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Niklas Kaul bei seiner Sahnedisziplin, dem Speerwurf.
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Niklas Kaul bei seiner Sahnedisziplin, dem Speerwurf.

Zehnkämpfer Niklas Kaul bei Olympia

Hoffen auf die Leistungsexplosion

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Im Training läuft es für Zehnkampfweltmeister Niklas Kaul super, im Wettkampf vor Olympia überhaupt nicht – das soll sich ändern.

Scheiße. So fasste Niklas Kaul seinen Wettkampftag am Sonntag in Frankfurt kurz und prägnant zusammen. Zur ersten Disziplin, den 110 Meter Hürden, kam der Zehnkampfweltmeister zu spät. Für die zweite, das Diskuswerfen, hatte er nicht genügend Zeit zum Aufwärmen und kam nur auf 38,96 Meter – mehr als zehn Meter hinter seiner Bestweite (49,20 Meter). Zum Stabhochsprung wollte der 23-Jährige nach dem „Chaos“ nicht mehr antreten und lieber in Ruhe am Montag eine Einheit in der Trainingshalle in Mainz einlegen. „Ich hätte nicht auf den Screenshot von vor einer halben Woche mit dem Zeitplan schauen sollen“, erklärte der Athlet vom USC Mainz.

Der Fauxpas passt so ein bisschen in die Saison des Lehramtsstudenten (Physik und Sport). In Götzis wurde Kaul beim Sieg vom überragenden Kanadier Damian Warner, der mit 8995 Punkten die viertbeste Punktzahl der Historie hinlegte, Fünfter mit 8263 Punkten. „Im Training hab ich das Gefühl, es läuft alles gut, aber irgendwie kriege ich es bei den Wettkämpfen nicht hin“, sagt Kaul. Das liege vielleicht daran, dass die Wettkampfroutine fehle oder das der internationale Höhepunkt noch nicht da ist. „Da hoffe ich so ein bisschen drauf.“ Auf die Leistungsexplosion bei den Olympischen Spielen (23. Juli bis 8. August).

Was Kaul unter Scheinwerferlicht zu leisten imstande ist, hat er bei der Weltmeisterschaft 2019 in Doha gezeigt. Nach dem Salto nullo vom Topfavorit Kevin Mayer aus Frankreich im Stabhochsprung nutzte der gebürtige Saulheimer die Gunst der Stunde und wurde mit 8691 Punkten der jüngste Zehnkampfweltmeister der Geschichte. Der Titel in Katar hat ihm nicht nur viele Preise – Sportler des Jahres, Leichtathlet des Jahres, Bambi – eingebracht, sondern auch sein Standing von heute auf morgen verändert. „Es ist eine andere Anspannung, mit der man zurecht kommen muss“, gibt er zu. Das habe er in dieser Saison auch gespürt.

Schmerzen im Ellenbogen, den er vor einem Jahr sich hat operieren lassen müssen, spürt der 1,90-Meter große Modellathlet indes nicht mehr. „Er schränkt mich gar nicht mehr ein. Ich konnte natürlich weniger Würfe im Training machen“, sagt Kaul. So fehlten ein wenig die Routinen, aber technisch klappe alles – auch in den anderen Disziplinen.

„Erstmal durchkommen“

Deswegen ist ihm vor seinen ersten Olympischen Spielen auch überhaupt nicht bange. „Es sind sieben, acht Leute, die unter sich die Medaillen ausmachen werden“, sagt Kaul. Warner und Mayer höchstwahrscheinlich die goldene. Aber es komme immer auf die Tagesform an, wer mit Wetter und den Bedingungen drumherum am besten umgehen könne. Ein bisschen Glück gehöre auch immer dazu. „Und wir haben es im Zehnkampf immer erlebt, dass man erstmal durchkommen muss“, betont Kaul.

Er wird am Freitag mit seinen Eltern Michael und Stefanie, die ihn trainieren, sowie Trainingspartnerin Carolin Schäfer (Eintracht Frankfurt) ins Trainingslager nach Miyazaki fliegen. Dort geht es darum, sich an das Wetter zu akklimatisieren und den letzten Feinschliff vorzunehmen. „Die letzten Trainingseinheiten sind immer nur noch warmmachen, drei Wettkampfversuche und weiter“, erklärt Kaul, der am 4. und 5. August im Olympiastadion von Tokio an den Start geht.

Dabei spekuliert Kaul natürlich auf den zweiten Tag mit seinen Sahnedisziplinen, dem Speerwurf und den abschließenden 1500 Metern. In Doha war er nach dem ersten Tag noch Elfter, ehe er sich die Konkurrenz Schritt für Schritt schnappte. Es schwinge natürlich ein bisschen Druck mit, dass er dann aufholen muss. „Aber eigentlich ist es eher ein Vorteil“, sagt Kaul. Denn ab der sechsten Disziplin gehe es für ihn nur noch darum, Plätze gut zu machen.

Den Zeitplan in Tokio wird er ganz sicher nicht so durcheinanderbringen wie in Frankfurt.

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