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Gespannt auf das, was kommt: Löwen-Sportdirektor/Trainer Franz-David Fritzmeier an der Bande.
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Gespannt auf das, was kommt: Löwen-Sportdirektor/Trainer Franz-David Fritzmeier an der Bande.

Löwen Frankfurt

„Heimspiele ohne Fans sind absurd und surreal“

  • vonMarkus Katzenbach
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  • Michael Löffler
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Das Führungstrio des Eishockeyzweitligisten Löwen Frankfurt, die Bosse Krämer und Stracke sowie Sportdirektor Fritzmeier, über Überlebenskämpfe und meisterliche Aussichten auch in Corona-Zeiten

Den Löwen stehen wichtige Wochen bevor, vielleicht die wichtigsten seit der Neugründung vor gut zehn Jahren: Spätestens am 22. Mai entscheidet sich, ob der lang angestrebte Aufstieg in die DEL glückt. Wie sind die Aussichten, in diesen speziellen Corona-Zeiten?

Stefan Krämer: Zunächst einmal kämpfen wir weiterhin jeden Tag aufs Neue mit den Auswirkungen der Pandemie und ums Überleben. Mit der Unterstützung unserer Fans, unseren Partnern und Sponsoren sowie den Bundeshilfen wird uns das hoffentlich gelingen. Im sportlichen Bereich haben wir uns nach unserer Corona-Quarantäne und trotz vieler schwerwiegender Verletzungsprobleme wieder an die vordersten Tabellenregionen rangekämpft. Jetzt gilt es, die bestmögliche Tabellenplatzierung für die Playoffs zu erreichen. Am 20. April beginnen die Playoffs. Dann werden wir bereit sein und alles geben.

Seit 2018 wird in einem Dreijahresplan akribisch daran gearbeitet, bereit zu sein, wenn die Tür nach oben endlich wieder aufgeht. Die ersten beiden Jahre schon sehr erfolgreich, mit jeweils dem ersten Hauptrundenplatz. Hadern Sie manchmal etwas, dass jetzt, da es wirklich zählt, so viele Widrigkeiten im Weg stehen?

Andreas Stracke: Natürlich ist die Basis für unseren Plan das eine solche Saison unter Normalbedingungen abläuft. Volle Hallen und jeden einzelnen Sieg gemeinsam mit den Fans und Partner zu feiern, darüber hinaus natürlich auch die Einnahmensituation. Aber manchmal kommt es eben anders, und diesmal stellte uns alle die Pandemie vor eine Herkulesaufgabe. Wir haderten in den vergangenen zwölf Monaten nie, wir versuchten stets zu handeln und Lösungen zu finden, um diese Zeit zu überleben.

Es sind ja nicht nur die Corona-Umstände, einschließlich der langen Quarantäne im Januar: Zur Unzeit leiden die Löwen unter vielen Ausfällen, jetzt hat es auch noch Kapitän Adam Mitchell erwischt. Kann man das überhaupt auffangen, ohne allzu große Qualitätsverluste?

Franz-David Fritzmeier: Im Sport kann dir so etwas leider immer passieren. Dass es uns allerdings die vergangenen Monate so regelmäßig mit langwierigen Verletzungen erwischt hat – wie auch der Ausfall von Manuel Strodel oder unseren gesetztem Abwehrspieler David Suvanto, um nur einige Langzeitausfälle zu nennen – ist aber eher nicht normal. Allerdings haben wir auch noch gute Spieler auf dem Eis, die versuchen müssen, die Skills der ausfallenden Teamkollegen zu kompensieren, eng zusammenrücken und als Team kämpfen.

Ein Trumpf wird den Löwen auch noch fehlen: die Fans. Ein großer Verlust, nicht nur stimmungsmäßig.

Krämer: Heimspiele ohne Fans sind einfach absurd und surreal. Das fühlt sich an wie ein Trainingsspiel, dabei geht es doch um so viel. Auch sind unsere lautstarken Fans bekannt dafür, unserer Mannschaft den Extra-Kick, die Extramotivation zu geben. Auch das fehlt derzeit und ist sicher ein Nachteil für uns. Da wir in der DEL 2 Jahr für Jahr die höchsten Zuschauerzahlen und dadurch auch die höchsten Einnahmen in diesem Bereich hatten, trifft es uns von allen Klubs sicher am härtesten. Die in diesem Zusammenhang bereitgestellten Bundeshilfen helfen uns, jedoch kompensieren wir damit nicht die tatsächlichen Einnahmeverluste und haben eine Finanzierungslücke. In diesem Zusammenhang hilft uns die Loyalität unserer großartigen Fans und im Besonderen das kulante Verhalten vieler unserer Dauerkarteninhaber.

Es fehlen ja nicht nur Ticketeinnahmen, auch Sponsorenfragen sind betroffen. Weniger Werbewirkung ohne Zuschauer in der Halle, keine VIP-Plätze, keine oder kaum Kontakte und Aktionen mit Spielern: Wie schwer fällt das ins Gewicht?

