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Clemens Tönnies soll den FC Schalke 04 mal wieder retten.
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Clemens Tönnies soll den FC Schalke 04 mal wieder retten.

KOMMENTAR

Herz, lass nach

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Eine Rückkehr zu Clemens Tönnies wäre ein Verrat an den Mitgliedern und Fans des FC Schalke 04. Und eine allumfassende Bankrotterklärung. Der Kommentar.

Innereien sind out, Herzen landen auf dem Müll. Glaubt man den Zahlen des „Fleischatlas extra“ der Heinrich-Böll-Stiftung, aßen die Westdeutschen im Jahr 1984 durchschnittlich 1,5 Kilogramm Innereien pro Person. Inzwischen sind es nur noch um die 100 Gramm. Wenn Fleischfabrikant und Milliardär Clemens Tönnies über den FC Schalke 04 sagt: „Ich lasse meinen Herzensklub nicht untergehen“, ist also Vorsicht geboten. Was hat dieser Profi-Ausnehmer vor? Ein mäzenischer Akt der Nächstenliebe für einen am Boden liegenden Fußballklub? Ein Akt der Selbstbereicherung? Beides?

Fest steht: Als Tönnies bei den Schalkern noch eine Rolle spielte, 25 Jahre lang im Aufsichtsrat und als dessen Vorsitzender, als weder der Skandal um rassistische Aussagen, noch die Tatsache, dass im vergangenen Jahr untragbare Bedingungen für die Arbeiter zu einem gewaltigen Corona-Ausbruch in einem seiner Betriebe führte, ein Thema waren, und als die Schalker Fans noch nicht mit Schildern vor dem Stadion auf und ab liefen, auf denen Dinge wie „C.T. & S04 – deutscher Intrigenmeister“ zu lesen waren – zu Zeiten also, als Clemens Tönnies‘ Welt aus Fleisch und Fußball noch rosarot vor ihm lag wie ein saftiges Schweinefilet, hatte er kein Problem damit, sich an der Not seines Klubs zu bereichern. Zeitweise, heißt es, fungierte er wie eine Art Ersatzbank, um den finanziell in Schieflage geratenen Bundesligaklub mit frischem Geld zu versorgen, wenn die echten Banken sich mal wieder querstellten. Schenkungen waren das nie, sondern immer gut verzinste Kreditgeschäfte.

Und jetzt? Tönnies ist nicht mehr in Amt und, uff, Würden, nachdem ihn der Fanaufstand im vergangenen Sommer rund um den Corona-Skandal zum Rücktritt veranlasste. Doch nie war die Not bei den „Knappen“ größer, sportlich und wirtschaftlich, nie die Versuchung, die ausgestreckte Hand des 64-Jährigen zu ergreifen – koste es, was es wolle.

Es steht hier viel auf dem Spiel für die Schalker. Mehr als der Klassenerhalt. Nicht wenige Fans und Mitglieder sind der Meinung, der Klub solle lieber den Abstieg in die zweite Liga in Kauf nehmen, als Tönnies’ Geld für neue Spieler zu nehmen, die dem Tabellenletzten vielleicht helfen, vielleicht aber auch nicht. Kein Bundesligist hat in den vergangenen Jahren ja so gut veranschaulicht, dass ein teurer Spieler nicht automatisch ein guter Spieler ist.

Es steht auch viel für die Bundesliga, die hier einem weiteren Traditionsklub beim Untergehen zusieht, verzweifelnd rudernd, moralische und sonstige Kompasse längst über Bord geworfen. Während Konzernvereine wie RB Leipzig und Bayer Leverkusen an der Tabellenspitze synthetischen Duft verströmen. Die Liga betrachtet sich nach wie vor als Liga der eingetragenen Vereine, und wie kein anderer Verein wird Schalke 04 von seinen Mitgliedern getragen, ihrer Treue und ihrer Leidensfähigkeit.

Eine Rückkehr zu Tönnies wäre Verrat an ihnen. Und eine allumfassende Bankrotterklärung.

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