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Ein umkämpftes Spiel. Foto: dpa
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Ein umkämpftes Spiel.

Eishockey-WM

Historischer Coup fürs deutsche Eishockey

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
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Deutschland feiert den ersten WM-Sieg gegen das Eishockey-Mutterland Kanada seit 25 Jahren.

Es ist Mai 2021, doch er fühlt sich an wie Februar 2018, der Olympia-Monat von Pyeongchang. Das damalige Eishockey-Turnier in Südkorea war so besetzt, dass es Außenseitern eine gute Chance einräumte. Und das deutsche Sportpublikum spürte, dass seine Nationalmannschaft einen besonderen Geist entwickelte. Und so ähnlich ist es jetzt wieder – bei der Weltmeisterschaft in Riga unter den Bedingungen einer Corona-Bubble. Am Fernseher wird mitgefiebert, Eishockey war ein Pfingst-Programm. Und es bot den dritten Sieg im dritten WM-Spiel. Nach epischem Kampf gewann die deutsche Auswahl gegen Kanada 3:1 (2:1, 0:0, 1:0). Eine Medaille wie vor drei Jahren (seinerzeit Silber) – warum nicht?

Es gibt in einem Eishockeyspiel immer auch bezeichnende Szenen abseits von Toren, sie erzählen die eigentliche Geschichte des Spiels. So gifteten sich bei einem Bully Nick Paul und Lean Bergmann verbal so an, dass jeder Lippenleser sich errötend abwenden musste. Nico Krämmer und Tom Kühnhackl warfen sich im Unterzahlspiel gemeinschaftlich in einen kanadischen Schlagschuss, sodass sie von der deutschen Bank gefeiert wurden, als hätten sie ein Zaubertor herauskombiniert. Der deutsche Verteidiger Moritz Seider verpasste Gegenspieler Mike Bunting einen einschüchternden Crosscheck, sodass es diesen derart spektakulär umhaute, dass auch er auf die Strafbank musste – für seinen darstellerischen Akt. Deutschland gegen Kanada, es war ein Kampfspiel auf hohem Niveau.

„Wir sind Tabellenführer, zurecht, wir verstecken uns nicht, lassen uns nichts gefallen“, sagte Moritz Seider zur Gangart des Spiels. Die Ausgangsposition war ungewöhnlich: Die Deutschen beflügelt von zwei Siegen (9:4 gegen Italien, 5:1 gegen Norwegen), die Kanadier unter Druck nach ihrem Fehlstart (0:2 gegen Lettland, 1:5 gegen die USA).

Das Mutterland des Eishockeys hat seine großen Stars nicht dabei, aber immerhin sind es Spieler aus elf NHL-Teams, die nach Riga geflogen sind. Plus der 18-jährige Owen Power, der noch an der University of Michigan spielt, aber für den nächsten Draft als Nummer eins gehandelt wird. Würde Kanada noch ein drittes Match verlieren, gegen Deutschland wäre es bei einer WM das erste seit 1996 in Wien (1:5).

Der deutsche Start: optimal. Nur 38 Sekunden lagen zwischen 1:0 (11.) und 2:0 von Stefan Loibl und Matthias Plachta, den beiden Mannheimern. Kanada glückte gleichwohl der Anschlusstreffer (19., Nick Paul von den Ottawa Senators) – und im zweiten Drittel wurde es kompliziert. „Wir nehmen zu viele Strafzeiten“, brachte es Stefan Loibl auf den Punkt.

„Haben ein Löwenherz“

Die deutsche Mannschaft muste sogar zwei Drei-gegen-Fünf-Situationen überstehen. Unglücklich agierte Korbinian Holzer. Der frühere NHL-Spieler sammelte für einen hohen Stock (Nasenwunde beim Kanadier Comtois) und einen Bandencheck sechs Minuten plus eine Disziplinarstrafe. Angesichts dieser langen Aufenthaltszeit auf der Strafbank wurde ihm eine chirurgische Maske überreicht. Die Kanadier, weltberühmt für mentale Robustheit und den Vorsatz, eine Partie niemals verloren zu geben, hielten den Druck auf das deutsche Tor mit dem vorzüglichen Mathias Niederberger hoch. Die Entscheidung, als Kanada, das eigentlich gut spielte, seinen Torhüter vom Eis nahm. Korbinian Holzer setzte den Puck über die ganze Eisfläche ins verlassene kanadische Tor zum 3:1 - ein historischer Coup. Das Team von Bundestrainer Toni Söderholm hatte damit nicht nur den 26-maligen Weltmeister bezwungen, sondern auch den ersten WM-Sieg gegen das Eishockey-Mutterland seit 25 Jahren überhaupt gefeiert. Das war außergewöhnlich. So ein Spiel habe ich noch nicht erlebt“, sagte der überragende deutsche Torhüter Mathias Niederberger, der auch zum Spieler des Spiels gewählt wurde: „Ich hatte Krämpfe im Oberschenkel. Aber wir haben ein Löwenherz.“

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