Björn Fecker

Solidarität

Wo hört Solidarität auf und fängt Politik an?

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der Deutsche Fußball-Bund und das schwierige Ringen um Regeln und Werte auf dem Platz.

Einen glaubwürdigeren Mann als Björn Fecker an der Spitze der Kommission Gesellschaftliche Verantwortung hätte der Deutsche Fußball-Bund wohl kaum finden können. Der 42-jährige Präsident des Bremer Fußball-Verbandes ist Fraktionsvorsitzender der Bremer Grünen und hat als Innenpolitiker ständig mit Fragen des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit zu tun. So einer weiß, wovon er spricht. Am Mittwoch hat Fecker drei Stunden lang mit den Mitgliedern der Kommission, unter anderem den ehemaligen Profis Celia Sasic, Thomas Hitzlsperger und Jimmy Hartwig, per Videochat debattiert.

Nach den - weniger politischen als vielmehr humanitären – Solidaritätsbekundungen mehrerer Bundesligaprofis mit dem bei einem Polizeieinsatz zu Tode gekommenen Afro-Amerikaner George Floyd hat der Fußballstaatsanwalt Anton Nachrainer aus guten Gründen bereits auf eine Anklageerhebung verzichtet und klugerweise gleich mit angekündigt, dass auch künftige vergleichbare Aktionen nicht gemaßregelt werden (die FR berichtete). Eine Anklage, heißt es im DFB, hätte sich „komplett falsch angefühlt“.

Dabei soll es aber laut DFB-Präsident Fritz Keller nicht bleiben. Der 63-Jährige möchte die öffentliche Diskussion über politische Botschaften im Stadion vorantreiben und hat dazu den Bremer Fecker und dessen Kommission beauftragt, Leitplanken zu ziehen. „Wer die auch in der DFB-Satzung verankerten Werte des Fußballs proklamiert, darf nicht bestraft werden“, so Keller. „Wir wünschen uns mündige Spielerinnen und Spieler, die mit gutem Beispiel vorangehen und Menschen von unseren Werten überzeugen. Das muss möglich sein.“

Aber im DFB ist natürlich bekannt, dass es eine im internationalen Sport bestehende Regel gibt, wonach während des Spiels den Aktiven das Aussenden politischer Botschaften untersagt ist. Björn Fecker sagte nach der Videokonferenz: „Bestrafungen aufgrund von Anti-Rassismus-Statements würden unserem DFB-Engagement fundamental widersprechen. Nun geht es darum, Vorschläge zu diskutieren, mit denen die Werte des Fußballs wie Integration und Vielfalt sowie das Engagement gegen Diskriminierung auch mit den gültigen Regeln durch die Aktiven unmissverständlich zum Ausdruck gebracht werden können.“

So ganz einfach ist das nicht. Was etwa wäre geboten, wenn am kommenden Wochenende ein Bundesligaprofi ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Fuck you, Trump“ zeigt? Das würde nach gängiger Meinung zwar Demonstranten im öffentlichen Raum erlaubt sein, ohne dass sie deshalb wegen Beleidigung angeklagt würden, gleichwohl entspräche eine solche Meinungsbekundung keinesfalls dem Wertekanon, der dem Geist der DFB-Satzung für das Verhalten von Spielern auf dem Fußballplatz entspräche. Es würde demnach wohl zu einer Anklage durch den Kontrollausschuss-Vorsitzenden Anton Nachrainer kommen. Was aber wäre bei einem „Go away Trump“?

Es gibt in diesen Fragen keine einfachen Antworten, kein schwarz oder weiß, sondern auch viele Grautöne. Diesen Grautönen zu mehr Kontur zu verhelfen, ist nun die komplexe Aufgabe der 26-köpfigen DFB-Kommission Gesellschaftliche Verantwortung, der des weiteren auch Ex-Nationalspieler Cacau sowie der hochgeachtete Extremismusforscher Gunter A. Pilz angehören.

Die für den Bundesligaspielbetrieb zuständige Deutsche Fußball-Liga wollte die Debatte nicht weiter kommentieren. Sie ist für Sanktionen einzelner Spieler - im Gegensatz zum DFB - nicht zuständig und meldete sich nur in der bei Twitter gebotenen Kürze zu Wort: „Die DFL hält öffentliche Meinungsäußerungen, die im Einklang mit den in der DFB-Satzung verankerten Werten des Fußballs stehen, für vertretbar und zeitgemäß.“

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