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Kämpfen um mehr Sichtbarkeit: Die Wolfsburgerin Caroline Hansen (li.) und die Potsdamerin Jennifer Zietz beim Pokalfinale 2015.
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Kämpfen um mehr Sichtbarkeit: Die Wolfsburgerin Caroline Hansen (li.) und die Potsdamerin Jennifer Zietz beim Pokalfinale 2015.

Taskforce Zukunft

Heldinnen gesucht

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Um den Fußball in der Gesellschaft zu verankern, braucht es überall mehr starke Frauen, aber die Beharrungskräfte sind groß.

Heidi Möller, die Universitätsprofessorin aus Kassel, hatte sich schon optisch von Christian Seifert, dem Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, abgesetzt. Ihr leuchtend gelbes Kleid bot am Mittwoch in der DFL-Zentrale mal ein anderes Bild als sonst die Männer in dunklen Anzügen, die gewöhnlich zu Wort kommen. Dass eine selbstbewusste Frau die mehrstündigen Arbeitssitzungen der „Taskforce Zukunft Profifußball“ moderierte, um dem deutschen Profifußball einen besseren Weg in die Zukunft zu weisen, soll ein Sinnbild gewesen sein. Denn bei zwei der 17 Maßnahmen geht es um mehr Geschlechtergerechtigkeit. Unter Punkt 14 ist die „Förderung von Frauenfußball“ hinterlegt. Unter Punkt 15: „Förderung von Frauen im Fußball“. Derzeit würden 97 Prozent der Positionen im Fußball von Männern besetzt, monierte Möller. „Da ist jeder DAX-Konzern besser – und die sind schon schlecht. Das muss anders werden.“

Diversität als Chance

Diversität sei auf allen Ebenen ein Vorteil, führte die 60-Jährige aus. Offenbar war sie selbst erschreckt, wie rückständig sich der deutsche Fußball auf diesem Gebiet gebärdet, obwohl sich allein beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) 1,12 Millionen Frauen und Mädchen sammeln. Doch auf präsidialer Ebene ist bei DFL und DFB nur eine einzige Frau vertreten: die unverwüstliche DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg, die sich noch in schlimmsten Macho-Zeiten nach oben kämpfte.

Immerhin vertritt DFB-Präsident Fritz Keller das Thema aus tiefer Überzeugung. Direktorin Heike Ullrich, zuständig für Vereine, Verbände, Ligen, rückte zur stellvertretenden Generalsekretärin auf – dient aber ausgerechnet Kellers Intimfeind Friedrich Curtius. Als zweite Frau gehört seit Herbst vergangenen Jahres Mediendirektorin Mirjam Berle zur Geschäftsführung. Beim DFB sind 30 Prozent der Angestellten weiblich, bei der DFL GmbH mit etwas mehr als 100 Mitarbeitern immerhin 41 Prozent. Im vergangenen Jahr wurde Franziska Fey zur Vorsitzenden der DFL-Stiftung ernannt, aber die wichtigsten Kommissionen sind dann doch wieder reine Männerrunden. Seifert ermuntert Frauen, sich noch offensiver zu bewerben.

Die Taskforce mahnt diese Vielfalt dringend an, um keinen Wettbewerbsnachteil zu haben. Schwieriger ist es, Schiedsrichterinnen oder Trainerinnen in den obersten Spielklassen unterzubringen. Hier sind noch dicke Bretter zu bohren. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die gerade ihren Vertrag bis 2023 verlängerte und ihren Posten als Aufsichtsratsmitglied bei Fortuna Düsseldorf weiter ausübt, glaubt nicht daran glaubt, dass eine Trainerin hierzulande bei den Profis schnell Fuß fasst.

Skeptische Bundestrainerin

„Die Zeit sei „schon lange reif, aber es wird halt noch nicht passieren“, sagte die 53-Jährige in einem Podcast. „Das liegt immer noch daran, dass es keiner gemacht hat. Es ist immer noch ein sehr innerer Zirkel von Menschen, die aus dem Männerfußball kommen und im Männerfußball bleiben.“

Immerhin ist der Imagefaktor des Frauenfußballs erkannt worden. So hat Seifert vor einigen Wochen selbst den Testballon fliegen lassen, vielleicht die Frauen-Bundesliga – die am Freitag mit dem Klassiker VfL Wolfsburg gegen Turbine Potsdam die Rückrunde fortsetzt – in ferner Zukunft unter DFL-Obhut zu bringen. Siegfried Dietrich, Sportdirektor bei Eintracht Frankfurt und Sprecher des DFB-Ausschusses Frauen-Bundesliga, vollführte Freudensprünge gefühlt bis zur Decke, so sehr gefiel dem geschäftstüchtigen Impresario des deutschen Frauenfußballs die Vision. Bei acht Frauen-Bundesligisten aus den DFL-Lizenzvereinen könne doch „gar nichts Besseres passieren, als das eine enge und strategische Zusammenarbeit mit der DFL Realität würde“, teilte Dietrich umgehend mit. Dabei dachte der 63-Jährige, der vergangenen Sommer mit dem 1. FFC Frankfurt unter das Eintracht-Dach geschlüpft ist, vor allem an das „wirtschaftliche Potenzial“.

DFB-Vizepräsidentin Ratzeburg war von dem DFL-Vorstoß nur bedingt begeistert. „Die Ausgliederung eines einzelnen Wettbewerbs ist kritisch zu betrachten“, teilte die 69-Jährige flugs in einer Stellungnahme unverhohlen verärgert mit. Nun will die DFL „in enger Abstimmung mit dem DFB“ die bestehenden Strukturen fördern und einen Maßnahmenplan erarbeiten. Zudem soll diskutiert werden, ob es eine statuarische Verpflichtung für die Lizenzvereine gibt, eine Frauen- und Mädchenabteilung zu führen.

Einen solchen Vorschlag hatte DFB-Chef Keller beim Amtsantritt vor anderthalb Jahren gemacht – und war vielerorts auf taube Ohren gestoßen. Vielleicht hilft es ja jetzt, wenn die DFL-Beraterin Möller fordert: „Wir müssen neue Heldinnen schaffen.“ Ganz egal, ob auf und abseits des Platzes. Hauptsache, die Frauen strahlen so sichtbar wie die Professorin am Podium.

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