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Alfons Hörmann, Präsident Deutscher Olympischer Sportbunds.

DOSB

Hörmann zuhören!

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Nicht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist das letzte Lagerfeuer der Leute, sondern diese Aufgabe haben längst die Sportvereine inne. Ein Kommentar.

Die wichtigste deutsche Sportvereinigung ist immer noch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) – und nicht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und erst recht nicht die Deutsche Fußball-Liga (DFL). Unter dem DOSB-Dach sammeln sich fast 90 000 Vereine mit 27 Millionen Mitgliedern – ein Drittel der Einwohnerzahl Deutschlands. Wenn Präsident Alfons Hörmann vor irreparablen Gesamtschäden durch Corona warnt, ist Gefahr im Verzug. Täglich stattfindende Fußballspiele und erste Skirennen in den Alpen, Tennisturniere in Köln oder Handballpartien in Kiel gaukeln eine Normalität vor, die es an der Basis nicht gibt.

Dort, wo nicht einmal ein winziger Tropfen der milliardenschweren Fernsehgelder ankommt, die in der Pandemie einfach weitersprudeln. Die Glotze läuft ja immer weiter – und in manchen Haushalten umso länger desto höher der Inzidenzwert ist. Hörmann hat gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“ und der „Stuttgarter Zeitung“ gesagt, dass seine Schätzung von einem Minus im Bereich von einer Milliarde Euro für den deutschen Sport längst nicht ausreicht, sondern mittlerweile ganz andere Dimensionen erreicht werden.

Bei vielen kleinen, mittleren und großen Vereinen sind die Einnahmen dermaßen eingebrochen, dass Angebote zusammengestrichen werden. Damit ist der Teufelskreis in Gang gesetzt. Eingedampfte Kurse, fehlende Wettbewerbe bedeuten irgendwann weniger Mitglieder – und dann fehlt noch mehr Geld.

Der Rückgang bei den Aktiven wird unweigerlich kommen. Hörmann weiß, dass er sich vordergründig nicht beklagen kann: Die Bundesregierung hat für Vereine der ersten, zweiten und dritten Ligen in fast allen Sportarten ein Hilfsprogramm aufgelegt. Der Topf ist mit 200 Millionen Euro gefüllt. Das Problem ist aber dasselbe wie beim Sanierungsstau an Schulen: gut gemeint, aber als sofortige Abhilfe ungeeignet. Der DOSB-Boss beklagt zu wenig basis- und praxisnahe Lösungen, um an die Gelder zu kommen.

Aber derlei Nachlässigkeit kann sich eine verunsicherte Gesellschaft gerade gar nicht leisten. Nicht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist das letzte Lagerfeuer der Leute, sondern diese Aufgabe haben längst die Sportvereine inne. Das geht beim Kinderturnen los, wo sich Heranwachsende unterschiedlicher Herkunft begegnen, und natürlich setzt sich das bei Fußballvereinen fort, in denen der Hochschulprofessor mit dem Hartz-IV-Empfänger auf Torejagd geht. Alle, die sich mal an der Basis verdingt haben, werden wissen: Es gibt kaum eine bessere Integrationsmaschine als den Sportplatz.

Und Sportler sind besser davor gefeit, mit Rückschlägen umzugehen. Austeilen und einstecken gehört zum Einmaleins jeder Disziplin. Ganz nebenbei, und dieser Aspekt wird in der Hysterie steigender Corona-Zahlen besonders gerne unterschlagen, hilft ein durch Breitensport gestärktes Immunsystem immens, dass sich das Virus erst gar nicht im Körper verfängt. Wenn es dann doch zur Erkrankung führt, schafft es der gesunde Mensch eher, mit einem milden Verlauf davonzukommen. Deshalb muss Hörmann endlich gehört werden.

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