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Berlins Bester: Matheus Cunha.

FR-Bundesliga-Tipptabelle (4)

Hertha BSC: Im Hauptstadtfieber

Die neureichen Berliner sehnen sich nach einer turbulenten Saison nach den großen Erfolgen – Potenzial ist reichlich vorhanden.

Hertha BSC will mit Investorenpower zum „Big City Club“ werden mit internationalen Ambitionen, das ist hinlänglich bekannt. Der Start dieses Unterfangens im vergangenen Jahr ging vortrefflich in die Hose. Doch die neue Saison gelobt Besserung.

Wie ist die Stimmung?

Manchmal, wenn sie sich ganz schnell umdrehen, sehen die Herthaner für den Bruchteil einer Sekunde noch das Klinsi-Grinsen im Raum stehen, bevor es kichernd verschwindet. Die vergangene Saison kommt dem Hauptstadtklub im Nachhinein vor wie ein seltsamer Fiebertraum. Zuerst überhäufte der Investor Lars Windhorst die Hertha mit vielen, vielen, Millionen Euro, doch sportlich ging’s unter dem Trainer und Ur-Herthaner Ante Covic steil bergab. Dann war der Trainer plötzlich ein anderer, Jürgen Klinsmann nämlich, und noch plötzlicher war es nicht mehr, denn er hatte Schluss gemacht wie ein 16-Jähriger vor zehn Jahren Schluss gemacht hätte, über Facebook, und zurück ließ der alte Weltmeister sehr viel Verwirrung und vertrauliche Dokumente, die an die Presse gelangten. Dass die Stimmung jetzt, im Sommer 2020, wieder gut ist bei den Berlinern, liegt an der schlauen Frühjahrs-Entscheidung, Bruno Labbadia zum Coach zu machen. Dem ist es gelungen, das Fieber zu senken.

Wie stark ist der Kader?

Durch die Windhorst-Gelder konnte (und kann) Manager Michael Preetz den Kader grundlegend neu aufstellen. Die wichtigsten Entscheidungen sind dabei schon im vergangenen Winter getroffen worden mit den Transfers der Angreifer Matheus Cunha (18 Millionen Euro), Krzysztof Piatek (24 Millionen) und, als Vorleistung für die anstehende Saison, jenem des Mittelfeldspielers Lucas Tousart, der für 25 Millionen von Olympique Lyon kam. Frisch ist die Verpflichtung von Torwart Alexander Schwolow, der für acht Millionen aus Freiburg kam und für Konstanz zwischen den Pfosten sorgen soll.

Worauf steht der Trainer?

Bruno Labbadia erwartet von den Spielern die gleiche Hingabe, die er selbst an den Tag legt, was für die Spieler sehr anstrengend ist, denn Labbadia ist einer dieser unermüdlichen Hundert-Prozent-Menschen. Disziplin und Fleiß des 54-Jährigen spiegelten sich gleich nach der Ankunft im Geschehen auf dem Platz wider, wodurch die Hertha schnell aus dem Gröbsten raus war. Dass Labbadia Offensivfußball spielen lassen will, versteht sich von selbst. Der teure Kader ist da ein Auftrag.

Die Bundesliga-Tipptabelle der FR-Redaktion für die Saison 20/21

PlatzVerein
1noch nicht gesetzt
2noch nicht gesetzt
3noch nicht gesetzt
4noch nicht gesetzt
5Hertha BSC Berlin (10)
6noch nicht gesetzt
7noch nicht gesetzt
8TSG Hoffenheim (6)
9noch nicht gesetzt
10FC Augsburg (15)
11noch nicht gesetzt
12noch nicht gesetzt
13noch nicht gesetzt
14Mainz 05 (13)
15noch nicht gesetzt
16noch nicht gesetzt
17noch nicht gesetzt
18noch nicht gesetzt

In Klammern: Platz in der letzten Saison

Wo hapert’s noch?

Der Abschied von Sechser Per Skjelbred ist abgedeckt durch die Verpflichtung des Franzosen Tousart, die Oldies Vedad Ibisevic, 36, und Salomon Kalou, 35, hinterlassen nicht wirklich eine Lücke, zumal beide sich in der Corona-Krise sich nicht gerade imagefördernd verhalten haben. Fest verpflichtet werden soll noch Mittelfeldmotor Marko Grujic, in den vergangenen zwei Jahren ausgeliehen vom FC Liverpool. 15 Millionen Euro Ablöse sind dieser Tage gewiss kein Hinderungsgrund für die Hertha, die ihren Kader mit Grujic einigermaßen abrunden könnte. Aber wer weiß, was da noch alles kommt.

Wer sticht heraus?

Matheus Cunha, 21-jähriger Brasilianer. Fünf Tore und zwei Vorlagen in elf Spielen für Berlin, schnell, brillante Technik. Cunha aus Leipzig in die Hauptstadt zu lotsen, war eine prima Entscheidung des Managers Preetz.

Wie geht’s dem Schatzmeister?

Tja. Nun. Geschäftsmann Lars Windhorst, in seinem Berufsleben hin und wieder mit krummen Deals auffällig geworden, vom Landgericht Berlin einst wegen Untreue in 27 Fällen verurteilt, hat mit seiner Investorengesellschaft Tennor inzwischen 374 Millionen Euro in den Klub fließen lassen. Alle Schulden sind getilgt, die Hertha schwimmt im Geld, Corona-Einbußen hin oder her. Tennor hält nun 66,6 Prozent der Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA. Klingt nach einem Verstoß gegen die 50+1-Regel, ist es aber nicht. Die Anteile der Komplementär-GmbH werden nämlich weiter von Herthas Geschäftsführung gehalten. Tja. Nun.

Was ist drin?

Man muss mit allem rechnen bei diesem Klub. In selbsterklärtem Größenwahn dachte Hertha ja unter Jürgen Klinsmann bereits an Champions League und Meisterschaft. Soweit ist es natürlich noch nicht. Aber unter dem beruhigenden Einfluss des erfahrenen Bruno Labbadia ist die Europa League durchaus drin.

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