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„Hoffe manchmal, dassdas ein Alptraum ist“

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Da war die Welt noch in Ordnung: Katharina Althaus im Mixed-Teamspringen - kurz danach folgte die Disqualifikation.
Da war die Welt noch in Ordnung: Katharina Althaus im Mixed-Teamspringen - kurz danach folgte die Disqualifikation. © imago images/Xinhua

Skispringerin Katharina Althaus über die Disqualifikationen im Mixed und weitere Wettbewerbe für Frauen auf Schanzen

Frau Althaus, zunächst Gratulation zur Silbermedaille, die Sie mitgebracht haben. Die Verpackung wurde bei Kontrollen am Flughafen leider beschädigt – haben Sie schon einen Platz für die Medaille gefunden?

Noch nicht, aber ich bekomme auch noch eine neue Aufbewahrungsbox. Dann kommt sie zu der anderen Silbermedaille von Olympia 2018 und meinen WM-Medaillen.

Haben Sie sich schon wieder eingelebt oder noch etwas im Jetlag?

Nein, ich bin schon halbwegs wieder im Alltag, habe auch bereits normal trainiert und war sogar schon wieder auf Lehrgang.

Mit ein paar Tagen Abstand, wie geht es Ihnen emotional?

Ich freue mich schon sehr über die Silbermedaille und dass ich überhaupt was mit nach Hause nehme – das überwiegt. Aber natürlich gibt es noch Momente, wo ich mich einfach ärgere, dasitze und hoffe, dass das ein Alptraum ist.

Ein Alptraum, der bei der Kontrolle vor dem Teamspringen begonnen hat…

Schon davor habe ich von unserer Physiotherapeutin kurz gehört, dass bereits zwei Springerinnen disqualifiziert wurden, was ich natürlich komisch fand. Ich bin dann rein und habe gemerkt, dass die Stimmung in der Kontrolle ganz anders ist, viel strenger kontrolliert wird und dass alles anders läuft als bei allen Kontrollen zuvor.

Gibt es in der Zwischenzeit Erklärungen, die die Disqualifikation verständlicher machen?

Nein, da ist noch nichts passiert. Ich glaube, im Hintergrund laufen noch einige Gespräche, aber mitbekommen habe ich da noch nichts.

Nach der Disqualifikation haben Sie gesagt, der Weltverband FIS hätte das Frauen-Skispringen zerstört. Würden Sie das so jetzt nochmal sagen?

Also ich glaube, zerstört hat sie es nicht, da braucht es ein bisschen mehr. Aber einen kleinen Knacks hat es schon bekommen, weil es halt wirklich olympische Premiere war für den Mixed-Team-Wettkampf. Wir hatten die Chance, mit den Herren zusammen zu springen, und es wurden einfach fünf Damen aus vier Topnationen disqualifiziert. Ich glaube schon, dass das was ausmacht und dem Damenskispringen sicherlich nicht geholfen hat. Es hatte uns einfach so gefreut, bei Olympia noch eine weitere Chance zu haben und mit den Herren zu starten. Man hat die letzten Jahre ja bei den Weltmeisterschaften gesehen, dass der Wettkampf richtig cool und spannend ist. Aber mit der Wendung hat niemand gerechnet.

Sie treten vehement für Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Ihrer Sportart ein. Wie glücklich sind Sie allgemein mit der Entwicklung des Frauen-Skispringens?

Ich bin schon recht zufrieden, wenn man zurückschaut, wie weit wir die letzten Jahre gekommen sind. Auch wenn wir noch nicht am Ende unserer Reise sind, ist der Weg auf jeden Fall der richtige. Mit einer Vierschanzentournee oder Skifliegen für Damen warten aber auf jeden Fall noch ein paar Meilensteine, die so die nächsten großen Dinge wären und für uns auch realistisch sind.

Abgesehen vom Eklat beim Mixed-Springen, können Sie noch ein Fazit zu Olympia allgemein abgeben? Es waren Ihre dritten Spiele…

Es waren schon andere Spiele. Man sieht nicht ganz so viele Sportarten und auch Sportler aus anderen Nationen, was ja leider auch Corona-bedingt war. Wir waren aber auch nicht im olympischen Dorf, sondern in einem Außenquartier. Aber die Organisation an sich beim Wettkampf war gut, und man hatte schon das Gefühl, bei Olympischen Spielen zu sein. Es war nicht so, dass ich das Gefühl hatte, das es jetzt kein Erlebnis war.

Interview: Thomas Jensen

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