug nach Peking hielt sich Ihre Vorfreude auf Olympia in Grenzen. Hat sich das noch geändert?

Dass Peking nicht der perfekte Ort ist für Winterspiele, wissen wir alle – und natürlich hat man da gemischte Gefühle. Aber es ist sinnlos, sich jetzt noch darüber aufzuregen, dafür sind wir viel zu spät dran. Ich merke, dass die Vorfreude nicht so groß ist wie vor vier Jahren, aber im Endeffekt sind es die gleichen Spiele und die gleichen Medaillen, die vergeben werden. Wir sind Sportler und fahren für einen fairen, guten Wettkampf hin. Den Rest und die politischen Sachen versuchen wir auszublenden.

Fühlen Sie sich gerüstet, sportlich und mental?

Das auf jeden Fall. Grundsätzlich bin ich bis jetzt auch sehr zufrieden mit der Saison – bis auf zwei, drei Pechrennen. Aber: Wenn ich beim vorletzten Tor in der Qualifikation wegrutsche, brauche ich mir keine großen Vorwürfe zu machen. Das ist dann einfach unglücklich. Man kann nicht immer oben stehen. Ich weiß, was ich draufhabe.

Für Selbstzweifel sind Sie eh nicht bekannt.

Klar ist man nicht superhappy, wenn man auf Platz 15 oder 25 landet. Für den Kopf war das auch nicht ganz einfach. Es gab viele Fragezeichen bei den Videoanalysen, aber die waren dann auch schnell wieder weg, weil es ja nicht an meiner Form lag.

Spüren Sie nach dem Rücktritt von Selina Jörg, dass der Druck auf Sie noch größer geworden ist?

Sie fehlt mir, aber das mit dem Druck würde ich auf gar keinen Fall unterschreiben. Ich sehe das recht entspannt. Natürlich habe ich mir Ziele gesetzt, keine kleinen sogar. Aber im Endeffekt gehört auch ein bisschen Glück dazu. Wir haben nur einen Wettkampftag, da muss halt alles zusammenpassen. Und im Endeffekt klappt es dann – oder es klappt nicht.

Sie haben mehrfach betont, dass die Medaille diesmal auch gerne Gold sein darf. Warum haben Sie sich die Latte selber so hoch gelegt?

Ganz einfach, weil das nun mal meine ehrlichen Ziele sind. Da brauche ich ja niemandem etwas anderes zu erzählen. Ich hab in den letzten Jahren gezeigt, was ich drauf habe. Deswegen ist jetzt zwar ein schwieriges, aber kein unrealistisches Ziel, finde ich. Natürlich wäre es der größte Traum, als Olympiasiegerin aus Peking heimfahren zu dürfen. Aber vorher sind noch ein paar Hürden zu meistern.

Musste sich das Team neu finden, nachdem neben Selina Jörg auch Cheyenne Loch zurückgetreten ist?

Zur Person

Ramona Hofmeister ist eine der deutschen Goldhoffnungen. 2018 in Pyeongchang holte sie Bronze im Parallelriesenslalom (PGS) – diesmal könnte es für die zweimalige Gesamtweltcupsiegerin aus Bischofwiesen noch besser kommen. Die 25-Jährige kennt die Piste und hat beste Erinnerungen. Sie startet bei Olympia gemeinsam mit zwei Kindergartenfreundinnen. FR

Anfangs war es komisch. Das Team ist geschrumpft, wir sind weniger Mädels jetzt, aber wir haben das gut gemeistert. Ich bin ja trotzdem noch in Kontakt mit Selina, mache regelmäßig Facetime-Videos mit ihr. Da habe ich auch schon ihre kleine Tochter kennengelernt (lächelt).

Dafür sind Melanie Hochreiter und Carolin Langenhorst in Peking mit dabei. Stimmt es, dass Sie mit den beiden schon gemeinsam in den Kindergarten gegangen sind?

Ja, das stimmt. Wir kommen alle aus Bischofswiesen, alle drei aus dem gleichen Kindergarten – und haben uns jetzt gemeinsam für Peking qualifiziert. Für mich ist das etwas ganz Besonderes, denn wer hätte das vor 20 Jahren für möglich gehalten? (lacht)

Ihr Rennen ist am Dienstag – und bereits wenige Tage später ist Ihr Rückflug ...

... da bin ich auch sehr froh drüber. Ich möchte mich nicht unnötig in China aufhalten. Wobei: Wenn’s möglich ist, schaue ich mir natürlich andere Wettbewerbe an, zum Beispiel unsere Freestyler. Ich kann das aber alles noch schlecht einschätzen.

Liegt Ihnen der Hang in Peking?

2019 war ein Weltcup dort, den konnte ich gewinnen. Wenn er noch genauso ausschaut wie damals, ist es vielleicht ein gutes Omen.

Mal angenommen, es klappt mit dem angestrebten Gold – was würde das wohl für Sie und Ihr weiteres Leben bedeuten?

Puh, keine Ahnung. Ich plane nie so weit voraus, aber in meiner Vitrine wäre schon noch Platz für eine Goldmedaille (grinst).

Und wie hat sich die Sportlerin Ramona Hofmeister seit ihrem Bronzerennen vor vier Jahren verändert?

Schwierige Frage. Ich würde sagen, dass man mit jedem Rennen dazulernt. Ansonsten bin genauso am Boden geblieben, mache mir immer noch selten einen Kopf – und bin die gleiche lässige Ramona wie 2018.

Interview: Uli Kellner

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