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Es lief schon mal besser: Marco Rose, Noch-Trainer von Borussia Mönchengladbach.
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Es lief schon mal besser: Marco Rose, Noch-Trainer von Borussia Mönchengladbach.

Borussia Mönchengladbach

Die heile Welt der Unordnung

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Selbst ausgehobene Baustellen um den Trainer Marco Rose und Eskapaden einzelner Spieler lassen den gut geführten Traditionsverein in eine kleine Krise rutschen.

Unlängst ist die letzte Gladbacher Instanz mal wieder in die Offensive gegangen und hat die Wahrscheinlichkeit eines Verbleibs des Trainers Marco Rose auf stolze „98 Prozent“ beziffert, nur ein Prozent schlechter als noch im Dezember, als erstmals derartige Wechselgerüchte aufkamen. Max Eberl, seit 1999 am Bökelberg und ab 2008 auch noch der wichtigste Mann im Klub, hat damit die Hoffnung nähren wollen, der vor allem von Borussia Dortmund umschwärmte Coach würde seinen Vertrag (bis 2022) in Gladbach erfüllen. Eberl weiß es vermutlich besser, kein großes Geheimnis ist, dass der frühere Bundesligaprofi aus Niederbayern, 47, längst schon seine Fühler nach dem Bremer Florian Kohfeldt und dem Salzburger Jesse Marsch ausgestreckt hat. Der Sportdirektor will vorbereitet sein, wenn es denn tatsächlich zur Trennung mit dem insbesondere in der Mannschaft sehr beliebten Trainer kommen sollte. „Es ist ein Thema“, sagt Ebert, „das uns begleitet, aber nicht belasten darf.“ So einfach wird es freilich nicht gehen. Selbst Weltmeister Christoph Kramer räumt ein: „Das kannst du gar nicht ausblenden.“ Die lange heile Welt rund im Borussia-Park ist gewaltig in Unordnung geraten.

Und Marco Rose tut im Moment auch nicht viel, die sich immer mehr aufladende Stimmung rund um die Hennes Weisweiler-Allee zu besänftigen. Er könnte das sehr einfach: Indem er klipp und klar sagt, er sehe keine Veranlassung, den aufstrebenden Klub am Niederrhein so bald zu verlassen. Tut er aber nicht. Statt dessen laviert er sich so durch, bleibt im Ungefähren, nährt Spekulationen - und macht sich plötzlich, nach 14 Punkten aus den ersten sechs Spielen in diesem Jahr, auch sportlich angreifbar, indem er ausgerechnet im Derby gegen Köln sechs Stammkräfte schont.

Logisch, dass das den Fans nach einer als peinlich empfundenen 1:2-Niederlage missfällt: „Wer das Derby als idealen Zeitpunkt für ein Rotationsexperiment ansieht, hat Borussia Mönchengladbach nicht verstanden“, ätzte etwa der „FPMG Supporters Club“: „Mit dem Derby spielt man nicht.“ Inzwischen ist das - vom Klub finanziell abhängige - Fanprojekt zurückgerudert, man erkenne die Arbeit des Coaches an, heißt es jetzt, und: „Wir wollen Marco ein Denkmal bauen.“

Dennoch: Es rumort vernehmlich beim ansonsten seit bald zehn Jahren stetig positive Schlagzeilen schreibenden Saubermann-Klub, der seit den überstandenen Relegationsspielen 2011 gegen den VfL Bochum eine erstaunlich Entwicklung genommen hat und seitdem nie mehr auf einem zweistelligen Tabellenplatz gelandet ist. Seit diesem Zeitpunkt geht es dank sehr kluger Einkaufspolitik und einer vernünftigen, seriösen Klubstrategie fast nur nach oben, Mönchengladbach spielt seit Jahren regelmäßig international, inzwischen sogar Champions League - am 24. Februar übrigens im Achtelfinale gegen Manchester City - ein Ergebnis, das in erster Linie auf dem besonnenen, hochprofessionellen Führungsstil eines Max Eberl fußt, der gemeinsam mit Geschäftsführer Stephan Schippers („Die Coronakrise kostet uns weit über 20 Millionen Euro“) und Chefscout Steffen Korell den Klub längst in ruhiges Fahrwasser geführt hat: „Wir kaufen Potenzial und verkaufen Qualität“, heißt das Geschäftsmotto am Niederrhein, gut schauen, teuer abgeben.

Und Trainer Marco Rose, der gemeinsam mit Co-Trainer Alexander Zickler in Gladbach eine Männer-WG bewohnt, soll die Spieler besser machen. Bei Jonas Hofmann, Ramy Bensebaini, Florian Neuhaus, Nico Elvedi, Marcus Thuram etwa ist es dem gebürtigen Leipziger gelungen. „Das alles ist ohne Geld von außen geschafft worden“, lobt Eberl, Denis Zakaria dürfte der nächste Profi sein, der für viel Geld transferiert wird, Mittelfeldspieler Kouadio Koné (FC Toulouse) ist der neue Rohdiamant, den der VfL fest an der Angel hat. Auch Nationalspieler Florian Neuhaus ist ins Visier, unter anderem von Dortmund, geraten. Solide ist gewirtschaftet worden, das Eigenkapital der Borussia beträgt stolze 103 Millionen Euro.

Diese Erfolgsstory passt aber so gar nicht zusammen mit den jüngsten unschönen Vorkommnissen, die gehörig am guten Image des VfL kratzen. Da ist die eklige Spuckattacke des eigentlich sehr besonnenen Stürmers Thuram, da ist die Eskapade des Breel Embolo, der mitten in den Pandemie glaubte, eine Party besuchen zu müssen und sich hinterher als Erklärung eine ziemliche Räuberpistole ausgedacht hat. Eine durchsichtige Strategie, die der Klub überraschend vehement verteidigte und dabei selbst Aussagen der Behörden in Zweifel zog. Just zu diesem Zeitpunkt weilte Eberl in einer selbst gewählten Auszeit in den Bergen. Der Imageschaden war enorm. Diese Causa wäre unter dem umsichtigen Sportdirektor sicherlich anders, besser, gemanagt worden.

Nun stehen die Gladbacher vor den Wochen der Wahrheit. Schon am Sonntag im Spiel beim VfL Wolfsburg geht es um sehr viel, sollten die Gladbacher verlieren und Konkurrent Eintracht Frankfurt sein Spiel just gegen den 1. FC Köln gewinnen, betrüge der Rückstand auf einen Champions League-Platz schon sieben Punkte. Dazu warten die Duelle gegen Leipzig, Leverkusen und in der Champions League gegen Man City. Und dazwischen steigt noch der DFB-Pokalknaller gegen Borussia Dortmund im Viertelfinale. Die Chancen der Gladbacher, nach 1995 mal wieder ein Pokalfinale zu gewinnen, sind in dieser Runde so groß wie lange nicht mehr. Er wolle endlich „was Blechernes“ in die Vitrine stellen, hofft Max Eberl.

Bis dahin werden die Borussen noch ein paar Baustellen zuschütten müssen. Die meisten haben sie sich selbst gegraben.

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