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Schlag auf Schlag: Robin Krasniqi (rechts) will seine knappe Niederlage gegen Dominic Bösel rückwirkend neu bewerten lassen. imago images
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Schlag auf Schlag: Robin Krasniqi (rechts) will seine knappe Niederlage gegen Dominic Bösel rückwirkend neu bewerten lassen. imago images

IBO-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht

Boxkampf wird Boxkrieg: Eskalation in Runde 13

  • Günter Klein
    VonGünter Klein
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Dominic Bösel besiegt Robin Krasniqi – doch Tage danach artet der Boxkampf zum Boxkrieg aus.

Der Boxkampf um die IBO-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht fand am 9. Oktober statt, er ging über zwölf Runden. Es gab ein Urteil, zwei Punktrichter stimmten für den Herausforderer Dominic Bösel, einer für den somit entthronten Champion Robin Krasniqi. Danach im Ring: Großes Unverständnis beim Verlierer. Und in der Fachwelt abwägende Kommentare mit etwa diesem Tenor: Knappe Kiste, vielleicht eher für Krasniqi, weil er der aktivere Boxer war. Bösel sicher der Boxer, der Veranstalter Ulf Steinforth (SES Promotion) näher steht.

Die 13. Runde begann einige Tage danach: Das Krasniqi-Management gab bekannt, dass ein Sponsor eine Million Euro bereitstelle, um auf juristischem Weg gegen das Urteil anzugehen.

Die 14. Runde: Luan Dreshaj, der in Essen sitzende Manager von Krasniqi, verbreitet einen Screenshot aus einem WhatsApp-Chat von Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), der in Magdeburg als Supervisor agierte, der Einflussnahme belegen soll.

Boxkampf um die IBO-Weltmeisterschaft: Rechtsanwälte werden bemüht

15. Runde: Pütz bemüht seine Rechtsanwälte, um die Veröffentlichung seines privaten Chats wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte zu unterbinden.

16. Runde: Pütz hat auf Nachfrage unserer Zeitung einiges zu erzählen zum Team Krasniqi, bei dem er Tendenzen erkennt, die er „teilweise kriminell“ nennt.

17. Runde, angesetzt für diesen Samstag: Krasniqi lädt in ein Hotel in seinem Wohnort Gersthofen bei Augsburg ein, dort wird sein Kampf gegen Dominic Bösel noch einmal abgespielt. Er soll von Fachleuten neu bewertet werden – Grundlage für ein Gutachten und eine mögliche Klage.

„Die haben alle gedacht, wir mucken zwei, drei Tage auf, und das war es“, sagt Krasniqi-Manager Dreshaj in Richtung Verband und Promoter, „aber die Sache ist zu groß geworden. Die kommen da nicht mehr raus, und jetzt verfolgt sie das schlechte Gewissen.“

Boxkampf um die IBO-Weltmeisterschaft: „Rassismuskeule“ als Vorwurf

Aber der Reihe nach.

Zunächst ist da der Chat zwischen Thomas Pütz, dem BDB-Boss, und seiner Tochter Karoline, 21, Punktrichterin. Vater Pütz: „Ich hab dich bei der IBO im Hauptkampf drin, ich mach den Supervisor.“ – Tochter Pütz: „Dachte da steht das Kampfgericht schon??“ – Vater Pütz: „Hab ich geändert die Ausländer sind alle raus nur deutsche.“ Garniert mit ein paar Smileys.

Pütz bestreitet die Authentizität des Chats nicht, aber er will ihn erklären. Inhaltlich: Inmitten der Pandemie sei es nicht angezeigt, Kampfrichter um die Welt zu fliegen, daher ein deutsch besetztes Kampfgericht. Beim ersten WM-Fight im Juli 2020, den Krasniqi durch K.o. gewonnen hatte, sei es genauso gewesen. Außerdem habe das Krasniqi-Team keine Einwände vorgebracht, als die Besetzung bekannt gegeben wurde. Karoline Pütz wertete am 9. Oktober 115:114 für Dominic Bösel. Thomas Pütz sagt: „So hätte ich auch entschieden. Es war ein enger Kampf und nicht so, dass Krasniqi Bösel fünfmal am Boden gehabt hätte.“ Er glaubt, „dass bei Kampfrichtern aus dem Ausland das Urteil klarer gegen Krasniqi ausgefallen wäre, denn sie neigen dazu, im Sinne des Promoters zu werten – um wieder eingeladen zu werden“.