Stracke: Ja, auch das ist ein großes Arbeitsfeld der letzten Monate, aber auch aktuell noch; mit jedem Partner genau seine individuelle Einstellung und Lage in der Pandemie zu besprechen. Auf jeden Fall konnten wir diese Saison keine VIP-Arrangements abrechnen und nur einen Teil der Sponsorenvereinbarungen. Das fällt natürlich brutal ins Gewicht.

Zur Person

Stefan Krämer und Andreas Stracke leiten als Gesellschafter zusammen mit Sportdirektor und Headcoach Franz-David Fritzmeier die Geschicke bei den Löwen Frankfurt. Seit drei Jahren arbeitet das Trio am Aufstieg in die erste Klasse des deutschen Eishockeys, nun geht es in die entscheidende Phase – unter nicht nur wegen der Corona-Pandemie schwierigen Umständen, aber mit viel Zuversicht.

Für die Corona-Hilfen des Bundes für den Profisport haben Sie sich bereits bedankt. Sind schon Überweisungen eingegangen?

Krämer: Die ersten Zuschüsse gerade hinsichtlich der Kompensation der entgangenen Zuschauereinnahmen sind bei uns eingetroffen. Dies deckt in etwa 25 Prozent unseres Saisonetats. Weitere Anträge sind seit Anfang März eingereicht oder in den letzten Zügen. Wenn alles in diesem Zusammenhang optimal für uns läuft, erhalten wir zwar die erforderliche „Hilfe zur Selbsthilfe“, aber mit den staatlichen Hilfen alleine wird keine Kostendeckung gegeben sein.

Wer oder was hat den Löwen sonst geholfen? Kurzarbeitergeld und eventuell auch Kredite der öffentlichen Hand? Unterstützung der Löwen-Partner und Fans?

Krämer: Unsere Mannschaft war bis Ende September in Kurzarbeit, aber so, dass noch ausreichend trainiert wurde und vor allem Versicherungsschutz im Falle von Verletzungen bestand. Die Mitarbeiter unserer Geschäftsstelle sind leider noch heute in Kurzarbeit. Das hilft uns sehr und wir sind für diese Bereitschaft jedem einzelnen Kollegen sehr dankbar, macht das Arbeiten insgesamt aber sehr kompliziert. Kredite der öffentlichen Hand dürfen keine genommen werden, wenn man gleichzeitig staatliche Coronahilfen beantragt hat, da diese subsidiär gewertet werden. Aber auch die Unterstützung unserer Fans und Partner hilft uns sehr. Das ist nicht selbstverständlich, gerade in dieser Zeit, denn viele Menschen und Unternehmen haben mit ähnlichen Problemen wie wir zu kämpfen. Für all diese Unterstützung sind wir sehr dankbar. Das gibt uns Mut, den Weg entschlossen weiter zu gehen.

Ein Dauerthema ist die neue Halle. Wann rechnen Sie mit Bewegung in dieser Frage?

Krämer: Wir haben immer gesagt, dass der Weg zurück in die erste Liga nur mit einem verbindlichen Planszenario der neuen Löwen-Spielstätte möglich ist. Unser Partner The Dome ist aktuell mit der Fraport im Dialog über die nächsten Schritte im Interessebekundungsverfahren. Wir hoffen, dass diese Gespräche zu einem schnellen Übereinkommen führen. Wir sitzen hier leider nicht im Fahrersitz, sind aber zuversichtlich, da für die Fraport eine Arena auf ihrem Grundstück am Squaire sicher sehr viele positive Synergien bringt.

Die Lizenzunterlagen für die nächste Saison sind längst in Arbeit, für die erste und zweite Liga. Auch mit einem zumindest alternativen Szenario weiter ohne Zuschauer? Ist das überhaupt zu finanzieren?

Krämer: Die Lizenzunterlagen müssen wir Ende Mai abgeben, und natürlich sind wir aktuell mit vollem Einsatz dran unsere Partner für eine neue Spielzeit und die Löwen zu begeistern. Es ist allerdings klar, dass die wichtigste Voraussetzung, egal ob DEL oder DEL 2, das Spielen vor Zuschauern ist. Eine weitere Saison ohne Zuschauer wird unter den aktuellen Gegebenheiten nicht funktionieren.

Wenn der ersehnte Aufstieg gelingt: Bekommen die Löwen nach diesem Corona-Jahr auch noch genug Geld für die DEL zusammen?

Stracke: Auch daran arbeiten wir permanent. In der aktuellen Zeit mit täglichen Änderungen und Unwägbarkeiten können wir jetzt dazu noch keine verbindliche Aussage treffen. Im Erfolgsfall werden wir es wirtschaftlich schaffen können, wenn sich unsere Partner bis zum Tag X verbindlich committen und unsere Fans und die Stadtpolitik ebenfalls mitziehen.

Interview: Markus Katzenbach und Michael Löffler

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