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Hat er brutal zugeschlagen? Artjomi Panarin.
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Hat er brutal zugeschlagen? Artjomi Panarin.

Russland

Komplott oder Gewalt?

  • Stefan Scholl
    vonStefan Scholl
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Der russische Eishockeystar und Kreml-Kritiker Artjomi Panarin soll vor zehn Jahren eine Frau zusammengeschlagen haben.

Er ist bekannt für seinen jugendlichen Bartflaum und seine wehenden, dunkelblonden Locken. Aber vor allem für seine Tore, vergangene Saison 33. Und für seinen Siebenjahresvertrag bei den New York Rangers, der ihm fast zwölf Millionen Dollar jährlich einbringt: Artjomi Panarin, 29, der bestbezahlte Russe in der nordamerikanischen National Hockey League. Eine Lichtgestalt, nach eigenen Angaben gibt er acht Prozent seines Gehalts für seine eigene Wohltätigkeitsstiftung aus.

In Moskau aber enthüllt man jetzt sein zweites, mutmaßlich sehr finsteres Gesicht: Panarin soll 2011 in einer Hotelbar in Riga eine junge Frau brutal zusammengeschlagen haben. „Eine junge Besucherin missfiel ihm. Unser Stürmer schickte sie mit einigen mächtigen Schlägen auf den Boden“, erzählte der Eishockeycoach Andrei Nasarow kürzlich dem kremlnahen Massenblatt „Komsomolskaja Prawda“. Nasarow trainierte 2011 das Team des russischen Klubs Witjas Podolsk, für das Panarin damals spielte. Der habe die junge Frau im angetrunkenen Zustand verprügelt, sei dann auf sein Zimmer geflohen, aber von der lettischen Polizei festgenommen worden. Einflussreiche Rigaer Bürger hätten Panarin geholfen, so Nasarow. „Es kam zu Verhandlungen mit der Polizei. Ich habe nicht teilgenommen, aber ich hörte, es hätte 40 000 Euro in bar gekostet, das Verfahren zu stoppen.“

Wurde Sex verweigert?

Einen Tag später wiederholte das amerikanische Portal greanvillepost.com die Vorwürfe verschärft: Panarin habe zugeschlagen, weil das Mädchen ihm Sex verweigerte, danach versucht, sie zu vergewaltigen. Der Autor beruft sich auch auf Nasarow.

Böse Vorwürfe, Panarin erbat sich bei den Rangers Urlaub. In den USA sind Promis, die gegenüber Frauen gewalttätig werden, in der Regel so gut wie erledigt. Und Panarin musste sich schon 2017 für einen rassistischen Spruch entschuldigen, den er fünf Jahre vorher in einer russischen Talkshow gemacht hatte: Er könne keinen Sex mit schwarzen Frauen haben.

Der einzige Zeuge der Prügelszene in Riga, den Nasarow erwähnt, ist Panarins Mannschaftskamerad Michail Anissin. Aber er dementierte Nasarows Vorwürfe auf Nachfrage der Fachzeitung „Sport Express“: „Das Äußerste, was geschah, war, dass Artjomi ein Mädchen leicht weggeschoben hat.“ Schläge habe es auf keinen Fall gegeben. Und der Rigaer Sportjournalist Konstantin Fjodorow versicherte dem Portal sport.ru, die lettischen Medien hätten sich den blutigen Ausraster eines betrunkenen russischen Hockeyprofis auf keinen Fall entgehen lassen.

Russland aber besitzt seine eigene Politikkorrektheit. Sexuelle Übergriffe werden dort als Kavaliersdelikt belächelt, Sportler:innen und andere Promis aber haben Wladimir Putin in Reklamevideos zu feiern. Panarin ist hier schon seit Jahren als Putin-Kritiker verschrien. So warf er dem Staatschef 2019 vor, er sei zu lange an der Macht: „Er versteht schon nicht mehr, was gut, und was schlecht ist.“

Panarin wagte es vor fünf Wochen auch, auf Instagram ein Foto des gerade verhafteten Oppositionspolitikers Alexei Nawalnys mit dem Hashtag „Freiheit für Nawalny“ zu platzieren. „Er fordert Freiheit für gewissenlosen Lügenkriminelle“, schimpfte Ex-Trainer Nasarow in der „Komsomolskaja Prawda“.

Der Eishockeyexperte Igor Rabiner glaubt an eine politisch motivierte Attacke. „Sportlich ist das ein Schuss ins eigene Knie. Die Nationalmannschaft verliert vor den Olympischen Spielen in Peking ihren besten Stürmer“, schreibt er auf Telegram. „Unsere Polittechnologen sind Superpatrioten. Ihnen ist egal, ob Russland gewinnt, Hauptsache, in den Köpfen der Spieler herrscht kein Aufruhr.“ Bleibt abzuwarten, ob Panarin noch einmal für Russland aufs Eis gehen wird.

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