„Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln.“ Dietmar Hopp.
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„Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln.“ Dietmar Hopp.

Dietmar Hopp

Hassfigur als Held

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Dietmar Hopp, gerade noch aus den Ultrakurven verpönt, ist jetzt der Mann, der aufrecht US-Präsident Donald Trump die Stirn bietet.

Die Ironie der Geschichte könnte größer kaum sein. Sie macht einen bald 80 Jahre alten Mann von einer Hassfigur für wenige zu einem Helden für viele. Natürlich ist diese Geschichte ein bisschen schwarz-weiß gemalt, natürlich gibt es auch ein paar Schattierungen, aber die spielen gerade keine Rolle. Denn Dietmar Hopp, jener selbe Multimilliardär, dessen Konterfei noch vor ein paar Wochen im Fadenkreuz die Banner in diversen Ultrablöcken der Fußball-Bundesliga schmucklos schmückten, ist jetzt der Mann, der sich Donald Trump entgegenstellt.

Landauf, landab ist bekannt, dass der Mitbegründer des globalen Softwarekonzerns SAP gütiger Mehrheitseigentümer der TSG Hoffenheim ist; mancher weiß, dass er als 17-Jähriger für die TSG schon Tore schoss und den Dorfverein seit 1989 mit rund 350 Millionen Euro Kapital aus der Privatschatulle aus der A-Klasse bis in die Champions League durchfinanzierte. Auch sein soziales Engagement ist berühmt geworden: Hopp schaufelte über seine Stiftung rund eine Milliarde Euro in mildtätige Initiativen, Krankenhäuser, Kinderhilfen, Klimaprogramme.

Was einer breiten Öffentlichkeit bisher verborgen geblieben ist: Der Investor aus Leidenschaft hat laut Selbstauskunft bereits 1,5 Milliarden Euro in Startups aus dem Biotech-Sektor gesteckt, Bei weitem nicht alle vom 79-Jährigen Heidelberger mit Zweitwohnsitz Florida zur Verfügung gestellten Finanzmittel brachten den erhofften Ertrag. Einige Projekte schlugen fehl. Aber Hopp ließ sich nicht entmutigen.

Seit 2006 hat er 150 Millionen Euro in das damals noch ganz junge Unternehmen Curevac investiert. Nun ist das Tübinger Unternehmen, das ursprünglich Medikamente gegen Krebs zu entwickeln versuchte, plötzlich weltweit bekannt, weil es hoffnungsvoll an der Herstellung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus forscht. Und noch viel bekannter wurde Hopps Firma, nachdem US-Präsident Donald Trump Curevac mit viel Geld aus Tübingen in die Vereinigten Staaten zu locken gedachte, um seine Landsleute exklusiv zu versorgen. Bis Dietmar Hopp sich querstellte. Es könne nicht angehen, beschied er bei Sport1, „dass eine deutsche Firma den Impfstoff entwickelt und dieser in den USA exklusiv genutzt“ würde. Er selbst habe persönlich nicht mit Herrn Trump gesprochen. Dieser sei aber an die Firma herangetreten „und man hat mir das dann sofort gesagt und gefragt, was ich davon halte und ich wusste sofort, dass das nicht infrage kommt.“ Der kollektive Beifall aus dem Heimatland war ihm gewiss, Hopp ist nun guter Hoffnung, dass das Wundermittel bis Herbst gefunden wird.

Am Mittwoch nutzte sein Verein die Gunst des Augenblicks und veröffentlichte ein großes Interview mit dem Mäzen. Da sagt er zum Beispiel: „Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln, nicht für ein Land, nicht für bestimmte Schichten, nicht für bestimmte Teile der Erde. Dieser Impfstoff, so er denn erfolgreich entwickelt und getestet wird, soll kein Spekulations- oder Machtinstrument sein, sondern helfen, eine globale Krise helfen einzudämmen. Das wünsche ich mir.“

Es sind Worte, die die Herzen wärmen,

Und natürlich wäre die Medienabteilung seines Klubs ja blöd, würde sie die Heldengeschichte nicht mit den persönlichen Abgründen verknüpfen, die der gute Mann von Hoffenheim gerade durchgemacht hat.

Seit 13 Jahren nun schon kämpft Dietmar Hopp verzweifelt und unverzagt gegen die Windmühlenflügel der zuweilen in üble Tiraden ausufernden Fanproteste. Wirklich verstanden zu haben scheint er den gedanklichen Ansatz der Kritik – reicher Mann verhilft Dorf mit kaum 3000 Einwohnern zu grotesker Größe im europäischen Fußball - noch immer nicht. Er habe doch selbst für den Verein gestürmt, ergo: „Es bedarf schon einer blühenden Fantasie, an meiner Person die Kommerzialisierung des Fußballs festzumachen.“

Aber natürlich hat er auch Recht, wenn er vehement darauf verweist, dass gerade der Klub seiner schärften Kritiker, Borussia Dortmund, Börsengang im Jahr 2000 weit mehr als hundert Millionen Euro einsammelte, nur, um vier Jahre später, „als der BVB vor dem Ruin stand“ durch einen „gelinde ausgedrückt dubiosen Finanzjongleur“ gerettet zu werden.

Rettungsinitiativen könnten auch in diesen schweren Tagen wieder vonnöten sein, wenngleich nicht für den kernsanierten BVB. Hopp, ganz moderner Robin Hood, ruft die Bundesliga zum Altruismus auf. Er dürfte ahnen, dass sein Tatendrang eher individueller Natur bleiben wird. „Es schlägt die Stunde der Solidarität. Der Starke hilft dem Schwachen“, sagte er am Dienstag in einer Deutlichkeit, die andere Klubs so nicht formulierten, und fügte an, er würde sich „wünschen, dass dieser sehr naheliegende Solidaritätsgedanke bei allen Protagonisten der Bundesliga Konsens ist.“ Konkret: „Wie müssen den Solidargedanken auch finanziell so unterfüttern, dass wir eine Lösung für die Klubs finden, die von den Einbußen existentieller betroffen sind als andere Vereine.“ Er hege „durchaus Sympathie für die Idee eines Solidarfonds, um dieser Ausnahmesituation zu begegnen.“

So sprechen Helden. Reiche einsame Helden. (Von Jan Christian Müller)

Jetzt, Monate später, erhalten Karl-Heinz Rummenigge und Dietmar Hopp von der „SportBild“ eine Auszeichnung für die „Geste des Jahres“. Ein Schlag ins Gesicht für die Fans. Ein Kommentar.

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