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Lena Dürr: „Ich fahre einfach entspannter“

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Fühlt sich wohl im Stangenwald: Lena Dürr.
Fühlt sich wohl im Stangenwald: Lena Dürr. © dpa

Die in diesem Winter erstaunlich starke Deutsche Lena Dürr will beim olympischen Slalom „Gas geben“ und frei und ohne Druck Skifahren

Frau Dürr, drei dritte Plätze, nur zweimal nicht in den Top 10 in dieser Saison – waren Ihre Ziele vor der Saison auch so hoch?

Ich bin nicht so ein Platzierungstyp, der sagt, ich will diese oder jene Plätze erreichen. Sondern ich will schauen, dass ich gut Ski fahre und dass ich meine sieben Sachen beieinander habe. Die letzten Jahre fuhr ich da leider immer unter meinem Niveau und habe mich nicht so präsentiert, wie ich es gekonnt hätte. Deswegen ist bei mir das primäre Ziel, die Leistung im Rennen abzurufen, die ich im Training ja konstant bringe und dann kommt auch meistens ein gutes Ergebnis raus.

Gibt es einen Hauptgrund, warum es diese Saison Klick gemacht hat?

Mhh, eigentlich nicht. Es ist ja ein ständiger Prozess, man hört nie auf zu arbeiten. Im Konditionstraining im Sommer habe ich ein bisschen was umgestellt. Einen neuen Servicemann habe ich, mit dem es richtig Spaß macht und mit dem ich richtig gut zusammenarbeite und das Material passt auch super. Aber es ist nicht eine explizite Sache, sondern ich glaube, es passt einfach in vielen Bereichen zusammen.

Aber fühlt sich nach drei Stockerlplätzen etwas anders an als früher?

Vom Gefühl her stehe ich anders am Start als in Schladming zum Beispiel (11. Januar, letzter Slalom vor Olympia, Anm. d. Red.). Ich wüsste nicht, dass ich die letzten Jahre so viel Lust und Freude hatte, wo runterzufahren. Einfach diese Freiheit und Gewissheit zu haben, zu wissen, was zu tun ist. Das hat die letzten Jahre gefehlt.

Also vor allem Selbstbewusstsein?

Ja genau und das kommt eben über gute Trainings und über die Sicherheit, dass das Material wirklich auf die Bedingungen perfekt abgestimmt ist. Dann schaut es auch nicht so ein bisschen träge und verkrampft aus, sondern ich kann Gas geben und so frei Skifahren, wie ich es gerade tue.

Spielt die Saison 19/20, in der Sie nicht im Kader berücksichtigt wurden, auch noch eine Rolle in der Entwicklung?

Ja, also davon zehre ich immer noch, in dieser Zeit habe ich viel lernen können. Es war zwar zum damaligen Zeitpunkt sehr unverständlich für mich, wie das abgelaufen ist, aber im Nachhinein habe ich in diesen Monaten im Sommer 2019 wichtige Leute für mich kennengelernt und wichtige Dinge herausgefunden. Ich habe meine Skier selbst herrichten müssen, und da beschäftigst du dich nochmal anders mit dem ganzen Thema Material. Da denke ich schon immer noch daran zurück und zehre davon.

War die Entscheidung, trotzdem weiterzumachen, leicht?

Ja, das war mir von Anfang an klar. Von anderen Leuten lasse ich mir nicht so leicht ausbremsen. Für mich war es eher ein „jetzt erst recht“. Weil, wie gesagt, ich mich da selber vorbereiten musste - und deswegen ist es umso schöner zu zeigen: Hey, das war wohl zu Unrecht.

Mit welcher Einstellung gehen Sie an den Start? Egal wie es läuft, nehmen kann man Ihnen diese Saison nicht mehr...

...das stimmt. Ich fahre einfach entspannter hin. Ich muss sagen, ich habe noch mehr Vorfreude und noch mehr Lust zu starten als damals in Pyeongchang, weil einfach meine Ausgangslage eine bessere ist. Ich sehe das jetzt nicht als Druck oder Stress, irgendwas jetzt nochmal zeigen zu müssen, sondern es geht darum, das zeigen zu dürfen, was ich kann.

Wird es was bringen, dass Sie die Erfahrung Olympia vor vier Jahren schon einmal gemacht haben?

Ich glaube schon. Ich weiß was da drum rum passiert und dass alle Abläufe ein bisschen komplizierter sind. Auch wenn es jetzt mit Corona natürlich sehr streng ist, aber das sind wir ja von den Weltcups schon auch gewohnt. Das wird da drüben wahrscheinlich nochmal in einem anderen Maß ablaufen, aber damit müssen sowieso alle klarkommen.

Geht es vor allem darum, den Stress auszublenden?

Ich weiß gar nicht, ob es Stress ist, aber es ist eben definitiv nicht dieses klassische Olympiafeeling, das man kennt oder sich wünschen würde, um andere Sportarten anzuschauen oder irgendwas von Land und Leuten zu sehen, das auf jeden Fall nicht. Am Schluss sind wir da, um bestmöglich diesen Hang runterzufahren, deswegen stresst mich das Alles glaube ich gar nicht so sehr.

Zu den Medaillen: Gold und Silber scheinen vergeben, an Mikaele Shiffrin und Petra Vlhova, auch wenn vor allem Sie näher herangekommen sind an die beiden. Doch trotz der Dominanz der Seriensiegerinnen – haben Sie das Gefühl, dass das Feld insgesamt enger zusammen ist, in dieser Saison?

Auf jeden Fall. Wir sind zeitlich schon näher rangerückt an die beiden da vorne. Deswegen schauen wir mal, es wird interessant. Der Anschluss ist auf jeden Fall näher da. Trotzdem, was bewundernswert ist: Egal bei welchen Bedingungen, die beiden rufen konstant immer ihre Leistungen ab und deswegen sind sie so eine Bank und wahrscheinlich schwer zu knacken.

Interview: Thomas Jensen

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