Gleichwohl bedenklich ist der Ton des Chats, auch dazu muss Pütz Stellung beziehen. Er sagt, das sei „zwischen Vater und Tochter gewesen“, vertraut, verkürzt, nicht für die Öffentlichkeit, nichts Offizielles. Team Krasniqi gehe mit der „Rassismuskeule“ auf ihn los, doch er lasse sich nicht in eine rechte Ecke stellen. Pütz ist in Hamburg Security-Unternehmer mit 50 Millionen Euro Jahresumsatz. „Ich bin seit 25 Jahren im Boxen dabei und hartgesotten“, sagt er – doch so einen Nachklang wegen eines Urteils habe er noch nie erlebt.

Boxkampf um die IBO-Weltmeisterschaft: Es fällt das Wort „Erpressung“

Nun erzählt er einiges. Luan Dreshaj habe Promoter Ulf Steinforth und ihn mit Kenntnis des Chats unter Druck setzen wollen, er fällt das Wort „Erpressung“. Ingo Barrabas, Ringrichter beim Kampf, sei kürzlich bei einer Veranstaltung von Krasniqis Trainer Magomed Schaburow „bespuckt und bedroht worden“. Barrabas habe Anzeige erstattet, der BDB ein Verfahren gegen Schaburow eingeleitet. Und es ging weiter: Karoline Pütz war bei einem Boxabend im Münchner Circus Krone im Einsatz gewesen, „sie wurde von Krasniqi-Fans bedrängt“, auch ein Bruder von Robin sei dabei gewesen. „Meine Tochter überlegt, aufzuhören.“

Luan Dreshaj erklärt unserer Zeitung, sich mit Ulf Steinforth in Hannover getroffen zu haben, das sei nicht ungewöhnlich. Wie Fans von Robin sich verhalten, das sei nicht kontrollierbar, „wenn einer was bei Facebook schreibt, ist das noch kein Terror“, und an ein Fehlverhalten des Bruders glaube er nicht, „wenn man die Familie und den Vater kennt: die Ruhe in Person. Und Robin will eh alles auf sportlichem Weg lösen.“

Was Trainer Schaburow betrifft, der sei nach seinem Wissen Ingo Barrabas allenfalls „mit einem Lächeln“ begegnet, und eigentlich habe doch Ringrichter Barrabas Schuld auf sich geladen: „30-fache Körperverletzung. So viele verbotene Schläge auf Robins Hinterkopf hat er im Kampf zugelassen.“ Die Vorwürfe von Pütz kann Dreshaj nicht glaubhaft entkräften, er nennt sie lediglich „Ablenkung von den Fachfragen, die er nicht beantwortet“. Er wird pathetisch: „98 Prozent der Menschheit haben gesehen, wie der Kampf ausgegangen ist.“

Stellt sich in dieser eskalierenden Atmosphäre nur die Frage, wie es mit dem 34-jährigen Krasniqi weitergehen soll im Boxen. Seinem Management zufolge sei der langjährige Vertrag mit Steinforths SES im Sommer 2020 ausgelaufen, Robin habe für beide WM-Kämpfe nur einen Gastboxer-Vertrag bekommen. Der Mann des Promoters war Bösel (31). Formal stimmt das nach Informationen unserer Zeitung, tatsächlich aber traten Steinforth und Krasniqi so auf, als habe die Verbindung noch Bestand. Zum Medientag in Krasniqis Gym in Gersthofen hatte im September SES geladen und die Abläufe organisiert.

Und sie werden wohl irgendwie auf einen gemeinsamen Nenner kommen müssen, denn die Option auf eine dritte Auflage von Bösel gegen Krasniqi steht im letzten Kampfvertrag. Luan Dreshaj kündigt an: „Der dritte Kampf wird kommen.“

Aber erst muss der zweite zu Ende gebracht werden. (Günter Klein)

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