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Hertha BSC: Die Kraft des Alters

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Von: Jan Christian Müller

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Der Trainer und sein spielender Trainer: Felix Magath (links) und Prince Boateng.
Der Trainer und sein spielender Trainer: Felix Magath (links) und Prince Boateng. © dpa

Felix Magath, der zum Anfang seiner nun Berliner Rettungsmission eher fahrig nach dem Prinzip des Versuchs und Irrtums zugange war, hat es tatsächlich geschafft. Ein Kommentar.

Zum Ende hin hat der Trainer-Opa Felix, 68, dann alles richtig gemacht. Hat Spieler-Opa Prince die Aufstellung machen lassen und zugelassen, dass der Teilzeit-Fußballrentner Boateng, 35, ein paar nicht mehr ganz taufrische Leute zum Veteranenball in Hamburg mit aufs Spielfeld nimmt: Peter Pekarik (35), Stevan Jovetic (32), Marvin Plattenhardt (30), Ishak Belfodil (30), Dedryck Boyata (31), später noch Vladimir Darida (31).

Das ist schon allein qua Alter keine zukunftsträchtige Versuchsanordnung, aber es ist ganz offenbar eine Richtschnur fürs Entscheidungsspiel gewesen, an der sich alle miteinander entlang hangeln konnten. Und so gewann jene Hertha, die den Abstieg nach all den innerbetrieblichen Querelen, dem achtlos aus dem Fenster geworfenen Geld und drei Trainerwechseln eigentlich verdient gehabt hätte, überzeugend 2:0 beim Hamburger SV.

Felix Magath, der zum Anfang seiner nun geglückten Rettungsmission noch eher fahrig nach dem Prinzip des Versuchs und Irrtums zugange war, hat zum guten Schluss die nicht ganz leicht erziehbare Führungskraft Kevin Prince Boateng voll auf seine Seite gezogen. Und war dabei klug genug, Boatengs schwindende Kräfte richtig einzuschätzen. Deshalb musste der Mittelfeldmann im Hinspiel zuschauen. Um dann im Rückspiel derart viel Power, Technik und Spielwitz aufs Feld zu bringen, dass die überforderten Hamburger bald nicht mehr wussten, wo ihnen der Kopf steht.

Das ist auch deshalb so bemerkenswert, weil Boateng im Verlauf der Saison monatelang auch aufgrund anhaltender Knieprobleme wie ein Altherrenspieler unterwegs gewesen war. In Hamburg agierte der Senior, als sei er einem Jungbrunnen entfleucht und half so auch Sportchef Fredi Bobic, eine schon als Missverständnis interpretierte Personalie zum Ende hin noch wie ein gelungenes Leuchtturmprojekt aussehen zu lassen.

Eine weitere Personalie darf sich Magath gerne als eins mit Sternchen ins Berichtsheft eintragen lassen. Er hat Marvin Plattenhardt wieder zu einem Faktor werden lassen. Der Ex-Nationalspieler hatte sich unter Magaths Vorgänger Tayfun Korkut zunehmend aus der Startelf gespielt, Magath brachte den linken Verteidiger wieder ins Laufen, Plattenhardt dankte in den verbliebenen Spielen unter dem neuen Trainer mit vier astreinen Vorlagen und seinem den Klassenerhalt entscheidenden Freistoßtreffer für die ständige Berücksichtigung. Chapeau, Herr Magath!

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