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Der Sonne gemütlich entgegen: Derart ruhig und idyllisch geht es bei der Vendée selten zu.
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Der Sonne gemütlich entgegen: Derart ruhig und idyllisch geht es bei der Vendée selten zu.

Härteste Regatta der Welt

Hauptsache ankommen

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Bei der Hatz durch die Weltmeere, der Segelregatta Vendée Globe, verschieben sich allmählich Prioritäten – Rekorde spielen keine Rolle mehr.

Es gibt sie, die schönen Momenten auf hoher See, die für all die Anstrengungen entschädigen. Dann zum Beispiel, wenn die Sonne gerade hinter dem Horizont empor krabbelt, wenn sich zwischen das wütende Peitschen der Wellen die grellen Schreie der größten Vögel auf Erden mischen. Wenn Albatrosse, eine Spannweite von drei, manchmal dreieinhalb Metern, das durchs Wasser pflügende Schiff begleiten und Boris Herrmann ein Lächeln ins Gesicht zaubern. „Den Skippern bedeuten Albatrosse sehr viel, sie sind das untrügliche Zeichen im Southern Ocean angekommen zu sein“, sagt der Hamburger.

Als einer von 33 Starterinnen und Startern machte sich Herrmann am 8. November auf den Weg, die Welt alleine auf einer Rennyacht zu umrunden. Die Vendée Globe, beginnend und irgendwann endend an der französischen Atlantikküste, gilt als die härteste Regatta für Einhandsegler. Etwa 45 000 Kilometer lang, mehr als 70 Tage, ohne Pause. Sie führte die Teilnehmer anfangs gen Süden am Kap der guten Hoffnung in Südafrika vorbei, ehe es jetzt entlang des Südpolarmeeres, des Southern Ocean, in Richtung Australien geht. Herrmann liegt ordentlich im Rennen, er ist im vorderen Feld platziert, bereits fünf Kontrahenten sind raus. Manch einer auf dramatische Art und Weise.

So musste der Franzose Kevin Escoffier Anfang Dezember nach einem starken Wassereinbruch in seine Yacht aufgeben. „Kennt Ihr diese Filme über Schiffswracks? So war das. Nur schlimmer“, berichtete er hinterher. Binnen vier Sekunden habe sich das Boot in die Welle gebohrt und der Bug um 90 Grad nach oben gefaltet. „Ich hatte Zeit, eine Textnachricht zu schicken. Dann hat die Welle die Elektronik lahmgelegt. Es war total verrückt. Dann hat es das Boot zweigeteilt.“

Boris Herrmann.

Der 40-Jährige verließ bei fünf Meter hohen Wellen und gerade einmal zehn Grad Wassertemperatur die leckgeschlagene Yacht und begab sich in eine an Bord aufbewahrte Rettungsinsel. Kontrahent und Landsmann Jean Le Cam rettete Escoffier Stunden später, nahm ihn an Bord, erst sechs Tage danach stieg der Schiffsbrüchige auf ein Boot der Marine um. Sogar der französische Präsident Emmanuel Macron meldete sich per Videoanruf bei seinen Landsleuten Le Cam und Escoffier. Die Rennleitung hatte damals auch Boris Herrmann in die Nähe der Unglücksstelle beordert. Er sollte beim Suchen helfen. Wenngleich der Hamburger am Ende nichts ausrichten konnte, schlucken musste er ob der gefährliche Lage schon.

„Die Prioritäten verschieben sich eindeutig“, sagte er dem NDR: „Ankommen ist für mich der große Wunsch und bedeutet so viel mehr auf einmal, wenn man am eigenen Leib erlebt, was dieses Rennen an Herausforderungen und Entbehrungen bedeutet und wie hart es wirklich ist. So habe ich es mir nicht immer vorgestellt.“ Regelmäßig kam es seit der ersten Ausgabe 1989 zu heftigen Zwischenfällen, und zu einzelnen Todesfällen.

Zusammenstoß mit Wal

Vor wenigen Tagen erst stieß der Franzose Didac Costa offenbar mit einem Wal zusammen, sein Boot sei abrupt ausgebremst worden, erzählte er. Als sich der Skipper umschaute, entdeckte er den Wal. Costa und seine Yacht blieben unbeschadet. Die Hatz um die Welt ging weiter. Und sie wird von den Sportlerinnen und Sportlern sowie deren Teams medial bestens aufbereitet. Täglich melden sich die Skipper aus ihren Yachten – mit Videobotschaften, Tagebucheinträgen, Livestreams. Herrmann hielt sogar ein Zoom-Meeting mit einer Schulklasse ab. Die übermittelten Bilder sind imposant und aufregend. Wenn der Wind über das Deck peitscht, die Gischt spritzt und die Yachten ein Spielball der Wellen zu werden scheinen – beeindruckend.

Um den anfangs von einigen Skippern noch angepeilten Vendée-Rekord, aktuell steht er bei 74 Tagen und drei Stunden, geht es mittlerweile eher nicht mehr. Zu viele starke Stürme kamen bereits dazwischen. Einen knappen Monat nach dem Start liegt die Spitzengruppe bereits fünf Tage hinter der bisherigen Siegesfahrt. Fast uneinholbar, und für manch einen auch unerheblich. Viel wichtiger sind da die schönen Momenten auf hoher See, jene mit Albatrossen am Horizont.

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