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Harter Schlag für das deutsche Boxen

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Von: Timur Tinç

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Hart getroffen: Halbschwergewichtler Leon Bunn (links) geht gegen Padraig McCrory in der Fabriksporthalle zu Boden.
Hart getroffen: Halbschwergewichtler Leon Bunn (links) geht gegen Padraig McCrory in der Fabriksporthalle zu Boden. © dpa

Halbschwergewichtler Leon Bunn verliert WM-Kampf gegen den Iren Padraig McCrory in Frankfurt - sein Vater sorgt sich um die Zukunft.

Leon Bunn wirkte beim Abgang aus Ring in Frankfurter Fabriksporthalle noch immer nicht ganz bei sich. Begleitet von seinem Vater Ralph verschwand der 30-Jährige in der Kabine, nachdem er zuvor den WM-Titelkampf im Halbschwergewicht nach Version der IBO klar gegen Padraig McCrory verloren hatte. Sein Trainer Conny Mittermeier hatte in Runde sechs genug gesehen und das Handtuch geworfen. „Mir blieb nichts anders übrig“, sagte Mittermeier nach dem insgesamt vierten Niederschlag. „Er war chancenlos hintenraus.“

Der WM-Titel hätte der Türöffner für weitere große Kämpfe sein sollen. Stattdessen ist die Tür krachend vor der Nase des gebürtigen Frankfurters zugefallen. Fraglich, ob die Chance in Zukunft nochmal kommt. Auch für das deutsche Boxen insgesamt war es ein Rückschlag, wie Promoter Kalle Sauerland einräumte. „Es ist eine bittere Pille, die wir schlucken müssen“, sagte der Head of Wassermann Boxing. Er glaubt nach wie vor, dass die Strategie, Boxkämpfe in große deutsche Städte zu bringen, die Richtige ist. Allerdings fehlen dem Sport die großen Namen im Land.

Leon Bunn wollte das ändern. Er kam mit einem ungeschlagenen Kampfrekord (18 Siege, davon neun durch K.o.) in diesen Fight. Schon im Vorfeld deutete das Bunn-Camp an, den ebenfalls ungeschlagen McCrory (14 Siege und acht K.o.’s) mit boxerischer Finesse über die Distanz schlagen zu wollen. Spätestens nach der zweiten Runde war klar, dass der 34-Jährige Ire es ernst meinte, den Kampf frühzeitig zu beenden. Angefeuert von 300 irischen Fans, die sich unter die insgesamt rund 1500 Zuschauer:innen gemischt hatten, schickte er Bunn erstmals zu Boden. Von diesem Treffer sollte sich der Frankfurter nicht mehr erholen.

„Leon muss härter werden“

Er kämpfte zu bieder, zu brav, riskierte nichts, sondern versuchte, mit dem Jab durchzukommen. Und wenn er kurz die Deckung öffnete, kassierte er harte Wirkungstreffer „Viele Schläge waren unsauber, stilistisch nicht gut“, analysiere Vater Ralph Bunn. In der dritten Runde hätte der Kampf nach zwei Niederschlägen schon gestoppt werden können. Zwar pumpte der Ire in der Folge auch, aber seine Schläge fanden im Gegensatz zu Bunns immer wieder im Ziel und in der sechsten Runde war es erneut eine Rechte, die Bunn zu Boden schickte.

„Ich bin sehr enttäuscht von mir selber, dass es so passiert, aber ich kann es leider nicht ändern“, sagte Bunn. „Ich habe gemerkt, dass er härter getroffen hat als ich. Das hätte ich vermeiden sollen, denn ich stand viel mit ihm. Ich glaube, ich habe ihn auch mal hart erwischt, aber er war heute leider der Bessere.“ Wie es für ihn nun weitergeht, ist ungewiss. Normalerweise stellt sich Bunn nach Kämpfen nach nur ein oder zwei Tagen wieder ins Gym, um zu trainieren. „Ich würde ihm eine Auszeit nahelegen“, sagte Vater Ralph Bunn. Er mache sich weniger Gedanken, um das körperliche, sondern vielmehr darum, wie sein Sohn wieder nach vorne blicken könne.

Ob Conny Mittermeier weiter Bunns Trainer bleibt, ist offen. „Er hat ein ganz anderes System vom Training her. Er schmeißt keine harten Hände“, erklärte der erfahrene Coach offen. „Bei mir im Training musst du unter Strom stehen.“ Zwei Monate hat sich Bunn in der Nähe von Stuttgart auf den MrCrory-Fight vorbereitet. „Leon muss ein bisschen aus sich raus, härter werden“, findet Mittermeier. Mit 30 Jahren dürfte das schwierig werden.

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