Basketball-Bundesliga

Hoffen auf ein blaues Auge

  • vonPatrick Reichelt
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In München wird das Finalturnier der Basketball-Bundesliga vorbereitet, doch große Sorgen bleiben: „Vor der nächsten Saison habe ich Angst“, sagt Bayern-Manager Marko Pesic.

Am Tag danach war sich Marko Pesic noch nicht ganz sicher, ob es nun tatsächlich als Erfolg zu werten war, dass die BBL ein mögliches Finalturnier um die Deutsche Meisterschaft nach München vergab. Sicher, der Titelträger der beiden letzten Jahre könnte in vertrauter Umgebung ins Rennen gehen. „Aber ohne Fans ist es eine komplett andere Atmosphäre“, sagte er, „das ist ein Szenario, das so noch keiner hatte und das keiner kennt.“

Zumal die sportliche Wertigkeit bei dem kreativen Vorhaben der Korbjäger ohnehin nicht unbedingt an erster Stelle steht. Die BBL will vor allem in der Krise Flagge zeigen. Ob sie es darf – in dieser Hinsicht liegt der Ball nun erst einmal bei der Politik. Die Konferenz am Mittwoch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Bundesländer dürfte auch den Basketballern zumindest die Richtung weisen.

Bei den Bayern freilich ist man überzeugt, zumindest „überzeugende Argumente“ (Pesic) geschaffen zu haben. Bis zum Ende der Bewerbungsfrist hatten die Münchner an einem Hygiene- und Sicherheitskonzept getüftelt. Und zwar für die Halle und das geplante Spielerhotel gleichermaßen. Bis zuletzt war deshalb auch Yoram Biton in die Planungen eingebunden. Der Israeli ist mit seinen Hotels ohnehin schon länger Bayern-Partner und beherbergte in einem Haus unweit des Olympiaparks in den letzten Jahren vor allem die Gastmannschaften in der Euroleague. Für Pesic auch ein Kern-Argument. „Ich denke, es ist auch ein wichtiger Punkt, dass das Hotel Erfahrungen mit Sportlern hat“, sagte er.

„Davor habe ich Angst“

Insgesamt fünf Wochen müssten die Spieler der beteiligten Teams dort immerhin unter Quarantäne-Bedingungen verbringen. Dazu sollen nach Möglichkeit auch die Spieler gehören, die von de Klubs zu Beginn im Zuge der Pandemie nach Hause entlassen wurden. „Wir warten noch auf das Konzept der BBL, was die Eingliederung dieser Spieler betrifft“, sagte Pesic. Doch ob mit oder ohne Rückkehrer auf die Trainerstäbe keine ganz leichte Aufgabe zu. Bis zum Start im Juni müssen die Profis wieder ans Mannschaftstraining und damit auch an Kontakt herangeführt und letztlich auch in Wettkampfform gebracht werden.

Klar ist: Direkte wirtschaftliche Vorteile hätte der FC Bayern als Gastgeber nicht, zumal der Verein die Halle auch kostenlos zur Verfügung stellt. Ausrichter ist die BBL, ein möglicher Vermarktungserlös würde auf die zehn Teilnehmer umgelegt. Doch das ist vernachlässigbar vor dem Hintergrund der Verluste, die Corona den Bundesligisten beschert hat. „Es sieht nicht gerade rosig aus, wir müssen wie alle zusehen, dass wir mit einem blauen Auge da rauskommen“, sagte Pesic.

Immerhin ist sich der Bayern-Chef sicher, dass das Turnier nicht nur ein Signal an den TV-Partner und die Geldgeber wäre. Die Ermittlung des Corona-Champions könnte der BBL auch einen wichtigen Erfahrungsvorsprung verschaffen für die Dinge, die im Herbst kommen werden. „Es kann ja gut sein, dass uns diese Wohnzimmer-Spiele noch länger begleiten werden“, sagte Pesic. Dafür verspricht man sich wichtige Erkenntnisse. Wenn der Blick nach vorne für Pesic nicht unbedingt ein zuversichtlicher ist: „Vor der nächsten Saison habe ich Angst.“

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